Geschichte
Der schlechte Präsident und sein «Jerry»: Alte Liebesbriefe publik

Warren Harding gilt als einer der schlechtesten Präsidenten der USA. Ganz offensichtlich war er aber ein guter Liebhaber. Bislang geheime Liebesbriefe enthüllen nun nach mehr als 90 Jahren pikante Details einer außerehelichen Affäre - inklusive «Jerry».

Samstag, 02.08.2014, 16:10 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 02.08.2014, 16:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 02.08.2014, 16:10 Uhr

New York (dpa) - Warren Harding war ein schlechter Präsident. Ideen- und farblos saß er in einem Amt, das seine Frau mehr für ihn wollte als er selbst.

In seiner Amtszeit (1921-1923) blühte in den USA die Korruption, während der Präsident lieber pokerte - und gern auch Porzellan des Weißen Hauses verspielte. In Umfragen unter Historikern landet er regelmäßig ganz hinten. Dabei war er auf anderem Gebiet offenbar ganz vorn: Harding hatte eine außereheliche Affäre - die dank teils romantischer, teils schlüpfriger Liebesbriefe gut dokumentiert ist. 1964 entschied ein Gericht, dass die Briefe ein halbes Jahrhundert unter Verschluss bleiben müssen. Das ist jetzt um.

Harding war sich seiner Schwäche durchaus bewusst. «Ich bin für dieses Amt nicht geeignet und hätte nie hier sein dürfen», sagte er, nachdem er 1921 ins Weiße Haus eingezogen war. Seine fünf Jahre ältere Frau soll ihn zur Kandidatur getrieben haben. Florence galt, im Gegensatz zu ihrem Mann, als ehrgeizig und durchsetzungsstark.

Aber da war noch «Carrie». Caroline Fulton war acht Jahre jünger als Harding, eine betörende Schönheit - und verheiratet. Eine Freundin war Florence Harding, und so lernte sie Warren kennen. Und wurde für 15 Jahre dessen Geliebte. Als er für das Präsidentenamt kandidierte, beendete Harding die Affäre - aber da waren noch die Briefe.

«Ich liebe Dich mehr als die ganze Welt», heißt es in einem. «Ich habe keine Hoffnung auf eine Belohnung auf Erden oder im Jenseits, die kostbarer ist als in Deinen teuren Armen zu liegen, an Deinen aufregenden Lippen, in Deinen unvergleichlichen Brüsten.» Später schrieb er, Carrie sei «eine Göttin in menschlicher Form - in einer perfekten Form». Selbst Gedichte verfasste Harding für sie.

Ein großer Romantiker - und noch viel mehr. Er beichtete ihr, dass er statt zur Kirche zu gehen lieber zu Hause ihren Morgenmantel getragen habe. Dann habe er am Kamin gesessen, «befreit von allen Kleidern», und an Carrie gedacht. Ob sie nicht auch «klatschnass» werden wolle von der Freude des fieberhaften Gefummels und der dahinschmelzenden Küsse. Er könne keine Befriedigung finden, nur bei ihr.

Und dann war da noch Jerry. «Jerry kommt und will nicht gehen. Er sagt, er liebt Dich, Du seiest das einzig Liebenswerte auf der Welt», schrieb Harding. Und: «Würde Dich gern auf dem Jerry-Berg sehen. Wunderschöner Ort.» Oder: «Jerry würde gern vorbeikommen. Würdest Du ihn herzlich willkommen heißen?» «Jerry» war... - nun ja, man mag es ahnen: Hardings bestes Stück. «Jerry» sei auch «außerordentlich interessiert» an Carries «rosa Lippen», ist da nachzulesen.

Harding starb nach nur gut zwei Jahren im Amt, im August 1923, mit gerade einmal 57 Jahren. Schon Zeitgenossen hatten keine hohe Meinung von ihm. Vier Jahrzehnte später stritten seine Nachkommen mit Historikern um die Liebesbriefe, letztlich kam es zu einem Kompromiss: Die Kongressbibliothek in Washington bekommt alle Briefe - veröffentlicht sie aber erst nach 50 Jahren, im Juli 2014.

Carrie war vier Jahre zuvor, im Februar 1960, mit 86 Jahren gestorben. In die Geschichte eingegangen ist sie als einzige Frau, die eine der großen Parteien der USA erfolgreich erpresst hat. Als Harding nominiert wurde, bezahlten die Republikaner ihr und ihrem Ehemann eine ausgedehnte Japan-Reise und ein üppiges Taschengeld. Der Grund war nicht nur die Affäre mit dem Kandidaten.

Ein weiterer war, dass Carrie glühende Anhängerin eines Landes war, das im Schatten des Ersten Weltkrieges gerade nicht sonderlich beliebt war: Deutschland.

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