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Helene-Helming-Schule in Ahaus

Montessori bei den Nachbarn

Ahaus/Gronau

Die Stadt Gronau wird bei Eltern abfragen, ob diese sich in der Stadt ein montessoripädagogisches Angebot für ihre Kinder wünschen würden. Den Auftrag dazu hat die Stadtverwaltung vom Schulausschuss bekommen, wo die Fraktion Pro Bürgerschaft einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Heute beschäftigt sich das Gremium erneut mit dem Thema. In Ahaus gibt es schon seit elf Jahren eine Montessori-Grundschule. Wir stellen diese exemplarisch vor.

Frank Zimmermann

Oskar Brüning und seine Mutter Sabine, Mia Mara Müller, Alva-Mai Blisniewski und Maria Terhalle (v.l.), Leiterin der Helene-Helming-Schule im Sommer 2019. Foto: Christian Bödding

Braucht Gronau eine montessoripädagogisches Angebot? Diese Frage können Eltern nur beantworten, wenn sie wissen, was es mit der Montessori-Pädagogik auf sich hat. Zumindest was den Grundschulbereich angeht, könnte man da mal bei den Nachbarn fragen: In Ahaus ist schon vor elf Jahren die Helene-Helming-Grundschule als Ganztagsschule an den Start gegangen.

Nun ist es aufgrund der Coronasituation derzeit schwierig, sich dort mit Lehrerinnen, Eltern und Kindern zu einem Pressegespräch zu treffen. Bereits 2019 hat aber der Redakteurskollege Christian Bödding mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern, einer Mutter und der Schulleiterin ein solches Gespräch geführt. Eine gute Grundlage, auf die wir an dieser Stelle zurückgreifen: Damals berichteten Alva-Mai Blisniewski (damals elf), Mia Mara Müller (seinerzeit elf) und Oskar Brüning (damals zehn) von ihren Erfahrungen an der Helene-Helming-Schule, an der nach der Pädagogik Maria Montessoris unterrichtet wird. Alva-Mai wechselte von dort auf die Canisiusschule, Mia Mara zum Alexander-Hegius-Gymnasium und Oskar zur Irena-Sendler-Gesamtschule.

Gutes Verhältnis zu den Lehrern und Erziehern

Im Rückblick auf ihre Zeit an der Helene-Helming-Schule gefiel Alva-Mai vor allem das harmonische Schulleben und die Arbeit in kleinen Gruppen. „Die Arbeitsgemeinschaften waren super“, sagte Oskar Brüning. „Und insgesamt die Schulgemeinschaft. Jeder hat sich hier gegenseitig geholfen.“ Mia Mara erinnert sich an das gute Verhältnis zu den Lehrern und Erziehern.

Montessori-Einrichtungen

Es gibt in Deutschland montessoripädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche von der Geburt bis zur Volljährigkeit. Von Kitas über Grundschulen bis zu allen Formen weiterführender Schulen und Förderschulen. Auch die Trägerschaft ist breitgefächert. In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel Montessori-Kitas in Trägerschaft der Katholischen Kirche, private Grundschulen wie die Helene-Helming-Schule in Ahaus, deren Träger ein Verein ist, oder auch weiterführende Schulen in kommunaler Trägerschaft. Manchmal ist es zum Beispiel auch ein Gymnasium, das „nur“ einen Montessori-Zweig hat.

„Das soziale Miteinander hat hier einen ganz hohen Stellenwert“, bestätigte Maria Terhalle den Eindruck ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Was die Helene-Helming-Schule auszeichnet? „Dass die Kinder selbstständig sein können“, antwortete die Schulleiterin. „Entdeckendes Lernen“, nennt sie das. Das Ziel der speziellen Didaktik: die Kinder sollen sich selbst mit den Themen auseinandersetzen und Lerninhalte erfahren. „Jeder arbeitet in seinem Tempo“, erklärte Maria Terhalle und ergänzte jetzt auf WN-Nachfrage: Gelernt wird in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen, die von Kindern der ersten bis vierten Klasse, mit und ohne Förderbedarfe, besucht werden. Eine klassische, jahrgangshomogene Klassenbildung gibt es nicht. Die Lerninhalte werden individuell auf jedes Kind abgestimmt. Während der Freiarbeit arbeiten die Kinder in der vorbereiteten Umgebung selbstständig mit Montessori-Materialien zu Themen aus den Fächern Deutsch und Mathematik sowie der kosmischen Erziehung. Andere Fächer, wie zum Beispiel Sachunterricht, Kunst, Musik und Religion werden darüber hinaus auch epochal unterrichtet. Da kann es zum Beispiel sein, dass zwei Wochen lang zu einem bestimmten Thema geforscht wird.

Maria Terhalle

„Aus Elternsicht ist dabei Vertrauen sehr wichtig“, sagte Sabine Brüning, die Mutter von Oskar. „Zu Beginn der Schulzeit bekommt man doch eher wenig von dem mit, was in der Schule passiert.“ Das sei erst bei der Lernzielkontrolle der Fall.

Die Montessori-Pädagogik legt besonderen Wert darauf, dass jedes Kind sich zu einem verantwortungsbewussten und sozialen Mitglied der Gesellschaft entwickeln kann. Grundlage des Unterrichts ist der Lehrplan NRW, „nur der Lernweg ist ein anderer“, sagte Schulleiterin Maria Terhalle. Im Gespräch mit den WN ergänzte sie jetzt: „Die Lehrkräfte halten sich im Unterricht eher im Hintergrund. Sie sind Begleiter und Begleiterinnen im Lernprozess der Kinder.“

Doch diese Selbstständigkeit müssten die Montessori-Schüler auf den weiterführenden Schulen allzu oft wieder aufgeben. Das Lerntempo werde vorgegeben, der Stundenplan reglementiere zusätzlich. Sabine Brüning: „Montessori-Pädagogik heißt, lernen, es selbst zu tun.“ In der weiterführenden Schule bleibe davon nichts. „Entweder werden die Superguten ausgebremst oder die anderen kommen nicht mit.“

86 Schülerinnen und Schüler

86 Schülerinnen und Schüler aus Ahaus, Vreden, Stadtlohn, Gronau, Epe, und Heek besuchen die Helene-Helming-Schule im laufenden Schuljahr 2020/21. Zum neuen Schuljahr werden es 94 oder mehr. Die Schule stellt sogar die Ferienbetreuung fast ganzjährig sicher. Bis auf die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester können die Kinder in den Weihnachts-, Oster-, Sommer- und Herbstferien werktäglich zwischen 7.30 und 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr, betreut werden. Während der Schulzeit ist gibt es darüber hinaus eine Betreuung ab 7 und nach 16 Uhr bis um 17.30 Uhr.

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