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Kulturprogramm für den zweiten Corona-Sommer

Schwermut und Lethargie vertreiben

Die Inzidenzwerte sinken. Damit endet hoffentlich endlich die bleierne Zeit. Kulturbüro und Stadtmarketing reagieren und haben für den Sommer leckere Kulturhäppchen vorbereitet.

Martin Borck

Die kleine Waldbühne am Fuße der Pyramide wird im zweiten Corona-Sommer zum Gronauer Wacken – na ja, fast . . . Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Wie eine bleierne Decke lastet Corona auf dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben: kaum gemeinschaftliche Veranstaltungen, Konzerte, Partys, Kirchenbesuche. Man ist der Geselligkeit schon fast entwöhnt, weiß kaum noch, was das ist: in Gemeinschaft zusammenzusein. Schwermut und Lethargie machen sich breit. Vielleicht – und das ist das Tückische an der Situation – ist sich ein Großteil der Bevölkerung dieses Zustands nicht einmal bewusst. Es ist eine schleichende Entwicklung, die zu Abstumpfung zu führen droht. Das allabendliche Fernsehprogramm bietet zwar Zeitvertreib – doch ist es nicht mehr als ein Surrogat, ein Abziehbild dessen, was eigentlich sein sollte: gemeinschaftliches, unmittelbares Erleben, direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch. Kultur eben.

Beseelt von Live-Klängen

Wie stark diese Unmittelbarkeit inspiriert, wie sehr die Lebensqualität zum Beispiel durch die Anwesenheit bei einem Livekonzert steigt, erzählte mir kürzlich Peter Mönkediek, Trompeter im WDR-Symphonieorchester. Das Orchester hatte Aufnahmen in der Kölner Philharmonie gemacht. „Die paar anwesenden Techniker und Journalisten schwebten danach fast über dem Boden“, beschrieb er deren Reaktion. Sie waren beseelt von den Live-Klängen der Musik. Ähnlich das gestreamte Jazzfestkonzert in Gronau, das leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Bürgerhalle stattfand. Die wenigen Anwesenden waren hin und weg. In solchen Momenten wird einem schmerzlich bewusst, was fehlt, wonach man sich sehnt. Natürlich ist ein gestreamtes Konzert besser als gar keines – doch auch das Erleben des Raums sozusagen als zusätzliches Instrument kann auch durch die beste Hifi-Anlage nicht wiedergegeben werden.

Hoffnung

Doch wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her: Die bleierne Decke wird allmählich angehoben. Die sich entspannende Corona-Lage macht einiges wieder möglich. Die Gastronomie öffnet, die Freibäder lassen wieder Besucher zu – Mitte Juni findet der erste „Laga-Koller“ statt. Der Poetry-Slam, Konzerte und Lesungen sind auf der Waldbühne angekündigt. Unter freiem Himmel. Man kann nur hoffen, dass das Wetter den geplanten Aktivitäten keinen Strich durch die Rechnung macht – und dass die Corona-Lage sich weiter entspannt.

Es besteht bei den nach Kultur, Unterhaltung und gemeinschaftlichem Erleben lechzenden Menschen Nachholbedarf – nicht nur deshalb ist dem Kulturbüro und dem Stadtmarketing zu danken, dass sie das Programm in den ansonsten kulturell eher mauen Sommerwochen durchziehen. Das sonst tief gähnende kulturelle Sommerloch wird mit erquickendem Leben gefüllt. Schon im vergangenen Jahr kam die Reihe „Sommer auf der Waldbühne“ außergewöhnlich gut an. Selbst auf der Pyramide saßen die Menschen, um etwas von dem Programm mitzubekommen – und das Gemeinschaftsgefühl zu genießen.

Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns gerne! WN, Redaktion, Hofkamp 8a, 48599 Gronau oder redaktion.gro@wn.de

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