94 Sekunden vom Meister
Unbekanntes Mozart-Stück vorgestellt

Es ist nur ein einziges Notenblatt, beschrieben auf Vorder- und Rückseite, mit einer kleinen Komposition. Aber diese stammt von keinem Geringeren als von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mittwoch, 27.01.2021, 19:19 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 20:04 Uhr
Das Blatt (hier Vorder- und Rückseite) stammt wohl aus dem Nachlass von Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang, der es wiederum von seiner Tante geerbt haben soll.
Das Blatt (hier Vorder- und Rückseite) stammt wohl aus dem Nachlass von Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang, der es wiederum von seiner Tante geerbt haben soll. Foto: Wolfgang Lienbacher

Salzburg - Zum Start der digitalen Mozartwoche 2021 hat die Stiftung Mozarteum ein bislang unbekanntes Klavierstück aus der Feder des 17-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

«94 Sekunden neuer Mozart, das ist vielleicht nicht viel, aber wenn diese 94 Sekunden von einem Meister wie Mozart stammen, eröffnen sie doch einen ganzen musikalischen Kosmos», sagte Rolando Villazón, künstlerischer Leiter der Mozartwoche. Erstmals zum Klingen gebracht wurde die fragmentarische Komposition, ein Allegro in D KV 626b/16, von dem südkoreanischen Pianisten Seong-Jin Cho am Mittwochabend im Großen Saal der Stiftung Mozarteum in Salzburg. 

Mozart schuf das Stück mit großer Wahrscheinlichkeit während seiner dritten Italienreise im Frühjahr 1773. «Stilistische Besonderheiten lassen erkennen, dass es sich bei dem dreiteiligen Tanzsatz nicht um eine Originalkomposition für Klavier, sondern um Mozarts eigenhändigen Klavierauszug eines unbekannten Orchesterwerks handelt», heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Das Blatt stammt wohl aus dem Nachlass von Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang, der es wiederum von seiner Tante, Mozarts Schwester Maria Anna, geerbt haben soll. Das Autograph wurde zwischen 1900 und 1928 mehrfach auf Auktionen angeboten, dessen Inhalt aber von Wissenschaftlern bislang nie untersucht.

In den 1920er Jahren erwarb ein «musikbegeisterter Ingenieur» das Blatt in einem Pariser Antiquariat und es blieb fast 90 Jahre im Besitz der Familie, bevor es an die Stiftung Mozarteum vermittelt werden konnte. Es sei ein «besonderes Glück», dass die Originalhandschrift noch vor Ausbruch der Coronakrise angeboten worden sei, sagte Johannes Honsig Erlenburg, Präsident der Stiftung. Heute müsse man eine solche Anschaffung «wohl schweren Herzens ausschlagen». Die Wiederentdeckung einer bislang völlig unbekannten Mozart-Komposition ist ein sehr seltenes Ereignis und wurde zuletzt vor mehr als 80 Jahren gemeldet.

Voraussichtlich ab Ostern soll die Handschrift in Mozarts Geburtshaus in der Salzburger Getreidegasse ausgestellt werden. Eine Faksimileausgabe davon kann im Museumsshop und über den Buch- und Musikalienhandel erworben werden.

© dpa-infocom, dpa:210127-99-196378/2

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