Kunst
Otto Modersohn: Der Mann an Paulas Seite

Fischerhude/Worpswede (dpa) - Otto Modersohn war der geborene Landschaftsmaler. Mit Pinsel und Kreide fing er den Zauber der Natur ein. Und doch blieb der Gründer der Künstlerkolonie Worpswede in der Nähe von Bremen für viele nur der Mann an der Seite von Paula Modersohn-Becker (1876-1907).

Dienstag, 17.02.2015, 14:43 Uhr

Zu Unrecht, meinen seine Anhänger. Sie schenken dem Vollbartträger mit der Nickelbrille zum 150. Geburtstag (22.2.) sogar ein neues Museum.

Modersohn (1865-1943) stammte aus dem westfälischen Soest und studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie. Zusammen mit Fritz Mackensen gründete er 1889 die Künstlerkolonie Worpswede .

1895 wurden Modersohns großformatige Moorlandschaften auf der Ausstellung im Münchner Glaspalast gefeiert. Die frühen Worpsweder Gemälde sind laut Kunsthändlers Wilfried Cohrs bis heute begehrt: «Dort ist Frische und Authentizität zu sehen.» Modersohn war für Cohrs auch ein großartiger Zeichner.

Modersohns erste Frau starb im Jahr 1900 an Tuberkulose, ein Jahr später heiratete er die viel jüngere Malerin Paula Becker. «Die beiden haben sich gegenseitig sehr stark inspiriert», sagt Katja Pourshirazi, Leiterin des Bremer Overbeck-Museums. Das zeige sich in Motiven und Bildauffassung.

«Sie haben sich künstlerisch auf Augenhöhe getroffen», stimmt die Enkelin des Malers, Antje Modersohn, zu. Das gehe aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefen hervor.

« Otto Modersohn steht im Schatten seiner Frau», sagt Pourshirazi. Das liege nicht an seiner Kunst, sondern an den Lebensumständen. Gegen den Mythos der 1907 im Wochenbett gestorbenen Vorreiterin der Moderne komme der bodenständige Otto kaum an. Nach Paulas Tod zog Modersohn in das rund 20 Kilometer nordöstlich von Worpswede gelegene Dorf Fischerhude . 1943 starb er in Rotenburg/Wümme.

«Er war ein sehr fleißiger Maler, von Arbeitsmanie besessen», sagt der Galerist Cohrs. Rainer Noeres vom Modersohn-Museum in Fischerhude schätzt das Werk auf rund 12 000 Arbeiten. Gut die Hälfte davon ist im 1978 begonnenen Werkverzeichnis erfasst.

«Man ist damit nie fertig», sagt Noeres. «Das ist auch viel Detektivarbeit und viel Schreiberei.» Von manchen Bildern sei nur der Titel überliefert, andere seien verschollen oder die Spuren verlören sich nach Verkäufen. «Es gibt auch viele Fälschungen. Es tauchen Bilder auf, die einfach mit OM signiert sind.»

Antje Modersohn sieht ein stetig wachsendes Interesse am Werk ihres Großvaters. Der 100. Geburtstag habe den Maler 1965 deutschlandweit wieder ins Gedächtnis gebracht. «Unser Museum ist sehr authentisch, keine zufällig zusammengekommene Sammlung», betont die Enkelin. Dort finden sich Arbeiten aus allen Schaffensphasen. Die Bandbreite reicht von den ersten kindlichen Skizzenbüchern bis hin zu seinem aquarellartigen Fischerhuder Spätwerk.

«Wir stehen nicht in Konkurrenz zu Worpswede», betont Noeres. «Wenn dort wenig los ist, spürt man das auch bei uns», stimmt Antje Modersohn zu. In Worpswede lockt das Museum am Modersohn-Haus mit den original erhaltenen Wohnräumen des Künstlerpaares und allein 23 Gemälden Otto Modersohns. «Der «Herbstmorgen am Moorkanal» ist der Renner», sagt die Museumsleiterin Sigrun Kaufmann.

Modersohns Motive beschränkten sich nicht nur auf Norddeutschland. «Es ist relativ unbekannt, dass Modersohn auch in Franken gemalt hat», sagt die Kunsthistorikerin Constanze Neuendorf. Sie betreut das rund 30 Bilder umfassende Modersohn-Kabinett im Schloss Wertheim (in Baden-Württemberg, direkt an der Grenze zu Bayern).

In Tecklenburg (Teutoburger Wald, Nordrhein-Westfalen) entsteht zurzeit ein Modersohn-Museum. Es soll am 11. Oktober eröffnet werden und die auf Tecklenburgreisen entstandenen Bilder, Zeichnungen und Briefe zeigen.

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