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Dirk Reuken arbeitet als Pädagoge im „EVA“

In der Pandemie helfen Umarmungen mit Worten

Havixbeck

Selbst in Pandemiezeiten ist es in den Räumen des evangelischen Kinder- und Jugendzentrums nur selten still. Dirk Reuken, der seit November als Religions- und Gemeindepädagoge im „EVA“ arbeitet, versucht dort ein Gefühl von Normalität zu vermitteln, das den Kindern und Jugendlichen ihren Alltag erleichtert.

Kerstin Adass

Dirk Reuken arbeitet seit gut einem halben Jahr als Religions- und Gemeindepädagoge im evangelischen Kinder- und Jugendzentrum. Die Tür des „EVA“ steht der Jugend auch in Pandemiezeiten offen. Foto: Kerstin Adass

Nur wenige Leute wissen, was einen Religionspädagogen von einem Gemeindepädagogen unterscheidet. Dirk Reuken schon, denn er ist beides. „Ein Religionspädagoge ist für alles in der Gemeinde zuständig, was nicht auf den Diakon fällt“, erklärt er, „und ein Gemeindepädagoge ist wie ein Religionspädagoge, aber mit einem größeren Schwerpunkt auf sozialer Arbeit.“ Doch egal, wie man seinen Beruf bezeichnet, Dirk Reuken arbeitet vor allem für und mit Menschen. Seit Ende des vergangenen Jahres ist der 34-Jährige fester Bestandteil des Evangelischen Kinder- und Jugendzen­trums (EVA) in Havixbeck.

Religionspädagogische und soziale Arbeit

Dirk Reuken kann bereits auf einen vielseitigen beruflichen Werdegang zurückblicken. Nach seinem Abitur absolvierte der gebürtige Ostfriese zunächst eine Ausbildung zum Tischler. Er studierte Soziale Arbeit und Religionspädagogik. Diese Kombination wurde 2016 durch ein Berufspraktikum an zwei Orten ergänzt: In der Diakonie Münster arbeitete Reuken bei der stationären Jugendhilfe viel mit geflüchteten Jugendlichen zusammen, während er gleichzeitig die religionspädagogische Arbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Roxel unterstützte. Es folgte eine befristete Festanstellung, an derem Ende Dirk Reuken sich außerdem offiziell als Diakon bezeichnen durfte.

Nach drei Jahren in der Gemeinde Roxel bewarb sich der Sozialarbeiter zum November 2020 in Havixbeck und wurde prompt eingestellt. „Ich bin jetzt unbefristet hier, das ist sehr schön“, sagt er lächelnd. Bei seinem Bewerbungsgespräch musste Reuken einen Impuls für die Jugendarbeit präsentieren. „Vorher hatte ich mir die Instagram-Seite des EVA angeschaut, auf der es nur fünf Bilder gibt“, erinnert er sich. Daraus wuchs die Idee, die Präsenz des Jugendtreffs in den sozialen Medien auszubauen. Durch die Kontaktbeschränkungen konnte Dirk Reuken dies mit den Jugendlichen zusammen noch nicht verwirklichen, doch er hat den EVA-Instagram-Account als Zukunftsprojekt weiterhin fest im Blick.

Dirk Reuken

Selbst in Pandemiezeiten ist es in den Räumen des Kinder- und Jugendzen­trums nur selten still. „Ich bin quasi jeden Tag hier“, berichtet Reuken. Trotz der Maßnahmen darf das EVA-Team momentan Jugendtreffs anbieten, die allerdings auf eine bestimmte Personenzahl beschränkt sind.

Dirk Reuken versucht, trotzdem ein Gefühl von Normalität zu vermitteln, das den Kindern und Jugendlichen ihren Alltag erleichtert. Beziehungsarbeit ist ein wichtiger Teil seines Berufs. „Es gibt dieses Klischee, dass Sozialarbeiter den ganzen Tag nur quatschen und spielen. Aber da steckt viel mehr hinter“, erklärt er.

Neutraler Vermittler bei Problemen

Bei Problemen mit der Familie oder in der Schule können die evangelischen Pädagogen als Seelsorger und neutrale Vermittler agieren. „Viele Jugendliche sind nicht so selbstsicher, wie sie sich geben“, weiß Dirk Reuken. Er möchte seine persönlichen Erfahrungen an die jüngeren Gemeindemitglieder weiterreichen. Wenn es um das Lösen von Problemen oder die Vorbereitung von Projekten geht, werden alle so viel wie möglich einbezogen. Diese Arbeit zahlt sich aus: „Wir hören hier oft, dass Jugendliche das EVA als zweites Zuhause bezeichnen.“

Auch spielerische Aktivitäten dürfen im Jugendzen­trum nicht fehlen. „Eine Runde Playstation oder Kickern, das macht einfach Spaß und baut Vertrauen auf“, findet Dirk Reuken. Und manchmal, meint der Gemeindepädagoge, braucht man einfach nur eine Umarmung. Während einer Pandemie ist das zwar schwierig, aber nicht unmöglich, denn: „So etwas muss ja nicht unbedingt körperlich ausgedrückt werden. Es geht auch mit Worten.“

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