Aufklärungskampagne

Gronau plant Impf-Aktionstage für Migranten im Rathaus

Gronau

(Mit Video) Als ein Hindernis in der Impfkampagne wurden im Gronauer Rathaus Sprachbarrieren ausgemacht. Die sollen am letzten Mai-Wochenende mit Unterstützung von Dolmetschern beseitigt werden. Neben Aufklärung und Beratung soll es für Migranten an diesem Wochenende auch Impfmöglichkeiten im Rathaus geben.

Guido Kratzke

Um Personen mit einem Migrationshintergrund besser erreichen zu können, wurde in Köln beispielsweise in der Ditib Moschee eine Impfaktion durchgeführt. In Gronau sind zwei Informations- und Impftage im ehemaligen Bürgerservice des Rathauses vorgesehen, an denen vor allem Sprachbarrieren und Vorurteile beseitigt werden Foto: imago images/Future Image

Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen. Jetzt heißt es, auf ausreichend Impfstoff zu hoffen: Die Stadt Gronau plant am 28. und 29. Mai (Freitag und Samstag) zwei Aktionstage, an denen Migranten mit Sprachbarrieren über den Themenkomplex Corona und Impfungen nicht nur beraten, sondern möglichst auch geimpft werden sollen.

Großes Informationsdefizit

Stadt-Sprecherin Gabi Könemann verweist auf ein großes Informationsdefizit, das in diesem Personenkreis ausgemacht wurde. Dennoch wird das Angebot nicht verpflichtend sein, erklärt sie. Vielmehr gehe es an diesen Tagen darum, den Personenkreis mit Hilfe von Dolmetschern zu beraten sowie Sorgen zu nehmen und gegebenenfalls Vorurteile zu beseitigen. „Damit entlasten wir dann auch die Hausarztpraxen vor Ort, in denen dies nur schwer zu leisten ist.“ Es gehe nicht darum, Menschen mit Migrationshintergrund in der Impfsituation zu bevorzugen.

Gaby Könemann

Die Räume, in denen die Aktion durchgeführt werden soll, sind impferprobt: Im ehemaligen Rathausservice, wo Anfang Juni auf die Zweitimpfungen bei den Beschäftigten der Kitas und der Grundschulen durchgeführt werden, sollen am letzten Maiwochenende insgesamt vier Impfteams dafür sorgen, dass rund 500 Personen geimpft werden können – und bei Bedarf noch mehr beraten. Denn ist die Beratungsarbeit erst einmal geleistet, dann kann es den Pieks einfacher in einer Hausarztpraxis geben. Wird die Impfquote erhöht, dann senkt das auch die Wahrscheinlichkeit für die Zunahme bei den Infektionen. Und in diesem Bereich nimmt die Stadt Gronau aktuell eine unrühmliche Spitzenposition im gesamten Kreis Borken ein.

„Die Logistik steht“, freut sich Gabi Könemann. Täglich tage dafür in der Gronauer Verwaltung eine „Taskforce“. Diese Arbeitsgruppe hat die Vorarbeiten nahezu erledigt. Dazu gehört auch die Erstellung eines Informationsflyers in verschiedenen Sprachen, der dazu ermuntern soll, entweder an dem Freitag nach Pfingsten zwischen 15 und 20 Uhr oder am Samstag zwischen 10 und 18 Uhr das Beratungs- und Informationsangebot wahrzunehmen. „Eine Impfgarantie gibt es allerdings nicht“, betont die Stadtsprecherin. Auch könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, von welchem Impfstoff welche Mengen verfügbar seinen. „Wir sind schon froh, wenn wir überhaupt ausreichend Impfstoff an dem Wochenende zur Verfügung haben.“ Dafür stehe die Stadtverwaltung in Kontakt mit dem Kreis.

Multiplikatoren nutzen

Ebenfalls mit im Boot ist das kommunale Integrationszentrum des Kreises und natürlich auch Gronaus Integrationsbeauftragter Ahmed Sezer. „Multiplikatoren im Bereich der Integration sollen genutzt werden, um diejenigen, die angesprochen werden sollen, zu erreichen“, zeigt sich Könemann optimistisch, dass dies durch Netzwerkarbeit gelingen könne. So sollen auch die ehrenamtlichen Helfer beispielsweise bei der Flüchtlingsbetreuung die Einladungen zu den beiden Aktionstagen weitergeben.

In Gronau erfolge die Impfung bewusst nicht mobil in den Wohnquartieren, wie es in größeren Städten angeboten worden sei, weil es hier keine spezifischen Orte mit besonderen Infektionsausbrüchen gebe.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Mehrsprachige Anti-Corona-Kampagne

Die Pandemie-Krise zeigt eindringlich auf, „wie gleich wir Menschen sind, ob einheimisch oder zugewandert, dass wir gleiche Ängste, Nöte und Befürchtungen haben“, so der Netzwerksprecher der Caritas-Integrationsagentur Borken, Marijan Renić. „Das Virus schert sich nicht um unsere Herkunft, wir müssen es gemeinsam bekämpfen.

Seine bald scheidende Kollegin und Co-Netzwerksprecherin, Iris Schlautmann von der Integrationsagentur des Deutschen Roten Kreuzes stimmt ihm zu: „Wir müssen alle Menschen im Kreis Borken besser erreichen“. Alles andere „macht keinen Sinn, sonst hört es nicht auf“, so die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Borken, Sandra Schulz-Kügler, die als neue Netzwerksprecherin eine mehrsprachige Anti-Corona-Kampagne angeregt hat.

Um die Menschen zu erreichen, wurden zwei mehrsprachige Plakate und Handzettel mit zwei Schwerpunkten entwickelt: „Wir im Kreis Borken lassen uns alle testen. Bitte weitersagen!“ und „Wir im Kreis Borken lassen uns impfen. Bitte weitersagen!“

Unterstützt haben die Aktion des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit des großen interkulturellen Netzwerks im Kreis Borken Vertreterinnen und Vertreter des Kreissportbundes, Julia Hoffmann, der Integrationsbeauftragte der Stadt Gronau, Ahmet Sezer, die Kreishandwerkerschaft durch Katrin Sieverding, Christian Kania von der Geba, Jan Meller und Sahra Kattenberg, beide DRK sowie Ivlin Oshana Tchiri, mit dem Schwerpunkt Antidiskriminierungsarbeit vom Caritasverband Borken. Das Projekt wird aus Komm-an-Mitteln des Landes NRW gefördert.

In Gronau waren laut Kreisverwaltung am Montag (Stand 0 Uhr) 166 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, drei weniger als 24 Stunden zuvor. Die Zahl der Gesundeten stieg um drei; es gab also keine Neuinfektionen. Gronau verzeichnete die höchste Infiziertenzahl aller Kommunen im Kreis; 28 Prozent aller Infizierten im Kreis sind in Gronau gemeldet. Im Antonius-Hospital werden derzeit zwölf Patienten behandelt, einer davon auf der Intensivstation.

Startseite