Royal Tea
Joe Bonamassa: Sehr britisch und sehr bluesig

Immer wenn Joe Bonamassas Fans meinen, er könne nicht besser werden, überrascht der Blues-Weltstar aufs Neue. Jetzt hat es der Amerikaner geschafft, viel Britisches in sein neuestes Studio-Album zu gießen.

Donnerstag, 29.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 06:02 Uhr
Joe Bonamassa liebt es, musikalische Abenteuer einzugehen.
Joe Bonamassa liebt es, musikalische Abenteuer einzugehen. Foto: Jim Herrington

Nashville (dpa) - Joe Bonamassas «Royal Tea» ist «very British». Und das geht schon beim Titel des neuen Albums los, dazu die Aufnahmen und monatelangen Proben in den Abbey Road Studios in London.

Dass die Musik dann auch noch «very British» klingt, in einzelnen Passagen noch an das Album «Abbey Road» der Beatles oder frühe Werke von Jethro Tull erinnert - alles Absicht. «Man kann London definitiv heraushören», sagt der Blues-Meister im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Das Leben und die Arbeit in London waren der Schlüssel zu dem Werk, anders hätte es nicht funktioniert.»

Die Arbeit an dem Album hatte schon im Sommer des Vorjahres begonnen, ehe dann ein «kleines Missgeschick» die Restarbeiten deutlich verzögerte. «Wir hatten schon 90 Prozent des Albums geschrieben, als sich unser Drummer (Anton Fig) den Knöchel brach», erzählt Bonamassa. Damit sei das Projekt bis Januar verzögert worden, den Rest habe schließlich die Corona-Pandemie beigetragen.

In seinem Zuhause in Nashville erlebt der Blues-Gitarrist unterdessen wegen des Coronavirus «eine Art Halb-Ruhestand», dessen Ende nicht absehbar sei. «Ich war noch nie so lange nicht auf Tour», sagt er. Und das Schlimmste an der ganzen Realität sei die Ungewissheit, für viele Musiker gehe es wegen ausbleibender Einnahmen inzwischen um die nackte Existenz.

Er selber gehe davon aus, dass er vermutlich erst 2022 wieder auf Tour gehen könne. «Ich sehe da nichts Früheres», orakelt er. «Solche ansteckenden Krankheiten arbeiten leider nicht nach festen Zeitplänen.»

Zeitpläne hat er selbst, kann sie aber wegen Corona nicht konkret abstecken. Zum Jahreswechsel wollte er eigentlich zu neuen Aufnahmen nach New York, um die Energie dieser Stadt musikalisch einzufangen. Ob er zu diesen Zukunftsplänen auch musikalische Partner ins Auge gefasst hat, will er nicht verraten.

In vergangenen Jahren hatte sich der Blues-Star mit diversen Musikgrößen dieser Welt zusammengetan, wie etwa Eric Clapton, Glenn Hughes oder Beth Hart. Für «Royal Tea» gewann er die Unterstützung des Whitesnake-Gitarristen Bernie Marsden und von Ex-Cream-Texter Pete Browen.

«Mal sehen, wer passt», sagt er zu künftigen Partnerschaften. «Mal sehen, was Sinn macht.» Gegenwärtig sei fast jede Variante möglich, da die meisten Musiker frei seien. «Jedem ist langweilig, also ist alles möglich.»

Mit dabei sein werden auf jeden Fall seine geliebten Gitarren, von denen er inzwischen rund 450 Stück besitzt. Da jede einen anderen Klang habe, nehme er auf seine Tourneen meist 15 Stück mit auf die Reise. Für das neue Album habe er auch 10 bis 15 Gitarren aus seiner Kollektion benötigt.

Mit seinen Gitarren schafft Bonamassa Blues in verschiedensten Variationen - ob mit Country, Rockabilly oder Hardrock. Wie passt dieses Spektrum zu seinen hohen Ansprüchen als Blues-Musiker? «Eigentlich gar nicht», gesteht er. «Aber ich liebe es, musikalisch Abenteuer einzugehen.» Und als Musiker habe man stilistisch «stets die Option und den Luxus», neue Wege zu gehen - «solange auch das Publikum mitgeht».

Eine Vielzahl dieser Wege hat er in seinem Titeltrack «When One Door Opens» zusammengeführt. Dieser Song sei auch der Song, über den er sich selber definiere, wie etwa Led Zeppelin mit «Stairway to Heaven» oder Deep Purple mit «Smoke on the Water». «Dieses Lied hat alles, wofür ich stehe.»

Trotz seiner Bekanntheit und Erfolge und einer beeindruckenden Diskographie - er veröffentlicht seit 2002 jährlich mindestens ein neues Album - ist dem 43-Jährigen der große Wurf bei Preisen für sein Schaffen bisher verwehrt geblieben. Vielen Nummer-ein-Hits in den Blues Charts steht eine einzige Grammy-Nominierung gegenüber. «Ich sehe solche Ehrungen eher als politische Bewertung denn als Beurteilung deiner musikalischen Qualität.»

© dpa-infocom, dpa:201026-99-84689/3

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