Zu Tode geliebt
Kritik an der Vermenschlichung von Haustieren

Berlin -

Sie heißen Leo und Emma, haben vier Pfoten und liegen mit im Bett. Das ist für den Berliner Tierpathologen Achim Gruber ok. Doch er findet, dass immer mehr Menschen mit der Liebe zu ihrem Tier übertreiben - zum Leid ihrer Schützlinge.

Montag, 04.03.2019, 08:37 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 12:26 Uhr
Karl Lagerfeld vor einer Zeichnung seiner Birma-Katze Choupette.
Karl Lagerfeld or einer Zeichnung seiner Birma-Katze Choupette. Foto: Jens Kalaene

An Karl Lagerfelds Katze kam kaum jemand vorbei, auch nicht in den Nachrufen auf den Modemeister. Ist Lagerfelds innige Liebe zu seiner Birma-Katze Choupette, die er seine Muse nannte, Ausdruck eines Trends zur Vermenschlichung von Haustieren?

Der Berliner Tierpathologe Achim Gruber hat ein Buch über das Phänomen geschrieben. "Das Kuscheltier-Drama" heißt es. Gruber berichtet darin über Haustiere, die still leiden: unter Herrchen und Frauchen, die sie zu sehr lieben.

Impfen und Entwurmen sind Pflicht

Wenn Mieze oder Bello im Bett liegen, hat Gruber damit kein Problem. "Wenn sie geimpft und entwurmt sind", betont er. "Und wenn dem Tier das auch gefällt." Das ist der springende Punkt bei seinen Thesen zum Kuscheltier-Drama. Kann ein Mensch Bedürfnisse von Heimtieren wahrnehmen - und will er das?

Haustiere sind beliebt. Nach Umfragen der Heimtier-Branche leben rund 34 Millionen in Deutschlands Haushalten, darunter fast 14 Millionen Katzen und 9 Millionen Hunde. 4,7 Milliarden Euro geben Halter nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts pro Jahr allein für Futter und Spielzeug ihrer Lieblinge aus, rund eine Milliarde Euro mehr als vor zehn Jahren.

Riesenschnecken als Haustiere

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  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte
  • Afrikanische Riesenschnecken machen Nele und Mattis Mürmann glücklich Foto: Isabel Schütte

"Wir nehmen ihnen die Natur"

Gruber ist Tierpathologe an der Freien Universität Berlin. Er untersucht Proben, wenn Tierärzten kranke Patienten mit Fell oder Federn Rätsel aufgeben. Er obduziert auch Haus- und Zootiere, die plötzlich starben, darunter Eisbär Knut. Mit der Zeit ist Gruber immer nachdenklicher geworden. "Wir machen unsere Haustiere zu Opfern", sagt er heute. "Sie werden so vermenschlicht, dass wir ihnen ihre Natur nehmen."

Dass sich im Verhältnis zwischen Mensch und Tier etwas verschoben hat, bemerkt auch Lothar Hellfritsch, ehemaliger Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologen. "Früher waren Haustiere meist zum Schutz da. Wie der Hofhund", sagt er. "Heute sind sie oft ein Spielzeug auf Zeit." Die Fixierung auf ein Haustier werde heute als normaler betrachtet als noch vor 20 oder 30 Jahren.

"Defektzuchten" sind sehr beliebt

Tiere dienen als Kind- oder Partnerersatz und heißen statt Bello und Mieze jetzt Felix und Emma. Gruber beobachtet auch veränderte Zuchtziele. "Normalerweise hat ein Hund einen langen Schädel, eine schlanke, große Nase und Augenhöhlen, die schräg nach außen stehen", sagt er. Heute würden die Tiere so gepaart, dass sie menschenähnlicher wirkten: mit kurzer Schnauze, hoher Stirn und Augen, die nach vorn blickten. Möpse und Französische Bulldoggen seien solche "Defektzuchten". Durch zu kleine Nasen bekämen sie bei Belastung zu wenig Luft.

Hinzu komme, dass manche Halter Hund oder Katz inzwischen vegetarisch ernährten, nur weil sie selbst so leben. Er beschreibt in seinem Buch auch, wie eine Frau den Todeskampf ihrer Bulldogge in ihren Armen als Zuneigung deutete. Das Tier erstickte. "Wir interpretieren das Verhaltensmuster von Tieren oft falsch, wenn wir es gar nicht kennen", so Gruber. Was Menschen in Tierverhalten sähen, sei meist eine Projektion eigener Bedürfnisse.

Liebe-dein-Haustier-Tag

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  • Sir Monty fotografiert von Alexandra Abbing.

    Foto: Alexandra Abbing
  • Das ist Tascha. Ihre Besitzerin Anja Exlager sagt über sie: "Meine spanische Prinzessin Tascha <3 
    Sie ist so eine treue und ehrliche Seele. Für nichts und niemand gebe ich jemals diesen Vierbeiner wieder her! "

    Foto: Anja Exlager
  • "Das sind meine 4 besten Freunde Isak, Sydney, Hope und Saphira! Sie sind immer für einen da, hören einen zu und sind einfach die besten!!! Ich liebe mein Quartett", schreibt Besitzerin Svenja Ache. 

    Foto: Svenja Ache
  • Das ist Papagei Rico. Seine Besitzerin Adriana Näther schreibt über ihn: "Tja, wenn das Frauchen nicht mehr rauchen soll, dann werden einfach die Zigaretten geklaut."

    Foto: Adriana Näther
  • Annick Sprengart schreibt: "Das ist Bubbles...einer von 3...unsere Schissbuchse...aber auch der Schlauste..er kann pfötchen geben und versteht ziemlich viel... Einfach ein kleines Goldstück..."

    Foto: Annick Sprengart
  • "Das ist Toto er ist für mich die tollste Knutschkugel weil er mich mindestens einmal am Tag zum Lachen bringt ", schreibt Besitzerin Anja Hintze. 

    Foto: Anja Hintze
  • "Unsere Eva aus der Tötung in Spanien. Ein absoluter Glücksgriff❤️", schreibt Britta Remmert.

    Foto: Britta Remmert
  • Cindy Kohl schreibt: "Unsere Nala nennen wir ganz liebevoll ‚Marilyn Monroe‘. Sie ist total verschmust und kann apportieren wie ein Hund (überall liegen ihre, eigentlich meine, Zopfgummis herum)."

    Foto: Cindy Kohl
  • Besitzerin Jasmina Isl Kuric schreibt: "Das ist meine Hündin Rina die ich seit dem Welpen alter bei mir habe ❤️ sie ist für mich nicht nur mein Hund meine beste Freundin und mein Leben sondern alles für mich was es gibt... sie ist witzig speziell und weiß liebe und Nähe zu schätzen und gibt dieses mehr als alles andere zurück ich bin stolz auf sie und würde für sie mein letzten Hemd geben   inzwischen ist sie 3 ein halb Jahre jung ❤️"

    Foto: Jasmina Isl Kuric
  • Besitzer Ramon Schalk schreibt über seine Hündin: "Das ist unsere Donna! Wir haben sie vom Tierschutz und geben sie nie wieder her! Sie gibt uns so viel liebe zurück und wir geben es ihr so wie sie es braucht! Vor allem ist es schön das sie obwohl sie in einer Familie mit Kindern war mit unserem Sohn, kuschelt und spielt und auch meistens aufpasst wo er hingeht! Einfach nur toll die kleine Maus!"

    Foto: Ramon Schalk
  • Besitzerin Magdalena Kirchgässner schreibt: "Ich liebe mein Elvis das ganze Jahr, er ist mein kleiner Handtuch Dieb."

    Foto: Magdalena Kirchgessner
  • "Mein treuster Freund weicht mir nicht von der Seite und ist etwas verrückt ich liebe diesen kleinen Kerl", schreibt Manuela Vienenkötter über ihren Filou.

    Foto: Manuela Vienenkötter
  • Sören Maunz schreibt: "Das Schönste an unserem Hund Naila ist ihre bedingungslose Freude, wenn man wieder nach Hause kommt und ihre kuschelige und feinfühlige Art."

    Foto: Sören Maunz
  • Birgit Hoffmann sagt über Roufio: "Er weiß einfach nicht, dass er ein Kater ist..."

    Foto: Birgit Hoffmann Ro
  • Rasty

    Foto: Anke Juhr
  • Leo

    Foto: Ann-Christin Himmel
  • Lissy

    Foto: Annika Fiege
  • Lissy

    Foto: Annika Fiege
  • Duman

    Foto: Aysun Varol
  • Fiete

    Foto: Birgit Hoffmann
  • Ty

    Foto: Claudia Ashby
  • Leon

    Foto: David Ashby
  • Caspar und Luna

    Foto: Elke Grothues
  • Kira

    Foto: Elke Grothues
  • Balu, Shane und Sam

    Foto: Heike Veer
  • Leon

    Foto: Holger Colditz
  • Bounty

    Foto: Jaqueline Frickenstein
  • Lotte

    Foto: Juliane Lange
  • Leo

    Foto: Kirsten Wagner
  • Maggie

    Foto: Leonie Baum
  • Marvin

    Foto: Leonie Bünger
  • Balu

    Foto: Petra Loddo
  • Luna

    Foto: Sandra Karthaus
  • Mila

    Foto: Sandra Wandkowsky
  • Hanni und Nanni

    Foto: Sara-Lisa Büchter
  • Andjelo und Tito

    Foto: Simone Civale
  • Asko

    Foto: Stefanie Puke

Projektionen kennt Psychologe Hellfritsch aus dem zwischenmenschlichen Bereich. Ein Mensch allerdings könne widersprechen. "Ein abhängiges Tier kann sich aber nicht oder nur schlecht abgrenzen", sagt er. Karl Lagerfeld sagte über seine Katze: "Sie ist wie ein menschliches Wesen. Aber das Gute ist, dass sie schweigt, man muss nichts diskutieren." Die Einschätzung von Choupette ist nicht bekannt.

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