1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Gronau
  6. >
  7. Ein Gänseküken macht noch kein Biotop

  8. >

Blickpunkt am Freitag: Argumente für und wider die Gastronomie am Drilandsee

Ein Gänseküken macht noch kein Biotop

Gronau

In der Diskussion über das Für und Wider der Gastronomie wurden viele Argumente ausgetauscht. Bedenkenswerte, aber auch weniger stichhaltige. Eine kritische Durchsicht.

Martin Borck

Die Positionen der Befürworter und Gegner eine Gastronomie am Drilandsee scheinen unüberbrückbar. Am Mittwoch entschiedet der Stadtrat. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

In den politischen Gremien in Gronau wird häufig, gern und lang gestritten und diskutiert. Oftmals um des Kaisers Bart – die Debatte um die Zukunft des Drilandsees jedoch hat Substanz. Mit dem See und seiner Umgebung fühlen sich viele Menschen verbunden, er gilt als Ruheoase und Freizeitparadies gleichermaßen.

Fakten durcheinandergebracht

Doch in der Debatte – sowohl in den Gremien, noch mehr aber in der Öffentlichkeit – werden Fakten durcheinandergebracht. So hat das Thema Gastronomie nichts mit anderen Maßnahmen zu tun, die rund um den Drilandsee diskutiert wurden. Zum Beispiel der Bau des neuen Funktionsgebäudes am Badesee, die Anlegung einer Promenade und die Veränderungen am Hügel. Zugegebenermaßen ist es nicht einfach, die Pläne voneinander zu trennen, zumal sie in ihrer Gesamtheit das Bild des Drilandsees prägen.

Ich bin kein ausgesprochener Befürworter einer zusätzlichen Gastronomie dort. Dennoch: Einige dagegen ins Feld geführte Argumente sind meines Erachtens nicht stichhaltig.

Der naturnahe Charakter des Sees werde bedroht, heißt es. Fakt ist, dass an der Südseite schon jetzt viele Freizeitaktivitäten stattfinden, die der Naturnähe widersprechen. Zumal der See ursprünglich nichts anderes war als ein Baggerloch. Die Natur hat sich Teile wieder zurückerobert. Das ist gut so. Allerdings macht ein einziges Gänseküken am Südufer allein noch kein Biotop.

Muss Gastronomie negative Folgen für die Natur haben?

Ich sehe nicht, dass eine zusätzliche Gastronomie am Rand der schützenswerten Zonen zwangsläufig einen schweren Einschnitt für das gesamte Gebiet bedeuten muss. Zumal nicht, wenn der Plan so realisiert wird wie vorgesehen – zurückhaltende Architektur und Betrieb ohne Discolärm. Auf den nördlichen Seebereich und die geschützten Gebiete in der Umgebung muss eine verantwortungsvoll betriebene Gastronomie keine negativen Folgen haben.

Und die bestehenden Betriebe? Wie sich der Wettbewerb auf sie auswirkt, lässt sich schlecht voraussagen. Konkurrenz muss aber nicht von vorneherein schlecht sein, kann sogar belebend wirken. Wichtig ist, dass die Betriebe endlich Planungssicherheit bekommen.

Attraktivitätssteigerung des Sees

Die neue Gastronomie dürfte als Attraktivitätssteigerung des Sees insgesamt wahrgenommen werden – vor allem von Gästen aus dem Umland. Wie viele Gronauerinnen und Gronauer sind vor Corona zur „Else am See“ gefahren, weil sie den Ort attraktiv finden? Sie haben dort ihr Geld ausgegeben – nicht in der Gronauer Innenstadt. Das Argument, man könne den Euro ja nur einmal ausgeben, stimmt zwar. Nur: Wenn der Euro in Schüttorf ausgegeben wird, hat die Gronauer Wirtschaft überhaupt nichts davon.

Unterschiedliche Zielgruppen

Das Argument, man solle sich auf die Entwicklung in der Innenstadt konzentrieren, läuft ins Leere, weil unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Die besondere Kombination von See, Natur und Gastronomie lässt sich in der Innenstadt nicht künstlich herstellen. Potenzielle Besucher einer Gastro am See sind nicht zwangsläufig auch potenzielle Besucher von Restaurants und Gasthäusern in der Innenstadt. Oder besuchen die Gäste von „Else am See“ auch die Innenstadt von Schüttorf?

Und der Verkehr am See? Der könnte ein Problem werden, obwohl im Umfeld schon viel Parkraum vorhanden ist. Doch auch da sehe ich nicht grundsätzlich schwarz: Denn die Verkehrswende hat begonnen – wenn auch zaghaft. Fahrten mit Fahrrad und E-Bike ersetzen immer häufiger Autofahrten – gerade wenn es um Freizeittouren geht. Mit einer entsprechenden Marketingstrategie könnte der Dreiländersee als Ziel speziell für Radtouristen promotet werden.

Das jetzt vom Segelverein vorgebrachte Argument, das geplante Gebäude behindere deren Freizeitaktivitäten, wird derzeit untersucht. Jedoch: Hat nicht auch der bestehende Hügel eine ähnlich windhemmende Wirkung?

„Profitgier“ als Totschlagargument

Schließlich wird von den Gegnern das Totschlagargument „Profitgier“ aufgeführt. Damit lässt sich jede unternehmerische Tätigkeit abwürgen. Solche Argumente finde ich in einer Debatte eher ärgerlich als konstruktiv.

Sind nun die faktischen Bedenken der Gegner unbegründet? Nein, sie sind bedenkenswert und diskussionswürdig. Das ist geschehen. Meines Erachtens sind viele Gegenargumente entkräftet worden. Andere mögen (und werden) das anders sehen. Entscheiden werden am Mittwoch die Politikerinnen und Politiker. Sie müssen auch die Chancen berücksichtigen, die eine Ansiedlung mit sich brächte: eine Attraktivitätssteigerung des Sees und neue Arbeitsplätze. Und sie müssten bei einer Ablehnung damit leben, dass Gronau wieder mal das Etikett einer investitionsunfreundlichen Stadt aufgepappt wird.

Doch wie die Entscheidung auch ausfallen wird – man wird mit der einen wie der anderen leben können.

Startseite