1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Kreis-coesfeld
  6. >
  7. Endlich löste sich der Knoten

  8. >

Fotoausstellung im Alten Hof Schoppmann

Endlich löste sich der Knoten

Darup

Eine schlimme Krebserkrankung hat Claudia Dreier die Freude an der Fotografie nicht nehmen können. Während einer Reha-Maßnahme an der Nordsee entstehen Fotos von Weite, Meer und Salzwiesen. Nun sind diese Fotos im Alten Hof Schoppmann zu sehen.

Iris Bergmann

Claudia Dreier mit einem ihrer Fotos, die jetzt im Alten Hof Schoppmann hängen. Sehnsucht nach Urlaub, nach Ruhe und Erholung – all das können sie beim Betrachter auslösen. Foto: Iris Bergmann

Es sind Fotos voller Sehnsucht, von großer Weite in sanften Farben. Von Sonne, Meer und Salzwiesen an der Nordseeküste. Claudia Dreier schaut zufrieden auf ihre gerahmten Fotos, die jetzt im Alten Hof Schoppmann in Darup hängen und für alle sichtbar sind. Für sie ist diese Ausstellung das Ende einer ungewollten Achterbahnfahrt, die ihr Leben einige Monate zuvor auf den Kopf gestellt hatte.

Claudia Dreier ist Finanzbuchhalterin und seit fast zehn Jahren für den Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP) in Coesfeld tätig. Sie hat schon immer gern im Urlaub fotografiert. Dafür greift sie aber nicht auf teures Fotoequipment zurück. Seit es die Möglichkeit gibt, macht sie Fotos mit dem Mobiltelefon. Auch alle Fotos der Ausstellung sind mit ihrem Smartphone entstanden.

Therapie in der Therapie

Die Fotos hat Claudia Dreier im vergangenen November um St.-Peter-Ording herum gemacht. Aber keineswegs in der Absicht, damit eine Ausstellung zu bestücken. Im Gegenteil. Es war eine Art ungeplante Therapie in der Therapie. Zu dem Ort an der Nordsee führte sie nicht ein Urlaub, sondern die Reha-Maßnahme nach einer Krebserkrankung. Aus heiterem Himmel hatte die Erkrankung die Letteranerin erwischt und es war danach nichts mehr so, wie es vorher war. Obwohl Claudia Dreier alles dafür tat, um es wieder so werden zu lassen. Eigentlich wollte sie nach der erfolgreichen Behandlung einfach nur wieder ihren Alltag zurück haben, ganz normal wieder ihrer Arbeit nachgehen, für die Familie da sein, Freunde treffen, etwas unternehmen. Letztere zwei Punkte machte die Corona-Pandemie zunichte, die auch noch zu Veränderungen im Alltag beitrug.

Irgendwann aber spürte Claudia Dreier, dass es nicht wirklich „rund“ lief, dass doch noch etwas Unverarbeitetes in ihrem Kopf kreiste. Schließlich ließ sie sich auf eine Reha-Maßnahme in St.-Peter-Ording ein. „Du muss auch mal auf dich selbst achtgeben“, wurde ihr gesagt.

„Ich wurde auf mich selbst reduziert“

Mitten in der Pandemie und im allgemeinen Lockdown traf sie an der Nordsee ein, lernte Menschen kennen, die ähnliches durchgemacht hatten und positiv in die Zukunft schauten. Aber vor allem: „Ich wurde auf mich selbst reduziert“, beschreibt Claudia Dreier die Situation. Und sie musste sich mit sich selbst und ihrer Krankheit auseinandersetzen. Nicht zuletzt haben dazu auch die Spaziergänge am und zum Meer beigetragen – und natürlich die Augenblicke, in denen sie das Handy zückte und fotografisch festhielt, was sie gerade sah. „Hier, dieses Foto von den Salzwiesen“, zeigt sie. „Ich erinnere mich ganz genau an den Moment. Es war der Augenblick, in dem sich bei mir der Knoten gelöst hat, der Kopf endlich den Körper eingeholt hatte.“

Fotos vom Ankommen

Alle Fotos, die jetzt im Alten Hof Schoppmann zu sehen sind, drücken in unterschiedlichen Motiven dieses Ankommen aus. Das findet auch Dreiers Chef, IBP-Geschäftsführer Martin Althoff, der seiner Mitarbeiterin „den Schubs gab“, die schönen Fotos auszustellen. Leider sei eine öffentliche Vernissage ja zur Zeit nicht möglich, bedauert Althoff. „Aber wenn es wieder möglich ist, machen wir etwas dazu“, verspricht er. Solange bleiben sie hängen, die wunderbaren Sehnsuchtsfotos von Weite, Meer und Salzwiesen.

Startseite