Dorf bedroht
Peruanischer Bauer lehrt RWE das Fürchten

Hamm -

Mitten in der UN-Klima-Konferenz verhandelt das Oberlandesgericht Hamm über die Klage eines peruanischen Bauern gegen RWE. Er macht den Konzern mitverantwortlich für das Schmelzen der Gletscher in seiner Heimat und fordert Geld. Nun erzielte er einen Etappensieg.

Montag, 13.11.2017, 17:44 Uhr

Der peruanische Kleinbauer Saul Luciano Lliuya(r) mit seiner Anwältin Roda Verheyen.
Der peruanische Kleinbauer Saul Luciano Lliuya(r) mit seiner Anwältin Roda Verheyen. Foto: Guido Kirchner

Für Saul Luciano Lliuya hat sich die weite Anreise aus Peru gelohnt. Der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes terminierte den Verkündigungstermin seines Beschlusses über die Zulässigkeit seiner Klage zwar auf den 30. November, aber die gesamte Verhandlungsführung ließ erkennen, dass das Gericht der Argumentation den Klägers und seiner Anwältin Dr. Roda Verheyen zu folgen gedenkt, dass es zwischen CO²-Emissionen  und der Erderwärmung einen kausalen Zusammenhang gibt.

Der Peruaner verklagt  RWE auf einen finanziellen Beitrag zum Hochwasserschutz an seinem Haus in Huaraz. Die Stadt liegt auf 4500 Meter Höhe in den Anden. Konkret bedroht sieht  Lliuya seine Immobilie von dem Palcachochga-See, einem Gletschersee, dessen Wasserspiegel aufgrund der Gletscherschmelze auf bedrohliche 17 Millionen Kubikmeter angeschwollen ist. Weil der Peruaner RWE und dessen Emissionen mit einem Anteil von 0,475 Prozent mitverantwortlich für die Erderwärmung macht, verlangt er 17 000 Euro für den Hochwasserschutz.

In den zurückliegenden Jahren gab es verschiedentlich Katastrophenalarm, denn 1941 war bei einem Erdbeben die vorgelagerte Endmoräne erodiert und hatte die Stadt überschwemmt. RWE wehrte sich mit einem 350-seitigen Schriftsatz und versuchte am Montag erfolglos, die Klage zu torpedieren. Germanwatch-Chef Klaus Mielke sprach  von einem historischen Tag, an dem ein deutsches Gericht erstmals den Zusammenhang von Emissionen und Erderwärmung bestätigt habe. Beim Landgericht Essen war Lliuya in erster Instanz gescheitert.

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