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Bauausschuss unterstützt Stroetmann-Projekt

Logistikcenter in Bösensell rückt näher

Bösensell

Das geplante Logistik-Center in Bösensell nahm eine politische Hürde. Was nicht überraschte. Wohl aber, dass der einstige Stadtdirektor Münsters, Hartwig Schultheiß, als Stroetmann-Manager die Pläne im Sendener Bauausschuss präsentierte.

Dietrich Harhues

Das Logistikcenter Stroetmann soll auf einer 9,5 Hektar großen Fläche in Bösensell zwischen B 235 und A 43 entstehen. Foto: di

Das Vorhaben der Firma Stroetmann, in Bösensell ein Logistikcenter zu errichten, nimmt eine weitere Hürde. Mit komfortabler Mehrheit (Zustimmung aller Fraktionen außer der Grünen) fiel im Bau- und Planungsausschuss am Dienstagabend der Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Dazu soll, als weiterer Bestandteil der politischen Entscheidung, die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden durchgeführt werden.

Weniger das politische Votum dürfte angesichts der bisherigen Debatten überrascht haben, sondern wohl eher eine Personalie. Denn die Präsentation der Pläne übernahm Hartwig Schultheiß – einstmals einer der Chefs von Münsters Stadtverwaltung. Der gelernte Architekt war von 2000 bis Ende 2016 Stadtdirektor (und Planungsdezernent) der Unistadt, danach als kommissarischer Leiter des Studierendenwerkes tätig. Anfang 2021 heuerte Schultheiß – „ich bin angefragt worden“, schildert er der WN-Redaktion – bei Stroetmann an. Als Geschäftsbereichsleiter Bau, Immobilien und Expansion wechselte er die Seite des Schreibtisches, nimmt Sachkenntnis, Netzwerk und das Bewusstsein für die Befindlichkeiten in Rathäusern in seinen neuen Job mit. Es sei auch gut, „die Zwänge der Verwaltungsseite zu kennen“, sagte Schultheiß im WN-Gespräch.

Ehemaliger Stadtdirektor präsentiert Pläne

Diese Übersicht zeigt das Logistikcenter, das die Firma Sroetmann in Senden-Bösensell errichten will. Foto: Firma Stroetmann

Die Bretter, die er für das Logistikcenter in Bösensell bohren muss, sind zwar dick, aber nicht ungewöhnlich hart. Kommunalpolitischer Gegenwind schlägt dem Vorhaben jedenfalls nur mit Blick auf seinen Flächenverbrauch – der nicht auf das gesamte Gemeindewachstum Senden angerechnet werden soll, wie Bürgermeister Sebastian Täger in der Sitzung bekräftigte – seitens der Grünen entgegen.

Kein Gegenwind, aber einzelne Fragen

Fragen zu einzelnen neuralgischen Punkten äußerten die Mandatsträger trotzdem. Intensiv vorbereitet hatte sich die CDU, für die Dr. Axel Hengstermann als Bösenseller mehrere Aspekte abklopfte – vom Schallschutz bis zur Querung über die B 235. Ob die Photovoltaik lediglich nur „optional“ sei, wie es in eingereichten Unterlagen hieß, lautete eine weitere Frage. Schultheiß betonte, dass die beiden großen Lager-Gebäude mit Paneelen bestückt werden. Beim Nachhaken, wie hoch der Anteil der selbst gewonnenen Energie am Gesamtverbrauch sei, musste der Projektleiter jedoch passen. So weit sei die Planung noch nicht, aber ein Energiemanagement werde erstellt.

Schultheiß unterstrich, dass das Unternehmen auch dafür gewappnet sein möchte, nicht nur E-Bikes und Autos, sondern womöglich auch Laster beziehungsweise deren Kühlung mit Solarstrom zu versorgen. Außerdem werde berücksichtigt, dass Wasserstoff die Brummis antreiben könne. „Wir halten uns beide Wege offen“, so der Stroetmann-Manager. Nach seinen Angaben geht es um rund 100 Lkw-Fahrten pro Tag, der eigene Fuhrpark umfasse 40 Laster. Sie seien jedenfalls außerhalb der Verkehrsspitzen unterwegs. Damit die Regale in den Supermärkten schon morgens gefüllt sind, so Schultheiß. Der Knotenpunkt an der B 235 wird trotzdem umfassend neu gestaltet.

Klimaziel wird ehrgeiziger

Bürgermeister Sebastian Täger begründete, warum die Gemeinde das Stroetmann-Logistik-Projekt begrüßt habe: „Man muss das Vorhaben gesamtökologisch sehen.“ Durch die strategisch günstige Lage an der Autobahn und zentral innerhalb der Lieferregion entfielen rund eine Million Lkw-Kilometer pro Jahr, so Täger. Die Lager, die in Mecklenbeck entfallen, werden mit höheren Standards in Bösensell errichtet. Auf die Frage der Grünen nach der gemeindlichen Energieautarkie beim Strom ab 2025 räumte der Bürgermeister mit Blick auf das Projekt ein: „Die Messlatte liegt dann noch höher.“

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