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Drama in Bocholt

26-Jährige getötet - Verdächtiger weiter auf der Flucht

Bocholt

Drei Tage nach einer Bluttat in Bocholt ist der 36-jährige Tatverdächtige weiter auf der Flucht. Der Mann soll am Donnerstagabend seine Lebensgefährtin mit einem Messer in der gemeinsamen Wohnung erstochen haben. Die Polizei erklärte, die Fahndung laufe mit Hochdruck. Eine heiße Spur gebe es jedoch nicht. „Wir sind auf Hinweise von Zeugen angewiesen, die den Aufenthaltsort nennen können“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

lnw, Nikolaus Kellermann und Volker Morgenbrod

In Bocholt soll am Donnerstagabend ein Mann die Mutter seiner Kinder mit einem Messer getötet haben. Foto: Sven Betz, Polizei Münster

Nach offiziellen Quellen ist Folgendes bekannt: Mehrere Zeugen beobachteten, wie der Bocholter libanesischer Abstammung am Donnerstagabend kurz nach 20.15 Uhr aus dem Haus an der Münsterstraße rannte, in dem er mit seiner Lebensgefährtin und drei Kindern wohnt. Der Mann war offenbar auf der Flucht. Laut Polizeiangaben fanden die Zeugen die Frau blutverschmiert und leblos in der Wohnung des Paars. Rettungskräfte brachten die 26-Jährige ins Krankenhaus. Dort starb sie jedoch kurze Zeit später.

Hintergründe unklar

Herbert Mengelkamp erklärt als Chef der Mordkommission: „Bisherige Ermittlungen haben ergeben, dass der Tatverdächtige seine Lebensgefährtin mit einem Messer erstochen hat. Die Hintergründe zur Tat sind bislang völlig unklar.“ Die Polizei geht gleichwohl von einem Beziehungsdrama aus. Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape versichert: „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung des Sachverhalts und an der Ergreifung des Täters.“

Der Flüchtige wird von Zeugen als schlanker Mann mit gebräunter Haut und Glatze beschrieben. Als er wegrannte, trug er ein hellblaues Hemd, eine braune Hose und Latschen, so die Polizei (siehe Info-Kasten). Wie Oberstaatsanwalt Lechtape sagt, ist Amer K. bisher nicht wegen Gewaltdelikten aufgefallen, deshalb gehe er nicht davon aus, dass von dem Mann derzeit eine besondere Gefahr ausgehe: „Aber sicher kann man da natürlich nie sein.“

Nach BBV-Informationen hat das Paar drei kleine Kinder, die die Tat womöglich miterleben mussten. Sie befinden sich jetzt in der Obhut des Jugendamtes. Nachbarn schildern die Familie als ruhig und höflich. Sie wohnt schon seit Jahren in Bocholt. Zwar soll es in dem Haus an der Münsterstraße auch schon mal „Zoff“ gegeben haben, aber offenbar hatte die Polizei hier bislang keinen Einsatz wegen „häuslicher Gewalt“.

Zum Thema

Im Laufe des gestrigen Nachmittags gab die Polizei eine detaillierte Beschreibung des gesuchten Amer K. heraus: Er ist 1,72 Meter groß und wiegt etwa 80 Kilo. Er hat blaue Augen und am rechten Unterarm eine Narbe. Amer K. hat zurzeit eine Glatze, ansonsten sind die Haare dunkel. Hinweise zum Aufenthaltsort von Amer K. nimmt die Polizei unter der Notrufnummer 110 entgegen.

Hubschrauber eingesetzt

Noch Stunden nach der Tat hatten zwei Dutzend Streifenwagen die Straßen Bocholts abgesucht, Polizeihunde waren im Einsatz und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera, der über Bocholt kreiste. Vor dem Haus an der Münsterstraße standen Polizisten, während innen Beamte den Tatort begutachteten. Der Bereich um den Eingang war gesperrt worden.

Während in den Sozialen Netzwerken die Spekulationen zur Tat blühten, hielt sich die Polizei in den ersten Stunden mit Erklärungen sehr bedeckt. Nach offizieller Sprachregelung der ersten Stunden gab es nur „vermutlich“ ein „Tötungsdelikt“, eine Fahndung nach dem „mutmaßlichen Täter“ laufe. Das war's an Information.

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