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Gastronomie am Drilandsee vor der Abstimmung

Ablehnung mit Abstrichen

Gronau

Am Mittwochabend entscheidet sich im Gronauer Stadtrat, ob der einzige Interessent einer Ausschreibung den Zuschlag für das Seegrundstück am Drilandsee zur Errichtung einer Gastronomie erhält. Während Grüne und SPD diese grundsätzlich ablehnen, kann sich die WEG auch einen Kompromiss vorstellen.

Guido Kratzke

Gibt es eine Kompromissmöglichkeit und so doch noch eine Chance für eine zusätzliche Gastronomie am Driland Foto: do Kratzke

Am Mittwochabend wird der Drilandsee mit der von der Stadt ausgeschriebenen Gastronomie gleich mehrfach auf der Tagesordnung im öffentlichen und nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung in der Bürgerhalle stehen.

Bevor das eigentliche Vorhaben der Stadt diskutiert wird, kommt ein Antrag der WEG zur Abstimmung. „Es wird eng werden – und gerade diese Enge spiegelt die Situation in der Bürgerschaft wieder“, fasst WEG-Fraktionsvorsitzender Erich Schwartze die Situation zusammen. Sein Ziel: einen Kompromiss finden, der ein Zusammengehen von beiden Seiten – Gegnern wie Befürwortern – erfordern würde.

Norbert Ricking

„Wir brauchen diese Gastronomie nicht“, fasste SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Ricking am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung die Auffassung der Sozialdemokraten zusammen. Der Fußweg direkt am See sei seiner Partei auch in der Vergangenheit schon wichtig gewesen, als auch von anderen Seiten der Wunsch geäußert worden sei, mit eigenen Angeboten nahe ans Wasser zu rücken. „Und das wollen wir auch jetzt niemandem ermöglichen.“ Ein weiteres gastronomisches Angebot am See würde zudem dem naturnahem Charakter entgegentreten. „Wir wollten die Ausschreibung nicht“, blickt er noch einmal zurück auf das gesamte Verfahren, bei dem man konsequent die eigene Position gehalten habe. Jetzt sei nicht die Zeit für weiteres Herumeiern. „Wir wollen jetzt eine Entscheidung haben.“ Gleichwohl betont er versöhnlich, das Projekt habe Charme und passe zu Gronau – nur halt nicht zum vorgesehenen Standort am Drilandsee.

Gaby Drees

„Die Größenordnung und der Bau an dieser Stelle – das geht gar nicht.“ Auch Gaby Drees (Bündnis 90/Die Grünen) verdeutlichte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es mit ihrer Fraktion keinen Kompromiss in diesem Fall geben werden. „Die Besucher suchen Ruhe“, bekräftigte sie ihr Anliegen. Sie gehe davon aus, dass eine zusätzliche Gastronomie „Halligalli“ verursache – sprich: Zusätzliche Gäste und mit ihnen Unruhe. Eine weitere Gastronomie werde viele Leute anziehen. „Es ist nicht die Klientel, die bislang am See ist.“ Wer nur eine Tasse Kaffee trinken möchte könne dies auch in der Innenstadt. „Dafür muss man nicht unseren Drilandsee so verändern“, erklärte Dress.

Starke Polarisierung

Erich Schwartze sieht derzeit eine starke Polarisierung auch innerhalb der Bevölkerung. „Egal, wie entschieden wird – man hat immer die Hälfte der Bevölkerung gegen sich.“ Und deshalb fordert er, dass der Bebauungsplan am Drilandsee, der ein kleines Fenster für die ausgeschriebene Gastronomie vorsieht, gegen eine moderne Variante ausgetauscht wird, bei der die aktuell gültigen Rahmenbedingungen beispielsweise beim Umweltschutz als Maßstab angelegt werden. „Da gehört dann natürlich auch eine Gastronomie in die Diskussion“, verweist er noch einmal darauf, dass er eine weitere gastronomische Entwicklung in dem Freizeit- und Erholungsareal nicht grundsätzlich ablehnt. „Andere Stelle, andere Maße“, bringt er zwei Begriffe in die Diskussion hinein. „Es wird ja auch an einem 400 Quadratmeter großen Sanitärgebäude geplant“, lässt er durchklingen, dass er auch in dieser Frage noch Diskussionsbedarf hat. Es gehe am Drilandsee nicht nur nur um Natur und Landschaft. Auch Tourismus und Erholung müssten Berücksichtigung finden. „Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – aber mit Sorgfalt“, betont Schwartze. Basierend auf den Planungen des Seeumfeldes möchte der WEG-Fraktionsvorsitzende durch eine Bürgerbeteiligung in ein Verfahren einsteigen, dass nicht nur Schwarz und Weiß als Extreme kenne. „Die alten Planungen sind sehr global, die machen wir heute nicht mehr.“ Heute werde in anderer Weise beispielsweise auf die Belange von Natur und Umwelt geschaut als bei der Planerstellung in den 1970er-Jahren.

Erneuter Anlauf möglich

Sollte sein Antrag zu Beginn der Ratssitzung abgelehnt werden und es auch keine Mehrheit für die Bewerbung auf die städtische Ausschreibung geben, so kann Schwartze sich vorstellen, seinen Antrag für einen Neuanfang im Bauausschuss erneut zu stellen.

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