Pandemie-Lasten
Corona-Maßnahmen: Klarheit hilft der Wirtschaft

Die neuen Einschränkungen zur Pandemie-Bekämpfung treffen manche Branchen hart. Doch die Alternativen sind nicht besser. Hoffnung macht nur der Aufschwung in China.

Mittwoch, 28.10.2020, 18:41 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 19:29 Uhr
In der Industrie läuft auch in der Corona-Krise Vieles rund.
In der Industrie läuft auch in der Corona-Krise Vieles rund. Foto: Felix Kästle

Die Hoffnung war groß: Die deutsche Wirtschaft hatte nach den Einschränkungen der ersten Pandemie-Welle wieder erstaunlich schnell auf einen Erholungskurs eingeschwenkt. Konjunkturforscher prognostizierten, dass die Delle schon Ende kommenden Jahres weitgehend ausgebügelt sein könnte – und nun: neue massive Einschränkungen, drohende Konkurse und Arbeitsplatzverluste.

Negative Beispiele aus Frankreich und Tschechien

Doch was schadet der Wirtschaft mehr – konsequente Maßnahmen, die die Corona-Welle schnell eindämmen und dann wieder einen neuen Aufschwung ermöglichen, oder zögerliche Mini-Schritte, die immer wieder korrigiert, sprich verschärft werden müssen? Wieder einmal zeigen die Negativ-Beispiele aus Nachbarländern wie Frankreich und Tschechien, welches wirtschaftliche Desaster durch ein inkonsequentes Hin und Her ausgelöst wird.

Konsequent dort Schließungen anzuordnen, wo sie unumgänglich sind, um die Infektionswelle zu brechen – zum Beispiel in der Gastronomie und bei Veranstaltungen –, wirkt zunächst radikal, richtet aber auf Dauer weniger Schaden an als eine undurchsichtige Salami-Taktik. Auch psychologisch vorteilhafter ist, wenn sich Verbraucher und Unternehmer auf eine klare Linie einstellen können. Immer wieder auf neue Schreckensnachrichten zu hören, wirkt verheerender auf die Konsum- und Investitionsentscheidungen.

Neue Einschränkungen ab dem 2. November

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  • Bund und Länder wollen angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen den gemeinsamen Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gestatten. Dies gelte verbindlich, Verstöße gegen diese Kontaktbeschränkungen würden von den Ordnungsbehörden sanktioniert, beschloss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (28. Oktober) in einer Video-Konferenz. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage inakzeptabel.

    Foto: Paul Zinken
  • Schulen und Kindergärten sollen trotz der stark steigenden Corona-Zahlen auch im November verlässlich geöffnet bleiben. Die Länder sollten aber weitere Schutzmaßnahmen einführen. Auch Gottesdienste sollen nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) weiterhin erlaubt sein. Allerdings müssten die Hygienekonzepte unbedingt eingehalten werden.

    Foto: dpa
  • Trotz drastisch steigender Corona-Infektionszahlen sollen Groß- und Einzelhandel im November offen bleiben. In einer Videokonferenz einigten sich die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch (28. Oktober) aber darauf, dass sich in den Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalten darf. In der Beschlussvorlage des Bundes war ursprünglich von 25 Quadratmetern die Rede gewesen.

    Foto: Kira Hofmann
  • Bund und Länder wollen wegen der Corona-Krise auch Veranstaltungen, die der Unterhaltung und der Freizeit dienen, im November deutschlandweit weitgehend untersagen. So sollen Theater, Opern oder Konzerthäuser vom 2. November an bis Ende des Monats schließen. Dies solle auch für Messen, Kinos, Freizeitparks, Spielhallen, Spielbanken und Wettannahmeeinrichtungen gelten. Auch Bordelle und andere Prostitutionsstätten sollen geschlossen werden.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Freizeit- und Amateursportbetriebe auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen sollen ebenfalls im November schließen, Individualsport soll von dieser Regelung ausgenommen werden. Der Profisport ist im November nur noch ohne Zuschauer zugelassen. Das gilt auch für die Fußballbundesliga.

    Foto: Alessandra Tarantino
  • Gastronomiebetriebe wollen Bund und Länder vom 2. November für den restlichen Monat ebenfalls schließen. Davon ausgenommen sein soll die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause, Kantinen sollen offen bleiben dürfen. Außerdem sollen touristische Übernachtungsangebote im Inland im November verboten werden. Diese dürften nur noch für notwendige Zwecke wie zwingende Dienstreisen gemacht werden. Die Bürger werden aufgefordert, generell auf private Reisen und auf Verwandtenbesuche zu verzichten.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Bund und Länder wollen wegen der sich verschärfenden Corona-Krise ebenso Betriebe im Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Tattoostudios im November schließen. Friseursalons bleiben aber - anders als im Frühjahr - unter den bestehenden Hygienevorgaben geöffnet. Auch medizinisch notwendige Behandlungen wie Physiotherapien sollen weiter möglich sein. Das geht aus der Video-Konferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch hervor.

    Foto: Angelika Warmuth
  • Industrie, Handwerk und Mittelstand solle sicheres Arbeiten umfassend ermöglicht werden, heißt es. Die Arbeitgeber müssten ihre Mitarbeiter vor Infektionen schützen. Bund und Länder fordern die Unternehmen angesichts hoher Corona-Infektionszahlen eindringlich auf, Heimarbeit zu ermöglichen - wo immer dies umsetzbar ist.

    Foto: Sebastian Kahnert
  • Der Bund plant milliardenschwere Nothilfen für Unternehmen, die von den vorübergehenden Schließungen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen sind. Dazu gehören auch die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft. Erstattet werden sollen Umsatzausfälle, die Finanzhilfe soll ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro haben.  Außerdem soll der Schnellkredit der staatseigenen KfW Bankengruppe für Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten geöffnet und angepasst werden.

    Foto: imago stock&people
  • Für Angehörige einer Risikogruppe wie Kranke, Pflegebedürftige, Senioren oder Behinderte solle es zügig und prioritär Corona-Schnelltests geben. Der besondere Schutz in diesem Bereich dürfe aber nicht zu einer vollständigen sozialen Isolation führen.

    Foto: María José López
  • Zur Einhaltung der Maßnahmen sollen flächendeckend die Kontrollen verstärkt werden. Zudem sollen Bund und Länder sollen Bürgerinnen und Bürger verstärkt über die Corona-Maßnahmen informieren «und durch möglichst einheitliche Maßnahmen die Übersichtlichkeit erhöhen», heißt es in dem Papier.

    Foto: Oliver Werner

Klar muss aber sein, dass neue Einschränkungen für die Wirtschaft auch neue staatliche Finanzhilfen erfordern. Wie schon während der Pandemiewelle im März muss der Finanzminister erneut tief in das Staatssäckel greifen, um möglichst viele Unternehmen durch die Flaute zu bringen.

Gute Schutzkonzepte erarbeitet

Wichtig ist jedoch auch: Für viele Bereiche der deutschen Wirtschaft sind keine Einschränkungen nötig. In der Industrie und auch in weiten Teilen des Dienstleistungssektors wurden von den Unternehmen gut wirkende Schutzkonzepte erarbeitet und umgesetzt. Vor allem im Großteil der Industrieunternehmen hängt die wirtschaftliche Prosperität aber auch von den Bekämpfungsstrategien im Ausland ab, weil Deutschland nun einmal stark exportorientiert arbeitet. Die ökonomische Erholung in China hilft daher vielen Firmen dieses Sektors durch die Krise. Allerdings sind die Länder der Eurozone noch wichtigere Handelspartner. Deren verfehlte Corona-Bekämpfungspolitik muss die Wirtschaft daher stark beunruhigen.

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