Kunst
WestLB-Nachfolger Portigon verkauft Hunderte Kunstwerke

Düsseldorf (dpa) - Unter scharfem Protest von Museen wird in Nordrhein-Westfalen ein weiterer Millionenverkauf von Kunst aus indirektem Landesbesitz eingeleitet.

Mittwoch, 07.01.2015, 16:14 Uhr

Nach dem umstrittenen Verkauf von zwei Warhol-Bildern durch den Casino-Betreiber Westspiel kündigte nun die WestLB-Nachfolgerin Portigon die Veräußerung ihrer gesamten Kunstsammlung an. Erstmals bestätigte Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer in der «Rheinischen Post» und im WDR, dass der Verkauf feststehe. «Es gibt zum Verkauf der Portigon-Kunstsammlung keine Alternative», sagte er. Auch Kaufinteressenten gebe es bereits.

Portigon stehe nicht unter Zeitdruck. In einer «Übergangszeit» von ein bis zwei Jahren will das Unternehmen NRW-Museen Teile der Sammlung für Ausstellungen anbieten. Später werde die Kunst vermutlich auf Auktionen verkauft. Zu der rund 400 Werke umfassenden Kollektion gehören die berühmte Serie von Stierlithographien Pablo Picassos, Werke von Salvador Dalí und August Macke sowie Arbeiten von Joseph Beuys, Gotthard Graubner und Günther Uecker.

Die Direktoren mehrerer großer Museen in Nordrhein-Westfalen protestierten gegen den Verkauf und lehnten die Ausstellung der Portigon-Werke entschieden ab. «Unsere Häuser dürfen nicht zum Durchlauferhitzer für den Kunstmarkt werden!», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Kunstverkauf sei eine «kulturpolitische Bankrott-Erklärung» auch der NRW-Landesregierung, die nicht entschieden genug eingeschritten sei. Die Direktoren forderten eine juristische Prüfung, «wie diesem Ausverkauf kultureller Güter ein Riegel vorgeschoben werden kann».

Die landeseigene Portigon AG ist die Rechtsnachfolgerin der infolge von Milliardenverlusten zerschlagenen WestLB und wickelt den Geschäftsbetrieb der ehemaligen Landesbank ab. Aufgrund von Vorgaben der EU-Kommission müsse Portigon sämtliche Vermögensgegenstände und damit auch die zum Betriebsvermögen zählende Kunstsammlung «bestmöglich» verwerten, sagte Franzmeyer. «Wenn jemand die Kunst aus der Portigon-Sammlung halten will, muss er dafür den Marktpreis bezahlen.»

Auch Museen oder öffentliche Einrichtungen könnten die Kunstwerke kaufen, sagte Franzmeyer. Einen Preisnachlass werde es aber nicht geben. «Wir haben nichts zu verschenken», sagte er. Denn das würde eine zusätzliche Belastung für den Steuerzahler bedeuten. Die Museen nannten das Angebot angesichts der Marktpreise für Kunst «zynisch».

NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) kritisierte den Vorstoß von Portigon. Für den 5. Februar habe die Landesregierung einen Runden Tisch einberufen, der darüber diskutieren solle, wie zukünftig mit Kunst in landeseigenen Unternehmen umgegangen werden solle. Auch Portigon können seine Position dort einbringen. «Was auf der Tagesordnung steht, bestimmt sicherlich nicht ein einzelner Teilnehmer.» Franzmeyer hatte gesagt, der Runde Tisch könne darüber entscheiden, in welchem Umfang die Museen von dem Leihangebot der Portigon Gebrauch machen könnten.

Einige Kunstwerke, darunter zwei um 1450 entstandene Tafeln des sienesischen Malers Giovanni di Paolo sowie eine Skulptur von Henry Moore, hat Portigon als Leihgaben dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zur Verfügung gestellt. Ein Gartenbild von Macke befinde sich zur Zeit im Kunstmuseum Bonn und wandere anschließend ins Lenbachhaus München, teilte Portigon mit. Auch diese Werke müssen demnach verkauft werden.

Zum Betriebsvermögen von Portigon gehören außerdem drei wertvolle Violinen - zwei davon von Stradivari -, die an Musiker ausgeliehen sind. Auch diese Instrumente müssten wohl veräußert werden.

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