Gewerkschaft für «Bahnbündnis»
Zugstörungen bremsen Bahnkunden immer häufiger aus

Wer Bahn fährt weiß: Verspätungen gehören zum Alltag. Beim Schienennetz gibt es einen Sanierungsstau, viele Züge sind veraltet. Und nun sorgt die Corona-Krise auch noch dafür, dass dem Staatskonzern noch mehr Geld fehlt.

Sonntag, 03.05.2020, 11:50 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 11:52 Uhr
2019 gab es 471.000 Verspätungsminuten bei der Bahn.
2019 gab es 471.000 Verspätungsminuten bei der Bahn. Foto: Axel Heimken

Berlin (dpa) - Fernzüge in Deutschland verspäten sich immer häufiger wegen Fahrzeugstörungen. Probleme mit den Zügen führten im vergangenen Jahr zu 471.000 Verspätungsminuten, wie der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf eine Anfrage der Grünen antwortete.

Das entsprach 13 Prozent der gesamten Verspätungsdauer. Der Anteil stieg in den vergangenen Jahren stetig. 2015 waren es noch 328.000 Verspätungsminuten, der Anteil lag bei 9 Prozent. Mitgezählt wird auch, wenn liegen gebliebene Züge von Konkurrenten die Deutsche Bahn ausbremsen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unterstützt die Forderung nach weiterer Staatshilfe. Der kommissarische EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel bezeichnete die Lage als dramatisch. Hommel sagte der dpa: «Die Einbrüche bei den Fahrgastzahlen sind fatal, die Fixkosten aber hoch. Es wird lange dauern, bis das Vorkrisen-Niveau erreicht ist.» Der Eigentümer - der Bund - müsse die Bahn nun finanziell unterstützen.

Einschnitte beim Personal seien aber ebenso tabu wie bei Investitionen. «Es gibt nach wie vor einen Sanierungsstau bei der Bahn. Denkbar wären eine höhere Verschuldung oder ein höheres Eigenkapital. Wir brauchen Kontinuität bei der Bahn», sagte Hommel. Der «Bild am Sonntag» sagte der Gewerkschafter, die Führungsriege der Bahn solle als Beitrag zu den Einsparungen auf Teile ihres Einkommens verzichten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnte weitere Kürzungen beim Fahrplanangebot ab. «Hier geht Verfügbarkeit vor Wirtschaftlichkeit. Die Deutsche Bahn ist für unser Land ohne Zweifel systemrelevant und Teil der Daseinsvorsorge. Dass dies nicht zum Nulltarif möglich ist, ist allen Beteiligten von Beginn an bewusst», sagte Scheuer der «Bild am Sonntag».

Hommel forderte ein neues «Bahnbündnis». «Mobilität muss viel mehr verkehrsträgerübergreifend gedacht werden», sagte er der dpa. «Die Akteure rund um das System Bahn müssen viel mehr als bisher an einem Strang ziehen, damit die Bahn durch die Krise nicht langfristig geschwächt wird.»

Die Bahn war 2019 zwar pünktlicher als im Vorjahr. Es gab aber immer noch mehr Verspätungen als angestrebt: 24,1 Prozent der Intercity und ICE kamen zu spät. Dieses Jahr sollen es höchstens 22 Prozent sein. Dabei werden nur die Züge gezählt, die mindestens sechs Minuten zu spät kommen. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel forderte, das Management müsse die Probleme mit dem Fuhrpark in den Griff bekommen.

Nach der Antwort Ferlemanns, die der dpa vorliegt, bleiben ICE-Züge immer länger in der Werkstatt. Waren es 2015 im Schnitt noch 17,1 Stunden pro Aufenthalt, stieg die Dauer bis zum vergangenen Jahr auf 23,5 Stunden. Die Bahn verweist unter anderem auf das hohe Alter der Züge; die ICE der ersten Generation etwa sind im Schnitt 29 Jahre alt. 40 Jahre sollen sie nach der Kalkulation durchhalten.

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