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Federvieh darf wieder an die frische Luft

Auf dem Berg kreisen die Hühner

Ascheberg

Wochenlang waren sie eingesperrt. Nicht wegen Corona. Aber die Geflügelpest wirkte sich bis nach Ascheberg aus. Jetzt sind die Hühner der Familie Bomholt wieder auf der Wiese unterwegs. Ein zweites Mobil sorgt für zusätzliche Freiheit.

Theo Heitbaum

Antonius Bomholt präsentiert nun zwei Hühnermobile auf dem Berg Foto: Theo Heitbaum

Mit lautem Gackern und forschem Schritt hat das Federvieh am Mittwochmorgen die grüne Wiese zurückerobert. Erstmals nach einer Zwangspause hatte Antonius Bomholt die Klappe des Hühnermobils wieder geöffnet. Das Freiland hat die Tiere zurück. Maßnahmen gegen das Ausbreiten der Geflügelpest haben auch in Ascheberg Folgen gehabt. Im sogenannten Beobachtungsgebiet um einen aufgetretenen Geflügelpestfall in Rinkerode durften die Tiere nicht mehr nach draußen. Jetzt geht alles wieder den gewohnten Gang. Nicht ganz, denn Bomholts gehen mit einem zweiten Hühnermobil den nächsten Schritt.

Auf dem Berg hat die Familie die klassische Geschichte eines regionalen Vermarkters geschrieben. „Wir Kinder sind 2009 mit fünf Hühnern angefangen“, schmunzelt Antonius Bomholt im Rückblick. 2012 wurde das Eierhaus, eine kleine Verkaufsstelle, gebaut. 2018 entstand das erste große Hühnermobil, aktuell geht ein zweites baugleiches Modell in Betrieb. Das Geschehen ist den Kinderschuhen entwachsen und professionalisiert worden. 770 Hühner beschäftigen die Familie rund vier Stunden am Tag.

Antonius Bomholt eifert seinem Vater Manfred nach und ist auf dem Weg zum Tischlermeister. Handwerkliches Geschick bringt auch Bruder Stefan mit, der im Elektrobereich aktiv ist. Gemeinsam hat das Trio sich 2018 auf den Weg gemacht und das erste Hühnermobil gebaut. Fast so schwierig wie der handwerkliche Teil war dass Einhalten der Regeln. „Es gibt für alles Vorschriften. Die Zahl der Futterstellen und Tränken, die Länge der Hühnerleitern, die Breite der Legenester. Alles muss genau passen“, berichtet Antonius Bomholt.

Gebaut haben sie das Hühnermobil für 250 Tiere. Die finden drinnen auch einen Bereich zum Scharren und legen die Eier auf Legematten, die Dreck aufnehmen und so für saubere Eier sorgen. In der Zeit des Mobil-Arrestes wegen der Geflügelpest wurden zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. So mussten die Tiere mit dem Schnabel auf ein Rohr hacken, aus dem dann das Futter fiel.

Durch das regelmäßige Umsetzen des Stalls wird eine konstante Futterqualität erreicht, die Grasnarbe geschont, und der Auslauf regeneriert sich mit der Zeit wieder. Pfützen und verdreckte Ausläufe werden verhindert, somit verringert sich das Risiko von Krankheiten, verbessern sich der Geschmack und die Qualität der Eier.

Antonius Bomholt im Hühnermobil Foto: Theo Heitbaum

Im Hühnermobil stehen blaue Waben für die Eier. „Das ist die Freilandfarbe“, berichtet Bomholt. Sie kommt an den beiden Hühnermobilen, einem kleinen Vorgängermodell und einem offenen Stall zum Einsatz. Insgesamt 600 „Lohmann braun“ und „Lohmann Classic“ werden dort gehalten. 170 Hühner, die im Stall in Bodenhaltung leben, legen ihre Eier für rote Waben.

Das morgendliche Einsammeln der Eier übernimmt Mutter Michaela. Wenn es eng wird, packen auch Antonius weitere Geschwister Franziska und Julius mit an: „Es geht nur, weil die ganze Familie mitmacht“, stellt Antonius klar.

Das Geschehen wird tierärztlich begleitet und vom Veterinäramt des Kreises Coesfeld kontrolliert. Auch die Hühnermobile mussten vorher abgenommen werden.

Antonius Bomholt und das Eierhaus, das schon lange im Einsatz ist. Foto: Theo Heitbaum

Die meisten Eier werden über das unscheinbare Häuschen verkauft. Darüber hinaus beliefert Antonius Bomholt freitags in Ascheberg und samstags in Capelle feste Kunden. Geschlachtete Hühner verkaufen sich als Suppenhuhn durch Hinweise am Eierhaus. Absatzpro­bleme gab es bisher nicht. Und so werden die Bomholts langsam wachsende Hähnchen ins Angebot aufnehmen. Der Platz im Stall ist durch das zweite Hühnermobil frei geworden.

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