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Das Reitsportzentrum in Riesenbeck ist Schauplatz der Springreiter-EM

Fünf Sterne im Galopp

Riesenbeck

Die Europameisterschaften der Springreiter finden gerade in Riesenbeck statt – auf einer neuen Anlage. Dass die pünktlich fertig wurde, ist gar nicht selbstverständlich. Am Ende wurde es zeitlich knapp – schließlich musste eigens ein Bach umgeleitet werden.

Von Henner Henning

Sechs bestens ausgestattete Stallgebäude in E-Form mit insgesamt 312 Boxen bieten Reitern, Pflegern und Pferde beste Bedingungen. Für die Realisierung des Projekts musste das Flüsschen Flötte umgeleitet werden.  Foto: Henner Henning

Komplimente gibt es von allen Seiten. „Das sind die besten Ställe der Welt“, ruft ein Pferdepfleger auf Englisch. Auch die Reiter, die bei den Europameisterschaften in Riesenbeck um Medaillen und Platzierungen kämpfen, sparen nicht mit Lob.

„Es ist ein fantastischer Ort, ich bin wirklich beeindruckt“, sagt Peder Fredricson, schwedischer Team-Olympiasieger und Silbermedaillen-Gewinner im Einzel, stellvertretend für seine Kollegen. Und sie sagen es mit Fug und Recht: Die neue Anlage an der Surenburg ist ein wahres Schmuckstück, das in kürzester Zeit fertiggestellt wurde.

TV-Geräte für die Übertragung der Prüfungen

Es war eine Punktlandung, wie Karsten Lütteken zugibt. Im Februar begannen die Arbeiten an dem Sechs-Millionen-Projekt, erst neun Tage vor dem EM-Start verließ der letzte Arbeiter das Gelände. „Es war schon alles sehr knapp. Jetzt die Anerkennung für unsere Arbeit zu bekommen und zu hören, ist schon befriedigend“, sagt der Geschäftsführer von „Riesenbeck International“, der mit einer kleinen Gruppe um EM-Cheforganisator Ludger Beerbaum und An­dreas Stiller die Bauphase plante und von früh bis spät begleitete. „Mein Arbeitstag hat von 8 bis 22 Uhr gedauert. Aber wenn man ein großes Ziel hat und man mag, was man tut, dann gibt das Antrieb“, sagt Lütteken.

Geschäftsführer Karsten Lütteken. Foto: Alfred Stegemann

Die in dieses Projekt gesteckte Energie, diese Leidenschaft kann man auf der Anlage förmlich sehen. Bedingungen vom Allerfeinsten finden die Reiter hier vor. Aus temporären Unterkünften (Zelte) wurden stationäre, top-moderne Ställe – sechs in E-Form angeordnete Gebäude mit insgesamt 312 Boxen (jede ist 3,50 Meter mal 3,50 Meter groß mit Außenfenstern) bieten Raum, komfortable Waschplätze und TV-Geräte für die Übertragung der Prüfungen gehören zur Ausstattung dazu – fünf Sterne de­luxe, kaum ein Detail fehlt. „Das ist schon alles super hier“, sagt der niederländische Top-Reiter Frank Schuttert, der wohl nur erahnen kann, wie zeitlich eng der Plan gestrickt war.

Turniergelände der Extraklasse

Zumal die aktuell herrschende Knappheit von Baustoffen die Arbeiten erschwerte und Lütteken zwischendurch Sorgenfalten bescherte. „Als wir alle Pläne stehen hatten und alles vertraglich fixiert war, zog unser Partner sein Angebot zurück. Er hatte schlicht kein Holz für den Bau“, erklärt der 47-Jährige. „Zum Glück aber haben wir schnell eine neue Firma gefunden und die verlorene Zeit aufgeholt.“ Auch weil 70 Handwerker gleichzeitig unter Hochdruck und „fast rund um die Uhr“ (Lütteken) an den Ställen, am Turnierbüro oder an der Tierarzt-Station werkelten.

Die Flötte mäandert jetzt um die Reitanlage herum. Foto: Henner Henning

Damit dieses Turniergelände der Extraklasse in dieser Form entstehen konnte, bedurfte es aber eines kleinen Eingriffes in die Natur. Die nahe an der Anlage vorbeifließende Flötte – auch als Bevergerner Aa bekannt – hatte eigentlich auf dem Gebiet ihr Überschwemmungsgebiet. Was also tun? „Wir hatten keine Lösungen, haben zwei Jahre lang überlegt“, sagt Lütteken. Doch bei einem Ortstermin kam einem Vertreter der lokalen Behörden eine Idee: Warum nicht den Verlauf des Flüsschens umleiten. „Wir dachten erst, er macht ein Witz“, so Lütteken. Es war keiner, und so mäandert die Flötte nun renaturiert im Bogen um die Anlage, die den alten Flötte-Arm als Auffang­becken für Regenwasser nutzt, das für die Bewässerung der Reitplätze dient – Naturschutz und Reitsport Hand in Hand

Es ist ein Teil dieses Reitsportzentrums, das bis Sonntag Schauplatz der EM ist. Ab Montag beginnt für Lütteken wieder der Alltag. „Vielleicht nicht um 8 Uhr, aber um 9. Und dann gibt es ein paar Tage Urlaub.“

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