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Kein Schützenfest der „Gemütlichkeit“

Im Stevertal lebt man grün-weiß

Nottuln

Kein Schützenfest im Stevertal. Das ist traurig. Aber die Steveraner lassen die Köpfe nicht hängen. Sascha Fliß hat das erleben dürfen.

Ludger Warnke

Das amtierende Königspaar des Schützenvereins „Gemütlichkeit“ Stevern, Martin und Karin Wilmer, in Form von zwei liebevoll geschmückten Strohpuppen. Foto: Schützenverein „Gemütlichkeit" Stevern

„Buxtrup gehört ja schon fast zu Stevern“, sagt Sascha Fliß mit einem Schmunzeln, das sogar am Telefon deutlich zu hören ist. Der 41-jährige Familienvater, heute in der Nachbargemeinde Havixbeck lebend, ist gebürtiger Buxtruper. Mehr noch aber ist er ein engagiertes Mitglied im Schützenverein „Gemütlichkeit“ Stevern – und dies seit 23 Jahren. 2011 errang er selbst die Königswürde, seit 2006 gehört er dem Vorstand an, erst als stellvertretender Schriftführer, seit 2010 als erster Schriftführer.

Dass in diesem Jahr das Schützenfest zum zweiten Mal nicht stattfinden kann, bedauert er sehr. Gerade in diesen Tagen. Denn bereits an Christi Himmelfahrt hätten sich die Steveraner zum Vogelstangeschmieren getroffen, um dann an diesem Wochenende den neuen König zu feiern. Doch Corona stoppt bekanntlich auch Schützenfesttraditionen.

Doch geht das eigentlich: Stevern ohne Schützenfest? Für die WN-Lokalredaktion hat sich Sascha Fliß Christi Himmelfahrt auf die Reise durchs Stevertal begeben. Und gelernt: „Das Schützenfest mag zwar ausfallen, aber das Gefühl, die Einstellung bleibt erhalten.“ Was Fliß erlebt hat, schildert er hier:

Grün-Weiß ist im Stevertal keine willkürliche Farbzusammenstellung und auch keine saisonale Phase. Grün-Weiß ist eine Lebenseinstellung. Heute, Christi Himmelfahrt, ist diese Einstellung in der Regel auf einem Höhepunkt. Die Wimpelketten verzieren die Straßen, und an der Vogelstange wird der Nesselkönig ausgefochten. In diesem Jahr fällt das leider aus. Und dennoch habe ich mich aufs Rad geschwungen und mich Richtung Stevertal aufgemacht. Denn eines ist und bleibt sicher: Die Steveraner sind grün-weiß, und das bedeutet, man ist herzlich willkommen, man ist unter Freunden, man genießt die Zeit.

Radtour ins Stevertal

Die Reise führt am Landgasthof Arning vorbei, wo Gastwirt Arno als Erster in diesem Jahr die Schützenfestfahne gehisst hat. Noch sind die Türen dort geschlossen, und ich muss unverrichteter Dinge weiterfahren, doch allem Anschein nach kann ich wenigstens den schon lange ausstehenden Besuch bereits in der kommenden Woche nachholen. Weiter geht es vorbei am Hof Gorke, und nach einem kleinen Plausch mit dem 1. Vorsitzenden der „Gemütlichkeit“, Ludger Gorke, weiter zu meinem eigentlichen Ziel. Treffen möchte ich mich mit dem weiterhin amtierenden Königspaar Martin und Karin Wilmer sowie dem Kaiserpaar Heinz und Marlies Böwing. Ein Interview ist geplant. Ich möchte erfahren, wie die Steveraner die schützenfestfreie Zeit erleben. Doch es kommt alles anders…

Wir treffen uns an den mittlerweile berühmten Strohpuppen, die das Königspaar auf der Festwiese aufgestellt hat. Man ist guter Dinge und spricht zunächst über das aktuelle Geschehen. Als ich jedoch mit meiner ersten Frage beginnen will, spazieren die Steveraner Clemens und Christa Wilmer vorbei, halten für einen Augenblick – natürlich in gebührendem Abstand – und man kommt ins Gespräch. Plötzlich tritt genau das ein, was das Stevertal ausmacht: Man verweilt, genießt die Gesellschaft, schnackt, lacht.

Treffen bei den berühmten Strohpuppen

Clemens und Christa ziehen wenig später weiter, nur um von Ralf und Anne Hartz abgelöst zu werden, und diese wiederum später von Bernhard und Heike Brinkmann. Man verweilt, genießt die Gesellschaft, redet über das, was die Seele benötigt. Und ich ertappe mich dabei, wie ich lächeln muss und mir klar wird, dass das Interview hinfällig geworden ist.

Ich habe nicht nur erlebt, wie die Steveraner die schützenfestfreie Zeit überbrücken, ich bin Teil davon geworden. Und ich fühlte mich gut! Das Schützenfest mag zwar ausfallen, aber das Gefühl, die Einstellung bleibt erhalten. Geselligkeit, Freundschaft, Herzlichkeit, Zeit zum Verweilen, Zeit zum Genießen.

So lebt man grün-weiß!

So ist „Gemütlichkeit“!

Danke Stevern!“

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