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Wohnhaus steht unter Denkmalschutz

"Zentraler Ort jüdischen Lebens"

Dülmen

Das Wohnhaus in der Dülmener Innenstadt, in dem von 1939 bis 1942 Dülmener Jüdinnen und Juden zwangsweise bis zu ihrer Deportation leben mussten, bleibt unter Denkmalschutz. Das entschied das Verwaltungsgericht Münster.

Stolpersteine erinnern an die Familie Pins, in deren Haus jüdische Familien bis zur Deportation zwangsweise leben mussten.  Foto: Johannes Arens

Der Eigentümer des Hauses hatte gegen den Eintrag in die Denkmalliste geklagt (DZ berichtete), unter anderem mit dem Argument, dass das Haus in seiner jetzigen Erscheinung keinerlei erkennbare Rückschlüsse auf seine Nutzung zu Zeiten des Nationalsozialismus zulasse.

Zur Erinnerung: Das Wohnhaus war 1938 von einem jüdischen Viehhändler erworben worden. An ihn, seine Frau und Tochter erinnern heute die in der Straße verlegten Stolpersteine. 1939 wurde die verbliebene jüdische Bevölkerung „zur vollständigen Isolierung und in Vorbereitung der Deportationen in dem Wohnhaus zusammengezogen“, so das Gericht.

Nach seiner Auffassung handelt es sich um den letzten überlieferten, zentralen Ort jüdischen Lebens, an dem sich die Verbrechen des Nationalsozialismus an der jüdischen Bevölkerung auf lokaler Ebene baulich-räumlich manifestierten. Das Gebäude sei ein „Vermittlungsort, der Ortsgeschichte greifbar und begreifbar mache“. Die baulichen Veränderungen an dem Haus etwa durch den Einsatz von Kunststofffenstern beeinträchtigten den Denkmalwert nicht.

Das Gericht wies damit die Klage des Eigentümers ab.

Ausführliche Berichterstattung in der Dienstagsausgabe der DZ.

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