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Außengastronomie geöffnet

Endlich wieder Gäste

Gronau/Epe

Licht am Ende des Pandemie-Tunnels sahen am Wochenende Gastronomen und Gäste gleichermaßen: Wegen einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 durfte im Kreis Borken die Außengastronomie wieder öffnen. Doch einige Wirte verzichteten – vorerst noch.

Angelika Hoof

Aufgrund des Wetters waren die Gäste zwar noch nicht sehr zahlreich – Achim Meyer freute sich aber trotzdem riesig, nach 196 Tagen Flaute zumindest die Außengastronomie seiner Gaststätte Altes Gasthaus Meyer wieder öffnen zu dürfen. Foto: Angelika Hoof

„Ich sehe Licht am Ende des Tunnels“, gibt sich Achim Meyer zuversichtlich. Der 56-jährige Eperaner betreibt seit vier Jahrzehnten das Alte Gasthaus Meyer am Brunnen in Epe, doch 196 Tage ohne Gäste in seinem Lokal, das hat er vorher noch nicht erlebt. Entsprechend groß war gestern die Freude über die lang ersehnte Lockerung.

Trübsal blasen war gestern

Mit der Öffnung der Außengastronomie in Kreisen mit stabilen Werten unter 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen kehrte wieder etwas Normalität ein. „Regen hin, Kälte her. Für mich war von vornherein klar: Wir öffnen auf jeden Fall. Und wenn auch nur für zwei bis drei Besucher. Trübsal blasen war gestern. Man muss einfach ein Zeichen setzen und deutlich machen, dass es wieder los geht. Ohne Gastronomie ist ein Ort tot“, betont Achim Meyer. Der Grundreinigung seiner Gaststätte folgte am Donnerstag der Aufbau der zum Teil überdachten Terrasse. Am Sonntagnachmittag konnte der Wirt die ersten, wenn auch wenigen Freiluftgäste per Handschlag begrüßen. Etliche, über den Tag verteilte Regenschauer, gespickt mit Hagel und nur wenige Sonnenstrahlen luden nämlich nicht wirklich zum Besuch einer Außengastronomie ein. Über den QR-Code der Luca-App erfolgt – wie in den übrigen Lokalen auch – die Rückverfolgung der Gäste. „Diese App ist topp, einfach zu handhaben, unbürokratisch, modern.

Positiver Aspekt der Pandemie

Zumindest in dem Punkt hat die Corona-Pandemie einmal etwas positiv beeinflusst“, so Achim Meyer. Mit seinem „Außer-Haus-Service“ hatte er sich in den vergangenen Monaten etwas hinzuverdient. „Wirtschaftlich gesehen hat das gerade einmal 20 Prozent des sonst üblichen Ertrages ausgemacht. Zum einen wollten wir aber den Gästen signalisieren, dass wir weiterhin für sie da sind. Zum anderen war es für uns auch eine Beschäftigungstherapie, um nicht nur noch auf der Couch herumzusitzen und auf andere Gedanken zu kommen. So war es uns möglich, immerhin acht der 25 Mitarbeiter weiterhin zu beschäftigen“, ergänzt Achim Meyer.

Frühstück mit Seeblick

Schon in den Morgenstunden durfte Lorena Kleideiter die ersten Gäste zum Frühstück im Restaurant Seeblick begrüßen. „Ein schönes Gefühl. Endlich kehrt wieder etwas Leben ein“, so die Inhaberin, die letzten Mittwoch selbst etwas von den plötzlichen Lockerungsplänen überrascht wurde. „Mitarbeiter, Ware – alles musste binnen weniger Stunden organisiert werden. In Windeseile haben wir schließlich eine kleinere Menü-Karte zusammengestellt, um allen Wünschen unserer Gäste gerecht werden zu können. Dennoch reicht sie von Vorspeisen und Salaten über Hauptgerichte, vegane Gerichte bis hin zu Desserts, Eis und Kuchen“, erläutert Lorena Kleideiter.

Endlich wieder Gäste im Wintergarten des Restaurants Seeblick. Foto: Angelika Hoof

Am Samstag stand die Ausrichtung der rund 100 Sitzgelegenheiten auf dem Programm. „Neben dem riesigen Außenzelt und dem Wintergartenteil des Restaurants dürfen wir unsere Tische auch auf dem Rasen platzieren – alles natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Etwas tricky ist lediglich die Besetzung der Tische, sprich wie viele Personen aus maximal zwei Haushalten zusammensitzen dürfen, wer gezählt wird und wer nicht. Das ist höhere Mathematik. Dafür benötigt man fast schon einen Taschenrechner“, scherzt die Inhaberin mit Blick auf die Gesetzesvorgaben.

Irmgard Hewing

Neben Ausflüglern, die auf ihren Spaziergängen und Radtouren in den Lokalen nun wieder einen Zwischenstopp einlegen können, gab es auch bei Betreibern von Campingplätzen, Ferienwohnungen und Hotels ein erstes Aufatmen. „Nach einer langen Durststrecke dürfen wir den Betrieb wieder aufnehmen“, freut sich Irmgard Hewing von der Camping & Freizeitanlage Dreiländersee in Gronau. „Das Telefon steht seit Mittwoch nicht mehr still. Wir wissen bald nicht mehr wohin vor Anfragen, denn die Wo-Mo-Stellplätze am See sind heiß begehrt. Zu Pfingsten sind wir bereits komplett ausgebucht, selbst im Natur-Camping-Bereich auf der gegenüberliegenden Seite am Hagelsweg“, so Hewing, die froh ist, dass es jetzt wieder voran geht. Die Holterdiepolter-Öffnung hat jedoch auch in dem Familienbetrieb für etwas Wirbel gesorgt, denn die angrenzende Minigolfanlage war längst noch nicht betriebsbereit.

Minigolfer auf der Camping & Freizeitanlage am Dreiländersee. Foto: Angelika Hoof

„Auf unsere Mitarbeiter ist Verlass. Ein paar Anrufe genügten, und sie waren zur Stelle, um die Bahnen und das Terrain am Samstag einer gründlichen Säuberung zu unterziehen und die Außengastronomie in Betrieb zu nehmen“, berichtet Irmgard Hewing, die am Sonntag trotz nasskaltem Wetter Würstchen, Pommes, Kaffee und Kuchen für Gäste angeboten hat.

Ständiges Hin und Her

Nicht alle Gastronomiebetriebe haben die Öffnungsmöglichkeiten genutzt, was nicht nur an den schlechten Wetterprognosen lag. „Bei dem ständigen Hin und Her der Inzidenzwerte blickt irgendwann ja auch niemand mehr durch. Welcher Wert ist relevant, der der Stadt oder der des Kreises? Da ist es durchaus verständlich, dass der ein oder andere die Öffnung der Außengastronomie um eine Woche verschiebt und erst einmal abwartet“, kann Achim Meyer die Vorsicht mancher Kollegen durchaus verstehen und sieht dennoch Licht am Ende des Tunnels.

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