Wie die Rolle des Vaters sich ändert

Der bloße Ernährer hat ausgedient

Dülmen. Morgen ist Vatertag. Früher wurde er gerne feuchtfröhlich begangen. Doch die Väter feiern sich immer weniger selbst. Denn ihr Selbstverständnis hat sich generell gewandelt. Sie wollen nicht mehr nur Ernährer, sondern auch (Mit-) Erzieher sein.

Christian Besse

Väter kümmern sich inzwischen generell mehr um ihre Kinder. Diese wissen es zu schätzen. Foto: dpa

Immer weniger Männer, auch Nicht-Väter, zogen vor der Corona-Pandemie an Christi Himmelfahrt zechend um die Häuser. Immer weniger Väter feiern sich selbst. Das passt zu der Entwicklung, dass die Erzeuger sich nicht nur als Ernährer, sondern vor allem als (Mit-)Erzieher ihrer Kinder sehen.

So wie Timo Tangermann. Der 31-Jährige aus Hiddingsel ist seit eineinhalb Jahren Vater und teilt sich die Erziehung des kleinen Theo mit seiner ebenfalls berufstätigen Frau. „Das ist selbstverständlich“, sagt er. „Darüber haben meine Frau und ich gar nicht diskutiert, weil das von vornherein klar war.“ Und: „Der Erziehung meines Kindes ist nichts übergeordnet. Das Kind steht an erster Stelle.“

Familienmodell ist Normalität

Damit steht der Hiddingseler nicht alleine. Im Gegenteil: „Die Erfahrung zeigt, dass im Laufe der Jahre zunehmend die Väter in die Erziehung miteingebunden sind“, sagt Dr. Marc Büning, der Direktor des Dülmener Amtsgericht, vor dem auch Familienangelegenheiten verhandelt werden. „Der Vater bringt sich heute deutlich mehr ein.“

Stichwort Ehescheidungen: Früher, so Büning, habe es bei Trennungen das „klassische Modell“ gegeben: „Die Mutter bekommt die Kinder, der Vater wird an jedem zweitem Wochenende besucht.“ Heute sei es bei fast jeder zweiten Scheidung so, dass die Ex-Partner die Kinder im Wochenwechsel zu sich nehmen. „Dieses Modell nimmt immer mehr zu.“

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