Fahrplan für Emissionsfreiheit
Naturschutzbund: Kreuzschifffahrt hat keine Klimastrategie

Zehn Jahre bis zum klimaneutralen Kreuzfahrtschiff - das ist die Vision des Naturschutzbundes Nabu. Die Anbieter der Kreuzfahrten seien noch nicht weit genug, um auf diesem Weg mitzugehen. Die Branche verweist auf hohe Investitionen.

Donnerstag, 10.09.2020, 14:54 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 14:56 Uhr
«Mein Schiff 2» von Tui Cruises im Hamburger Hafen. Die deutschen Anbieter Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises landeten bei der Bewertung durch den Nabu im oberen Drittel.
«Mein Schiff 2» von Tui Cruises im Hamburger Hafen. Die deutschen Anbieter Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises landeten bei der Bewertung durch den Nabu im oberen Drittel. Foto: Daniel Bockwoldt

Hamburg (dpa) - Die großen Reedereien in der Kreuzschifffahrt sind nach Einschätzung des Naturschutzbundes Nabu noch weit entfernt von einem klimafreundlichen Betrieb ihrer Schiffe.

«Manche Reedereien erkennen die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht an, andere ziehen daraus keine Konsequenzen», sagte Daniel Rieger vom Bundesverband des Nabu in Hamburg. Lediglich einzelne Unternehmen wie der französische Luxus-Anbieter Ponant und die Rostocker Reederei Aida Cruises hätten mit der Entwicklung alternativer Antriebe begonnen oder sie teilweise in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht.

Der Nabu hat einen Fahrplan entwickelt, wie die gesamte Kreuzschifffahrt bis 2050 emissionsfrei werden kann. Dazu müsste in zehn Jahren das erste emissionsfreie Schiff verfügbar sein und dann ausschließlich bestellt werden. Der Antrieb ist die Schlüsselfrage, wenn die Schiffe klimaneutral betrieben werden sollen. Gegenwärtig werden wegen der tiefen Branchenkrise praktisch keine neuen Kreuzfahrtschiffe in Auftrag gegeben, doch vor der Corona-Krise setzten die Reedereien auf verflüssigtes Erdgas (LNG).

Nach einer Übersicht des internationalen Branchenverbandes CLIA nutzt rund die Hälfte der weltweit bestellten Schiffe LNG als Primärantrieb, der Rest Abgasreinigung. Doch LNG verbessert zwar die Luftqualität, weil die Schiffe weniger oder gar keine Schwefel- und Stickoxide ausstoßen, doch wird der CO2-Ausstoß nur um 20 Prozent vermindert. Damit ist die Klimabilanz weiterhin nicht gut.

Andererseits sind für die Reedereien unter den aktuellen Rahmenbedingungen keine technisch und wirtschaftlich umsetzbaren Alternativen gegeben. «Aber diese Rahmenbedingungen ändern sich gerade, weil die Schifffahrt künftig in den europäischen Emissionshandel einbezogen wird und eine Landstrompflicht in Sicht ist», sagte Nabu-Experte Rieger. Laut CLIA können Kreuzfahrtschiffe erst in 14 Häfen weltweit mit Landstrom betrieben werden; die Hälfte der Neubauten werde jedoch mit Landstromsystemen ausgestattet sein.

CLIA (Cruise Lines International Association) reklamiert für sich, dass Hochsee-Kreuzfahrtreedereien eine führende Rolle bei der Einführung maritimer Technologien übernommen hätten, die der gesamten Schifffahrtsindustrie zugute komme. Bis heute habe die Kreuzfahrtindustrie mehr als 23,5 Milliarden US-Dollar (19,84 Mrd Euro) in Schiffe mit neuen Technologien und saubereren Treibstoffen investiert, um die Luftemissionen zu reduzieren und eine höhere Effizienz zu erreichen.

Der Nabu-Umfrage bei 18 Reedereien auf dem europäischen Markt zufolge haben sich die meisten zwar zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens bekannt, aber die Hälfte habe daraus keine nachvollziehbare Strategie entwickelt, heißt es in der Mitteilung. Die deutschen Anbieter Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises landeten bei der Bewertung durch den Nabu im oberen Drittel. Am unteren Ende finden sich Viking Ocean Cruises, Norwegian Cruise Lines und Phönix Reisen.

© dpa-infocom, dpa:200910-99-506371/2

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