Dachdecker und Schreiner zahlen deutlich mehr

Holz: Hoher Preis für knappes Gut

Lüdinghausen

Das Holz wird knapp und teurer. In den USA und China sind bessere Erlöse zu erzielen. Betroffen sind davon auch Dachdecker und Schreiner in Lüdinghausen. Die Firmenchefs Christoph Hagen, Stephan Pinnekamp und Stefan Benneker berichten über ihre Erfahrungen.

Peter Werth

Deutliche Preisaufschläge für Holz verzeichnet auch der Dachdeckerbetrieb Felix Buse. Foto: Peter Werth

Die Entwicklung habe sich schon vor einigen Monaten abgezeichnet, sagt Christoph Hagen, Inhaber des Dachdeckerbetriebs Felix Buse, und lässt dabei keinen Zweifel an seinen Sorgen für die Zukunft. Das Holz für sein Unternehmen wird knapp – und deutlich teurer. „Wir zahlen mittlerweile Aufschläge von 100 Prozent und mehr. Wir verarbeiten in erster Linie Dachlatten aus Fichten- und Tannenholz in unterschiedlichen Dicken und Güten“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Geändert habe sich in jüngster Vergangenheit auch der Lieferrhythmus des Großhandels. „Früher ging das innerhalb von sieben Tagen. Jetzt haben wir einen Vorlauf von sechs Wochen“, sagt der Dachdeckermeister. Ähnliche Probleme gibt es auch bei Dämmmaterialien wie Holzwolldämmplatten etwa für Dachsanierungen, aber auch neue Dächer. „Da können wir erst wieder ab Juli bestellen und müssen bis Oktober auf die Lieferung warten“, weiß der 59-Jährige, der den Betrieb seit 1989 leitet.

Im Juli bestellen, im Oktober wird geliefert

Als Grund für die Verknappung bei diesem Baustoff nennt Hagen die drastisch gestiegene Nachfrage aus den USA und China. Dort würden von den Lieferanten deutlich höhere Erlöse erzielt. Gerade in den Vereinigten Staaten boome derzeit der Bausektor. Und gerade dort würden traditionell viele Häuser aus Holz erstellt. Diese Einschätzung bestätigt auch Stephan Pinnekamp, der Schreinermeister führt seinen 1907 gegründeten Familienbetrieb in dritter Generation. Ihn trifft die Verknappung vornehmlich im Bereich Innenausbau. „Es fehlt an OSB-Platten, in denen ja Holz verarbeitet ist“, sagt der 59-Jährige. Die würden für den Innenausbau benötigt.

Stephan Pinnekamp beklagt den Holzmangel auch für seine Schreinerei in Lüdinghausen Foto:

Pinnekamp, der zugleich auch ein Bestattungsunternehmen führt, sieht zudem ein Problem bei der Beschaffung von Särgen aus Nadelholz auf sich zukommen. Vor ein paar Tagen habe er einen Anruf eines Lieferanten erhalten, ob er nicht Särge auf Vorrat kaufen wolle, bevor diese teurer würden. „Er hat mir gesagt, dass es schon ,Hamsterkäufe‘ gibt“, sagt der Lüdinghauser. Und er weist auf eine weitere bedenkliche Entwicklung in Sachen Holz hin: „Die Preise steigen wöchentlich.“

Holzknappheit betrifft auch Fensterbauer Stefan Benneker in Lüdinghausen Foto:

„Eigentlich ist ja Holz genug da“, konstatiert Christoph Hagen. Es werde aber – durchaus verständlich – dort abgesetzt, wo die höchsten Preise zu erzielen seien. Und das sei eben Nordamerika und China.

Insgesamt gebe es darüber hinaus derzeit „einen Run auf Holzhäuser“ auch in unseren Breiten. Das führe zur weiteren Verknappung. Im Ergebnis müssten Dachdecker, wie auch andere Unternehmen, die mit Holz arbeiten, die erhöhten Preise an die Kundschaft weitergeben. Und die müsse teils länger auf die Ausführung der Aufträge warten, da es das benötigte Material nicht gebe. In einer Fachzeitschrift wird es drastisch formuliert: „Der Markt ist leer gefegt.“

Der Markt ist leer gefegt

Mit einem ganz anderen Problem hat Stefan Benneker zu kämpfen. Der Fensterbauer wartet auf Mirantiholz. Das kommt vornehmlich aus Indonesien, Malaysia und den Philippinen. „Es hapert am Transport“, erzählt Benneker. Es gebe keine Container, mit denen das Tropenholz verschifft werde. Die Preise dafür seien von 2500 auf bis zu 10 000 Euro und mehr geklettert. Das könnten viele Lieferanten kaum bezahlen. Die Folge: „Auch das Holz wird teurer.“ Ähnlich ergehe es ihm bei amerikanischer Weißeiche. Die benötige er für Haustüren. „Auch da wird‘s teurer“, sagt Benneker. Dasselbe gelte inzwischen auch für Glas und Farben.

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