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Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr über das Projekt Modellregion

„Wir möchten Perspektiven aufzeigen“

Kreis Coesfeld. Der Kreis Coesfeld ist als erste Modellregion in NRW mit Öffnungs-Projekten im Bereich Kultur und Sport gestartet. Keine großflächigen Öffnungsszenarien sollen es sein, sondern punktuelle Projekte. Einige Freibäder öffnen, die Freilichtbühnen proben, im Sport gibt es weitere Trainingsmöglichkeiten, der Kreis selber veranstaltet mehrere Konzerte. Unsere Redakteurin Viola ter Horst sprach mit Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr über die Hintergründe

Allgemeine Zeitung

„In kleinen, abgrenzbaren Projekte Erkenntnisse gewinnen“: Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr vor der Kreis-Coesfeld-Karte in seinem Büro im Kreishaus. Foto: Viola ter Horst

Welche Projekte sind am Start?

Schulze Pellengahr: Wir haben ja eine ganze Klaviatur aufgenommen. Vom Torhauskonzert in Rosendahl über Ausstellungen in Dülmen bis zum Jugendtreff in Nordkirchen und Frei- und Hallenbädern in Billerbeck, Coesfeld, Ascheberg und Lüdinghausen. Wir als Kreis haben die Federführung übernommen und begleiten die Projekte, die weiteren Entscheidungen liegen vor Ort bei den Städten und Gemeinden.

Warum beginnen die Vorhaben zu unterschiedlichen Zeitpunkten?

Schulze Pellengahr: Der Start ist bewusst unterschiedlich, weil wir vorsichtig sein wollen. Wenn es im schlimmsten Fall zu einer Infektion kommt, wäre es für unser Gesundheitsamt einfacher, die Kontakte nachzuverfolgen. Der Schutz der Bevölkerung steht an erster Stelle. Wir dürfen nicht wagemutig werden. Einige Bürgermeister wollen auch noch abwarten, bis die Inzidenz weiter runter ist. Olfen zum Beispiel möchte mit den schrittweisen Öffnungen für das Leohaus erst bei einem Inzidenzwert von unter 75 starten.

Welches Ziel verfolgen Sie mit den Vorhaben?

Schulze Pellengahr: Sinn und Zweck ist es, Erkenntnisse für Öffnungsszenarien zu gewinnen, wenn das Infektionsgeschehen niedrig genug ist. Wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten und Möglichkeiten aufzeigen, die auch für andere Regionen gelten können. Drei Wochen ist zwar eine kurze Zeit, aber ich hoffe, dass sich ablesen lässt, ob etwas wie geplant durchführbar ist oder ob noch Infektionsrisiken lauern, die man nicht bedacht hat. Dazu muss es aber nicht erst zu Infektionen kommen.

Wie ist es zu dem Zuschlag als Modellregion überhaupt gekommen?

Schulze Pellengahr: Die Infektionszahlen sind bei uns relativ niedrig, so dass wir zeitweise die niedrigste Inszidenz in NRW hatten. So wuchs zunächst die Idee in der Politik, dass wir uns als Modellregion bewerben sollten. Wirtschaftsvertreter sagten: Wenn nicht ihr, wer soll sonst Möglichkeiten prüfen? Nur so können wir zu Erkenntnissen kommen, die vielleicht bei der Bewältigung der Pandemie für alle hilfreich sind.

Warum ist die Gastronomie nicht dabei, anfangs gab es doch Überlegungen?

Schulze Pellengahr: Ich hätte einige gastronomische Betriebe gerne sogleich mit aufgenommen, aber die Signale waren andere. Es wäre schwierig gewesen, dem einen Betrieb die Öffnung der Außengastronomie zu erlauben, dem anderen nicht. Außerdem sind die Projekte zunächst auf Mai begrenzt, es war fraglich, inwieweit für eine so kurze Zeit wirtschaftlich kalkuliert werden kann. Die Rückmeldung aus den Städten und Gemeinden lautete schließlich, dass wir das erst einmal zurückstellen. Von Beginn an war klar, dass flächendeckende Öffnungen hier nicht möglich sind, denn es geht hier nicht um ein „kleines Konjunkturprogramm“, sondern um modellhafte Untersuchungen, um Perspektiven aufzuzeigen. Zudem wollen wir genau das vermeiden, was die Therapeuten jüngst befürchtet haben, dass durch die Modellprojekte ein großer Anstieg der Infektionen verursacht wird. Das muss möglichst vermieden werden.

Und Hotels?

Schulze Pellengahr: Touristische Öffnungen waren nicht Bestand unseres Konzepts, das testen andere Modellkommunen. Wir haben uns auf die Bereiche Kultur und Sport festgelegt und wollen in kleinen, abgrenzbaren Projekte Erkenntnisse gewinnen.

Warum sind die Vorhaben, die dabei sind, überhaupt dabei und nicht andere?

Schulze Pellengahr: Es mussten ja relativ schnell dem Land NRW Vorhaben gemeldet werden. Mit den Städten und Gemeinden haben wir Ideen zusammengetragen und in dem weiteren Prozess modifiziert. Nicht alle Ideen eigneten sich. Auch stellte sich im Austausch mit dem Land heraus, dass die Vorgaben sehr eng gezogen werden mussten. Der eine oder andere Partner, der zunächst teilnehmen wollte, sagte wieder ab, weil sich das Vorhaben wirtschaftlich oder organisatorisch unter den Voraussetzungen nicht darstellen ließ. Zum Beispiel das Wellenbad in Nottuln oder in Coesfeld die kulturellen Einrichtungen, die anfangs angedacht waren. Klar, ich bekomme noch immer Anfragen, warum der eine dabei sei und der andere nicht. Letztlich mussten wir innerhalb weniger Tage die Liste abschließen – es war von Anfang an klar, dass es nicht 30 oder 40 Projekte sein sollten. Und ich finde, wir haben in der Kürze der Zeit eine tolle Liste an unterschiedlichen Projekten zusammenbekommen.

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung aus?

Schulze Pellengahr: Im Vorfeld hat das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung begleitende Fragen zum Projekt gestellt. Eingebunden sind außerdem die FH und die Uni Münster, hier Prof. Dr. Bernd Strauß vom Bereich Sportpsychologie, denn es soll durchaus auch um die Frage gehen, was die Pandemie, aber auch Öffnungen psychologisch mit Menschen machen. So werden begleitende Fragebögen erstellt, um dem Land auch zurück zu spiegeln, wie sich die Einschränkungen und Öffnungsschritte auswirken. Darüber hinaus legt unser Gesundheitsamt natürlich großen Wert auf die Fortentwicklung der Hygienekonzepte, die vorab von jedem Projekt vorzulegen waren.

Laufen die Projekte nur bis Ende Mai, was ist danach?

Schulze Pellengahr: Wir haben den Abschluss bewusst offen gelassen. Ob und in welcher Form die Projekte fortgesetzt werden, hängt auch von den jeweiligen Ergebnissen ab, das müssen wir sehen.

Erstes Freibad öffnet Samstag

Das erste Freibad im Kreis Coesfeld öffnet am Samstag (8.5.) in Billerbeck. Nächste Woche nehmen auch das CoeBad in Coesfeld und das Klutensee-Bad in Lüdinghausen ihren Betrieb wieder auf. Etliche weitere Projekte im Kreis laufen im Rahmen der Modellregion. So sollen für Jugendliche in Nordkirchen im Jugendhaus Angebote starten. Mehrere Konzerte sind geplant, so in Billerbeck, Lüdinghausen und Rosendahl. In Havixbeck ist ein Fitnessstudio geöffnet. Im Sportbereich sollen weitere Trainingsmöglichkeiten getestet werden. Besucher und Teilnehmer müssen einen negativen Corona-Test vorzeigen. Dies gilt ab Samstag (8.5.) in bestimmten Bereichen nicht für vollständig Geimpfte oder Genesene.

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