Kunst
Provokateur und Suchender: Arnulf Rainer wird 85

Wien (dpa) - Ganz sanft sei er geworden, sagte Arnulf Rainer kürzlich in einem Interview. Das klingt irritierend aus dem Munde eines Künstlers, der in den 1950er Jahren als junger Wilder die Szene betrat.

Montag, 08.12.2014, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.12.2014, 12:06 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 08.12.2014, 00:00 Uhr

Und doch gehörte das immer schon zusammen bei Rainer : das Kontemplative, Suchende war stets die andere Seite des wild Aufbegehrenden. Am 8. Dezember wird Rainer, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs, 85 Jahre alt.

Bekannt wurde Arnulf Rainer vor allem mit seinen radikalen Übermalungen. Seinen Weg zur Kunst fand er als Autodidakt. Sowohl die Universität für angewandte Kunst als auch die Akademie für bildende Künste verließ der junge Rainer bereits nach wenigen Tagen: er ließ die herrschenden Gesetze der akademischen Malerei nicht gelten und versuchte in Grenzüberschreitungen, zum Wesen der Kunst vorzudringen.

Inspiration und Anregung holte er sich vor allem bei den französischen Surrealisten und im Informel, fand aber rasch eine sehr individuelle Bildsprache. Rainer experimentierte mit Drogen und schuf die kraftvollen, verstörenden «Face Farces» und «Body Poses». Ebenfalls in Serien entstanden Kreuzdarstellungen, später großflächige, meditative Werke und zuletzt lyrisch anmutende Acrylarbeiten auf Papier.

Rasch erlangte Rainer internationales Renommee, nahm mehrmals an der documenta in Kassel teil und 1978 an der Biennale in Venedig. Das Guggenheim Museum New York würdigte den Österreicher 1989 in einer Einzelausstellung. Diesem ersten Höhepunkt folgte ein Tiefschlag: Die Bilder, die er heute noch zu seinen wichtigsten zählt, wurden nach der Rückkehr nach Wien von Unbekannten zerstört. Der Vorfall wurde nie aufgeklärt.

Für sein Schaffen erhielt Rainer zahlreiche Auszeichnungen, so etwa 1968 den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst und 1981 den Max-Beckmann-Preis. 2005 bekam er als erster nichtspanischer Künstler den Aragón-Goya Preis für sein Lebenswerk. Er arbeitet noch immer in seinen Ateliers in Bayern, Oberösterreich und im Winter auf Teneriffa.

Den Geburtstag des einst als Rebell und Provokateur verschrieenen Künstlers würdigen unter anderem die Albertina Wien und das ihm gewidmete Rainer Museum in seiner Heimatstadt Baden bei Wien mit großen Einzelausstellungen.

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