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Charlotte und Paula: Zwei 13-Jährige über ihre Impfbereitschaft

Endlich ist Schluss mit dem Testen

Greven

Seit Montag empfiehlt die Stiko eine Impfung gegen das Coronavirus auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Aber wollen die das überhaupt? Paula und Charlotte aus Greven jedenfalls sind sich einig – und haben sich für einen Besuch im Impfzentrum verabredet.

Von Gunnar A. Pier

Charlotte Schweifel (links) und Paula Pejic sind 13 Jahre alt. Am kommenden Sonntag lassen sich die beiden Freundinnen aus Greven gegen das Coronavirus impfen. Foto: Gunnar A. Pier

Als am Montag die Nachricht von der Stiko-Impfempfehlung für alle ab Zwölf auftauchte, sausten direkt Handynachrichten hin und her. Schnell abstimmen, den frühestmöglichen Termin vereinbaren, los geht’s. Paula und Charlotte hatten lange genug gewartet. Jetzt wollen sie den Pieks – und ihre Freiheiten zurück.

Wie lange kennt ihr euch? Da schauen sich die Grevenerinnen fragend an. „Seit der Krabbelgruppe oder so“, sagt Paula dann. Also: schon immer. Jetzt sind sie 13 Jahre alt. Wohnen in der Nachbarschaft. Gehen in dieselbe Klasse. Spielen zusammen Handball. Sind die besten Freundinnen. Und am Sonntag gehen sie zusammen ins Impfzentrum.

Impftermin will gut überlegt sein

Dass sie die Impfung gegen das Coronavirus wollen, war für Charlotte Schweifel und Paula Pejic schon lange klar. „Wir haben nur darauf gewartet“, sagt Paula. „Es wurde gesagt, dass es Risiken gibt, aber die Vorteile überwiegen.“ Sie hat darüber lange mit ihren Eltern gesprochen.

So war es auch bei Charlotte. „Wir haben uns schon vor ihrer Geburt entschieden, uns an die Stiko-Empfehlungen zu halten“, sagt Mutter Esther Schweifel. Eine Grundsatzfrage bei vielen Eltern: Vertrauen wir dem Rat der Ständigen Impfkommission, die ja auch abseits von Corona einen Impfplan vorschlägt?

Bislang war eine Corona-Schutzimpfung von Kindern ab zwölf Jahren möglich, aber nicht ausdrücklich empfohlen. Und so kennen Charlotte und Paula einige Freunde, die es schon hinter sich haben. „Die meisten beim Handball“, sagt Paula, und auch Charlotte fallen einige Mitschüler ein. „Die haben es alle gut vertragen“, ist ihr Eindruck. Dennoch: Unangenehme Grippe-Symptome sind durchaus möglich. „Ich weiß, dass das passieren kann, aber das ist dann eben so“, sagt Paula zwar. Aber der Impftermin will dennoch gut überlegt sein.

Ein Stück weit das alte Leben zurück

Direkt am Mittwoch? Mmh, dann könnten die Nebenwirkungen den Start ins neue Schuljahr vermiesen. Donnerstag? Ist nicht so gut: Freitag sind sie auf einem Geburtstag eingeladen. Freitag? Blöd, wegen der Kirmes am Samstag in Greven. Also Sonntag, dann aber wirklich, denn es sollte genügend Zeit bleiben bis zur zweiten Impfung, die wiederum so früh sein sollte, dass die Mädchen in den Herbstferien als geimpft gelten. Und bei der Klassenfahrt wollen sie ebenfalls nicht künstlich vergrippt sein. „Es ging nur dieser Sonntag“, sagt Mutter Esther – und muss selbst darüber lachen.

Aber wenn ihre Impfungen dann durch und die Gliederschmerzen gegebenenfalls abgeklungen sind, versprechen sich Charlotte und Paula ein neues Leben. Das Wichtigste, da sind sie sich einig: „Wir müssen uns nicht mehr testen lassen!“ Denn so geduldig die meisten auch „Popeltest“ und Lolli-Test erdulden: Es nervt langsam. Zweimal pro Woche müssen sich die Schülerinnen zu Unterrichtszeiten selbst testen, dazu kommt am Freitag vor dem Handball-Training der Besuch im Testzentrum. Und gelegentlich auch noch ein vierter Test in der Woche, wenn noch etwas anliegt. „Das wird auch immer schwieriger“, verdeutlicht Esther Schweifel. Viele Testzentren schließen, weil die Nachfrage durch all die geimpften Erwachsenen zurückgeht. Wer dann doch einen negativen Befund braucht, muss flexibler sein als 13-Jährige ohne Führerschein.

Von der Impfung versprechen sich Paula und Charlotte mehr Freiheiten, ein Stück weit das alte Leben zurück. Und sie wollen nie wieder so einen strengen Lockdown. „Da haben wir uns überhaupt nicht mehr gesehen“, erinnert sich Paula. Beste Freundinnen sind sie immerhin dennoch geblieben.

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