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Amtsgericht Coesfeld

Gleich mehrere Delikte auf einmal

Nottuln/Coesfeld

Gleich eine ganze Reihe von Vergehen wurden jetzt einem 36-jährigen Mann zur Last gelegt. Begonnen hatte alles mit einem Autoklau.

Leon Seyock

Vor dem Amtsgericht Coesfeld wurde ein Unfall mit Fahrerflucht verhandelt, der noch weitere Dimensionen hatte. Foto: Dieter Klein

Das ist keine schöne Vorstellung für einen Fahrschüler: ein Auto, das mit hoher Geschwindigkeit von hinten angefahren kommt, nicht rechtzeitig bremst und dann auffährt. So geschehen am 5. September vergangenen Jahres in Nottuln. Doch nicht nur das: Der Fahrer setzte daraufhin zurück, umfuhr den Fahrschulwagen und flüchtete. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der 36-jährige Fahrer das Auto entwendet hatte, ein nicht gültiges Nummernschild angebracht hatte und nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war, wie die Staatsanwältin in ihrer Anklageschrift verlas. Wegen dieser Vergehen musste der Mann, der in der Justizvollzugsanstalt in Werl einsitzt, sich nun vor dem Coesfelder Amtsgericht verantworten.

Auf der B 525 zwischen Nottuln und Appelhülsen sei die Nottulner Fahrlehrerin am Tag des Unfalls mit ihrem Schüler unterwegs gewesen. „Er hat vor einer roten Ampel etwas stärker abgebremst“, schilderte die Zeugin. Im Rückspiegel habe sie ein silberfarbenes Auto „mit hoher Geschwindigkeit“ herannahen gesehen, das wenige Sekunden später auf das Fahrschulauto auffuhr. Die Lehrerin trug leichte Prellungen an der Halswirbelsäule davon, stieg aber sofort aus und wollte sich nach dem anderen Autofahrer erkundigen. „Er setzte zurück und raste dann sehr knapp an mir vorbei“, berichtete sie. An der Unfallstelle blieb eine Stoßstange mit polnischem Kennzeichen daran zurück.

Nach Unfall mit gestohlenem Auto geflüchtet

Eine weitere Zeugin, die mit ihrem Pkw an der Ampel wartete, nahm sofort die Verfolgung auf. „Für mich war klar, dass ich hinterherfahre“, sagte die Nottulnerin dem Gericht. Kurz hinter der Ortseinfahrt in Appelhülsen hielt das Auto am Straßenrand an und der Fahrer sowie seine Beifahrerin stiegen aus und flüchteten zu Fuß.

Gestohlen hatte der Angeklagte den Pkw von einem 36-jährigen Mechatroniker aus Coesfeld. „Er gab an, ein Auto für seinen Sohn zu suchen“, erklärte dieser in der Verhandlung. Da sich die beiden kannten „und ich ihm vertraut habe“, gab er dem Angeklagten einen Tag vor dem Unfall den Autoschlüssel, sodass dieser sich mit seinem Sohn das Auto hätte anschauen können. Stattdessen fuhr der Angeklagte damit vom Parkplatz und brachte das polnische Kennzeichen an.

Als nach dem Unfall einen Tag später die Schwester des Angeklagten bei dem Autobesitzer anrief – sie kennen sich flüchtig – und sich erkundigte, ob er etwas von dem Unfall mitbekommen habe, sei er stutzig geworden, erklärte der Mechatroniker. Erst dann habe er mitbekommen, dass der 36-Jährige mit seinem Auto getürmt war. Im späteren Verlauf ließ der Autobesitzer seinen Pkw vor der Tür des Angeklagten in Coesfeld per Abschleppdienst abstellen: „Ich wollte mein Geld dafür haben.“ Anstatt darauf einzugehen, habe der Angeklagte das Auto „für ein paar Hundert Euro an einen Schrotthändler verkauft“, wie er selbst schilderte.

Vertrauen des Bekannten missbraucht

Zu Beginn der Verhandlung äußerte sich der Angeklagte nicht zu diesem Vorfall, im Laufe der Beweisaufnahme gestand er aber und gab auch an, unter dem Einfluss von Kokain gestanden zu haben. Aufgrund der Vielzahl an Vergehen forderte die Staatsanwältin zehn Monate Haft für den 36-Jährigen, zudem sehe sie „eine ungünstige Sozialprognose“. Die Verteidigerin plädierte für eine milde Strafe, da ihr Mandant ohnehin bis Anfang 2022 in Haft säße und im Anschluss eine Therapie beginnen wolle.

Der Richter urteilte mit neun Monaten Haft auf Bewährung sowie 18 Monaten Fahrverbot. „Damit möchte ich Ihnen eine Perspektive geben, mit der Sie sich nach Ihrer Haft beweisen können“, gab der Richter dem Angeklagten mit auf den Weg. „Nutzen Sie Ihre Hafterfahrung als Chance.“

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