Nach Brexit
Hochseefischerei will schnelles Abkommen mit Großbritannien

Nach dem Brexit bleiben nur elf Monate, um verschiedene Abkommen zwischen der EU und Großbritannien auszuarbeiten und zu ratifizieren. Von einem rechtzeitigen Fischereiabkommen hängt ab, ob deutsche Schiffe 2021 noch in britischen Gewässern fischen dürfen.

Samstag, 04.01.2020, 09:28 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 09:32 Uhr
Fischer bereiten im Fischereihafen in Lübeck-Travemünde ihre Fangnetze für die nächste Fahrt vor.
Fischer bereiten im Fischereihafen in Lübeck-Travemünde ihre Fangnetze für die nächste Fahrt vor. Foto: Marcus Brandt

Greifswald (dpa) - Die deutsche Hochseefischerei dringt auf ein schnelles Fischereiabkommen mit Großbritannien. Nach dem Brexit Ende Januar blieben voraussichtlich nur elf Monate, um ein solches Abkommen auszuarbeiten, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, Uwe Richter.

Es beginne dann eine Übergangsphase bis zum Jahresende. «2020 wird sich für die Fischerei nichts ändern», meinte Richter. In dieser Zeit müssten jedoch verschiedene Abkommen vereinbart und ratifiziert werden. «Wir sehen die große Gefahr, dass es doch noch zu einem harten Brexit kommen kann», sagte Richter der Deutschen Presse-Agentur. Die EU bereite mit Hochdruck ein Fischereiabkommen vor: «Bis zum 1. Juli soll der Rahmen stehen.»

Das Abkommen soll die Bewirtschaftung der gemeinsamen Fischbestände in der Nordsee festschreiben. So müssen Fangquoten für die einzelnen Fischarten für Großbritannien und die EU-Staaten festgelegt werden, ebenso die Zugangsberechtigung für Fischereifahrzeuge. «Wenn das Fischereiabkommen nicht bis Ende 2020 ratifiziert ist, dürfen wir nicht mehr in britische Gewässer fahren», sagte Richter.

Das könnte Deutschland hart treffen. Unter anderem der gesamte Nordseehering, der in Sassnitz auf Rügen bei der Euro-Baltic Fischverarbeitungs GmbH verarbeitet wird, stammt Richter zufolge aus britischen Gewässern. «Das sind circa 40 000 Tonnen», sagte er. Andererseits seien die britischen Fischer auf den europäischen Absatzmarkt angewiesen. «Die Deutsche Hochseefischerei fordert, dass das künftige Fischereiabkommen mit dem Handelsabkommen verknüpft wird und der Zugang Großbritanniens zum europäischen Markt davon abhängig gemacht wird, dass europäische Schiffe weiterhin in britischen Gewässern fischen dürfen.»

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Hochseefischer nicht die Fangmengen von 2018 erreicht. Das lag unter anderem an der Reduzierung einzelner Quoten, aber auch an einem deutlichen Ausfall bei Fängen des Blauen Wittlings. Im Vorgriff auf die Quotensenkung und die möglichen Brexit-Auswirkungen hatte die Doggerbank Seefischerei GmbH bereits 2018 ein in die Jahre gekommenes Schiff nach Russland verkauft, das nicht mehr ausgelastet gewesen wäre. Personal wurde laut Richter nicht abgebaut. Bei der deutschen Hochseeflotte seien rund 330 Seeleute auf sieben Fang- und Verarbeitungsschiffen beschäftigt.

«Wir sind optimistisch, 2020 die Fahrzeuge das ganze Jahr über einsetzen zu können», sagte Richter. Vier Schiffe würden in Gewässern Grönlands, Spitzbergens und Norwegens vor allem Kabeljau, Seelachs, Schwarzen Heilbutt und Rotbarsch fischen. Die anderen Fahrzeuge fingen Hering, Makrele, Blauem Wittling und Holzmakrele. Ein Schiff werde für mehrere Monate vor Marokko Sardinen fangen, ein weiteres im Südpazifik Jack Makrelen.

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