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Erweiterte Anlage wird nach einem neuen Verfahren arbeiten

Beim Klären wird Energie erzeugt

Ascheberg

Schmutzwasser reinigen und gleichzeitig Energie für die Kläranlage erzeugen, das ist mit einem neuen Verfahren möglich. Es wird angewendet, wenn die Ascheberger Anlage am Steenrohr erweitert wird..

Theo Heitbaum

Die Kläranlage am Steenrohr in Ascheberg muss erweitert werden. Der Fachausschuss beschloss einstimmig, künftig auf ein verändertes Verfahren zu setzen. Foto: Theo Heitbaum

Wenn die Gemeinde Ascheberg weiter wachsen will, muss sie vorher ihre Kläranlage am Steenrohr erweitern. Der Bau- und Planungsausschuss entschied am Donnerstag in der Sporthalle, beim Erweitern von 18 000 auf 25 000 Einwohnerwerte das Verfahren zu wechseln. So entsteht auf der Anlage kein zusätzliches großes Klärbecken, wie es bisher in Ascheberg und Herbern zu finden ist. Vielmehr wird der Weg des Abwassers durch den Bau eines Faulbehälters länger.

Der Schlüssel für das Säubern des Abwassers ist der Einsatz von Bakterien. Bei dem neuen Verfahren „knabbern“ sie im Klärbecken weiterhin Kohlen- und Stickstoff weg. Normalerweise wird hier der Klärschlamm so lange belüftet, bis er in sogenannte Vererdungsbecken weitergeleitet werden kann. Bei dem neuen Verfahren wird der Klärschlamm früher in einen Faulbehälter gefüllt. Im bisherigen Klärbecken kann also mehr Abwasser in der gleichen Zeit bearbeitet werden.

Faulbehälter und Maschinenhaus müssen gebaut werden

Mit dem Faulbehälter wird ein zusätzliches Maschinenhaus gebaut. Eine Heizung sorgt für die passende Temperatur im Faulbehälter. Hier setzen sich Methanbakterien mit dem Schlamm auseinander. Das Gas, das sie dabei produzieren, wird aufbereitet und über ein Blockheizkraftwerk genutzt. 50 bis 60 Prozent der Energie, die für eine Kläranlage notwendig sei, werden mit Hilfe des neuen Verfahrens vor Ort erzeugt. Dauerhaft niedrigere Energiekosten sind also ein Argument für den Verfahrenswechsel. Zudem bleiben weniger Klärschlammreste zurück, als es aktuell der Fall ist. Da ihr Entsorgen stetig teurer wird, ist das ein zweites wichtiges Detail, das für die neue Methode spricht. Manfred Rummler vom Ingenieurbüro Rummler und Hartmann aus Havixbeck, der die Möglichkeiten vorstellte, bilanzierte: „Mit dem neuen Verfahren lassen sich Klimaschutzziele leichter erreichen, und es entspricht eher dem Nachhaltigkeitsgedanken.“

Zeitplan für die Arbeiten

Mit dem Auslaufen der bisherigen Betriebsgenehmigung im März 2024 soll die erweiterte Kläranlage in Betrieb genommen werden. Dafür ist ein Baubeginn im Januar 2023 geplant. Die anderthalb Jahre bis dahin werden für die unterschiedlichen Planungs- und Vergabeschritte sowie das Stellen eines Förderantrags genutzt. Ähnlich sieht der Zeitplan für den Bau des Pumpwerkes in Herbern und den Bau der Abwasserdruckrohrleitung vor. Die Rohre sollen von Januar 2022 bis April 2023 verlegt, das Pumpwerk von Juni 2022 bis Januar 2023 erstellt werden.

Beim Festhalten am bisherigen System hätte ein großes neues Klärbecken gebaut werden müssen. Die Investitionssumme von 1,99 Millionen Euro sprach auf den ersten Blick für diese Variante. Denn für den neuen Weg veranschlagte Rummler 3,27 Millionen Euro. Allerdings könne dort mit einer Förderung von 30 Prozent der Investitionskosten gerechnet werden. Am Ende blieben für die Gemeinde 2,29 Millionen Euro übrig. Ein Kostenvergleich, der künftige Kosten berücksichtigt, favorisierte den Verfahrenswechsel, der einstimmig beschlossen wurde.

Neues Verfahren ist auf Dauer kostengünstiger

Beim Erweitern wird so gebaut, dass eine vierte Reinigungsstufe problemlos nachgerüstet werden kann. Sie könnte bald gefordert sein, um etwa Medikamentenreste aus dem Schmutzwasser zu entfernen.

Einstimmig beschlossen wurden auch der Rückbau der Kläranlage in Herbern, das Errichten eines Pumpwerkes dort am Immelbrink und der Bau einer Schmutzwasserdruckrohrleitung nach Ascheberg.

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