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Heimatverein Havixbeck

Wäschewaschen am Habichtsbach

Havixbeck

Aus dem Ortsbild ist die Quelle des Habichtsbaches längst verschwunden, aus zwei Betonrohren tritt das klare Wasser am Rande des Bürgerparks unscheinbar an das Tageslicht. Der Heimatverein möchte den Bach, der Havixbeck seinen Namen gab, zurück ins Bewusstsein holen. Dafür sprach er jetzt mit Zeitzeugen.

Klaus de Carné

An einem kleinen Modell ist gut zu sehen, wie die Frauen früher an „Spalthoffs Kuhle“ die Wäsche im klaren Quellwasser spülten. Der Heimatverein Havixbeck möchte den Quellbereich im Ortskern erlebbarer machen. Propst em. Robert Holtstiege (v.l.) erzählte von seinen Erinnerungen aus der Kindheit Josef Seesing, Friedhelm Brockhausen und Hans-Heinrich Badengoth. Foto: Klaus de Carné

Nachdem kürzlich der Havixbecker Heimatverein den Mitgliedern des Umweltausschusses der Gemeinde eine Idee vorstellte, wie man den Quellbereich des Habichtsbachs sichtbarer und erlebbarer machen kann, trafen sich jetzt einige Interessierte, um vom Havixbecker Poahlbürger Propst em. Robert Holtstiege zu erfahren, wie es früher in seiner Kinderzeit vor über 80 Jahren an der Habichtsbachquelle aussah.

„An vielen Stellen am Hang der Wenge schütteten kleine Quellen, Wasser sammelte sich in Pfützen, Morast und Schlenken luden zum Spielen, aber auch garantiertem elterlichen Ärger ein“, berichtet Heimatvereinsvorsitzender Friedhelm Brockhausen. Noch weitere 80 Jahre zuvor, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so hat Hubert Froning in seiner Chronik über den Hof Schulze Havixbeck festgehalten, konnte er auf seinem Schulweg muntere Quellen beobachten, die am nördlichen Dorfausgang neben und häufig sogar in der unbefestigten Straße sprudelten.

Mit der Wäsche zu Spalthoffs Kuhle

Wäsche waschen war früher harte Arbeit für die Hausfrau. Daher wurde nur ein- bis zweimal im Monat gewaschen. So hat es auch noch Zeitzeuge Robert Holt­stiege erlebt, der mit seiner Familie direkt an der Stelle aufgewachsen ist. Gegenüber von seinem Elternhaus, damals noch mit der Anschrift „Dorf 1“, hatte man „Spalthoffs Kuhle“, die am Hang der Wenge das frische Quellwasser des Habichtsbachs auffing, zu einem Bassin aufgemauert, um darin Wäsche auswaschen zu können. Zuhause wurde der Dreck mit Hilfe eines Waschbretts von Hand ausgerubbelt.

„Zum Auswaschen oder Schwemmen gingen die Frauen zum nahen Habichtsbach“, weiß Friedhelm Brockhausen zu berichten. Hier wuschen die Frauen die Lauge mit klarem, weichem Quellwasser aus. Deshalb transportierten die Hausfrauen der Buckstiege, des Potthoffs und des nahen Dorfkerns in Begleitung der Kinder Wäsche in der Schubkarre zum Habichtsbach – zu Spalthoffs Kuhle.

Austausch von Neuigkeiten

Vier Frauen konnten dort gleichzeitig nebeneinander ihre Wäsche waschen. Um sich vor Bodenkälte und Nässe zu schützen, knieten sie in Holzkisten, die wie umgedrehte Lesepulte aussahen. Natürlich ging das nicht schweigsam ab, die Frauen kamen ins Gespräch, erzählten sich Neuigkeiten, aber nicht immer Nettigkeiten. Dies war der Ort, um kräftig und nachhaltig „schmutzige Wäsche“ zu waschen, dies wusste Robert Holtstiege noch von den Erzählungen von zu Hause.

Nach dem Waschen legten die Frauen die Wäsche auf die rückwärtige Wiese. Die Sonne sollte sie bleichen und trocknen. „Die Kinder spielten derweil am und mit dem acht Grad kalten Quellwasser, sodass sie immer mit eiskalten, blauen Händen wieder nach Hause gingen“, berichtete Propst Holtstiege vor einigen Tagen an der Altenberger Straße.

Dienstbeflissener Polizist

Leider durften die Dorfbewohner jenseits der Kirche, wenn sie ihre Wäsche mit der Schubkarre zu „Spalthoffs Kuhle“ bringen wollten, den Kirchplatz nicht queren. Der Amtmann hatte 1850 das „Fahren, Reiten, Viehtreiben und Schieben mit der Karre über den im Dorf Havixbeck belegenen alten Begräbnisplatz“ bei Strafe untersagt. „Der dienstbeflissene Polizeidiener Schwartkotte meldete regelmäßig dieses Vergehen, das dann eine Strafe von fünf oder zehn Groschen zur Folge hatte. So war sie, die gute, alte Zeit“, erzählt Brockhausen mit einem verschmitzten Lachen im Gesicht.

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