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Hospizarbeit in der Pandemie

„Es war ein einsames Sterben“

Senden

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit des Hospizkreises Senden gefühlt in eine „Schockstarre“ gebracht, das erklärt die hauptamtliche Koordinatorin Karola D´Amico. Gemeinsam mit Mechthild Kock-Eilers betreut sie unter anderem das Team der Ehrenamtlichen.

Kristina Hinz

Gemeinsam mit den Ehrenamtlichen haben Karola D‘Amico (l.) und Mechthild Kock-Eilers in der Pandemie Wege gesucht und gefunden, sterbende Menschen und deren Angehörige durch schwere Zeiten zu begleiten. Foto: Kristina Hinz

„Es war gefühlt wie eine Schockstarre. Wir durften für relativ lange Zeit nicht zu Familien und ins Altersheim nur in einer akuten Sterbesituation“, beschreibt Karola D´Amico, die gemeinsam mit Mechthild Kock-Eilers für die hauptamtliche Koordination des Hospizkreises Senden zuständig ist, wie der Lockdown im Frühjahr 2020 die Arbeit beeinflusste. Hospizarbeit in der Pandemie: Die Einschränkungen bedeuteten einen abrupten Abbruch der Sterbebegleitung. Um die 20 Prozent an Besuchen fielen weg, schätzt D’Amico. Betroffene sind jetzt teils verstorben. Es war ein einsames Sterben in der Pandemiezeit, da Angehörige nur begrenzt Besuche machen konnten. Für die Hinterbliebenen ist die Trauerbewältigung damit erschwert. „Ich denke, es hat sich eingeprägt, dass es nicht mehr so sein darf“, sagt sie.

Hospizkreis Senden in „Schockstarre“ angesichts der Corona-Pandemie

Wenn es Menschen schlecht ging, wurden Hospizmitarbeiter individuell angefragt. „Zunächst waren Angehörige von Betroffenen sehr vorsichtig“, erzählt Kock-Eilers. Denn niemand wusste zu Beginn, was es genau mit Corona auf sich hat. Aus Sorge, sich oder andere anzustecken, hielten sich die Ehrenamtlichen zunächst ebenfalls zurück. Anrufe, Briefe und digitale Formate dienten dazu, den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Gruppenangebote bei der Trauer- und Kinderbegleitung können seit der zweiten Lockdown-Situation erneut nicht stattfinden. „Dabei ist das so wichtig. Wir begleiten Kinder, bevor ihre Angehörige versterben, das kann das Geschwisterkind sein, die Mama, der Papa, Opa oder Oma“, so D’Amico. In den späteren „Erinnerungswerkstätten“ treffen Kinder gleichen Schicksals dann zusammen. „Für die Kinder ist es ein wichtiges Forum, wo darüber gesprochen wird. Sie brauchen einander“, legt die hauptamtliche Koordinatorin nahe. „Bei Erwachsenen ist es genauso. Prinzip der Gruppe ist, dass niemand alleine ist, und um für die Betroffenen zu sehen, dass auch andere kleinere und größere Abstürze im Alltag haben“, ergänzt Kock-Eilers. In den Trauergruppen sprechen die Betroffenen miteinander, sie gehen gemeinsam in die Natur, kochen oder betätigen sich künstlerisch. Das fällt weg.

Trösten ohne Berührung

Die aktuelle Verordnung sieht vor, dass sich Altenheim-Besucher testen lassen. Das bedeutet weitere Wartezeit und damit eine Hürde. Und es sind Masken vorgeschrieben, was sich bei manchen Betroffenen, wie Demenzkranken, als schwierig gestaltet. Berührungen dürfen nicht erfolgen.

„Menschen in Krisen brauchen diese“, sagt D’Amico. So sehen und sprechen die Sterbenden mit den Angehörigen, jemanden in den Arm nehmen oder selbst genommen zu werden, das geht nicht. „Es ist möglich, nach draußen zu gehen. Wenn der Rollstuhl geschoben wird, entsteht ein wenig Nähe“, erklärt Kock-Eilers.

Die Hospizmitarbeiter erhielten Rückmeldungen von Betroffenen, dass Besuche gewünscht seien, selbst wenn sie dadurch mit Corona angesteckt würden. Es gebe Heimbewohner, die sich gegen die Impfung entschieden hätten, weil sie auch zuvor von keiner Gebrauch gemacht haben.

Die Koordinatorinnen sind vorsorglich geimpft, so wie auch ein großer Teil der insgesamt 37 Ehrenamtlichen, um keine Hürden bei Besuchen zu haben. „Wir finden immer einen Weg, und wir bringen Zeit mit“, heben die Koordinatorinnen hervor.

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