Auf Staatskosten großzügig
Lufthansa stockt Kurzarbeitergeld auf bis zu 100 Prozent auf – trotz Rettungspakets

Münster/Frankfurt -

Die Lufthansa stockt das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter stark auf – und das, obwohl das Unternehmen mit Hilfe von Steuergeld gerettet wurde. Sparen sieht anders aus.

Dienstag, 22.09.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 18:12 Uhr
Auch Piloten bekommen bei der Lufthansa ein höheres Kurzarbeitergeld.
Auch Piloten bekommen bei der Lufthansa ein höheres Kurzarbeitergeld. Foto: dpa

Mit neun Milliarden € stützen die Steuerzahler die Traditionsairline – insbesondere in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz und Belgien. Und die Lufthansa nutzt ihre neue Liquidität: Sie stockt das Kurzarbeitergeld einiger Mitarbeiter in der Verwaltung auf bis zu 100 Prozent des Nettolohns auf. „Das ist aber eine seltene Ausnahme“, stellt Airline-Sprecher Helmut Tolksdorf gegenüber unserer Zeitung klar.

Doch großzügig ist die Lufthansa trotzdem: Für alle Kabinen- und Bodenbeschäftigten erhöht die Kranich-Airline das staatliche Kurzarbeitergeld von 60 bzw. 67 Prozent (mit Kindern) auf üppige 90 Prozent.

Auch für die Pilotinnen und Piloten gab es laut Tolksdorf zunächst 85 bis 87 Prozent des üblichen Nettosalärs. Erst durch eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft Cockpit im August änderte sich das: Bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung – derzeit in Westdeutschland 6900 € monatlich – werden nunmehr 83 Prozent gezahlt, 71 Prozent oberhalb dieser Grenze. Wer Kinder hat, bekommt vier Prozentpunkte zusätzlich.

71 Prozent – das erscheint nur auf den ersten Blick minimal. Kurzarbeitergeld wird vom Staat nur bis zur Bemessungsgrenze gezahlt. Das heißt: Die Lufthansa zahlt oberhalb dieses Werts an die Piloten die kompletten 71 Prozent des Nettogehalts aus eigener Kasse.

Insgesamt hatte die Lufthansa-Gruppe, zu der unter anderem auch Eurowings, Swiss und Austrian Airlines gehören, zeitweise 87 000 von ursprünglich 135 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Inzwischen ist die Zahl der Betroffenen geringfügig gesunken – aber auch die Zahl der Mitarbeiter auf lediglich noch 128 000.

Nachzuvollziehen ist die Großzügigkeit der Lufthansa auch deshalb nicht, weil sie aktuell wegen der coronabedingten Flugflaute jeden Monat 500 Millionen € an liquiden Mitteln einbüßt.

Und die Lage bleibt bedrohlich: Die Konzern-Marken Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels leiden nach wie vor unter den komplexen Einreisebeschränkungen der Nationalstaaten. Der wichtige Interkontinentalverkehr findet bislang lediglich zu einem sehr kleinen Teil wieder statt. Nur die Frachtsparte bringt noch Geld.

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