Düsternis und Zuversicht
«The Messenger»: Hélène Grimaud kehrt zu Mozart zurück

Leidenschaft und Unabhängigkeit - Hélène Grimaud hat sich stets als eigenständige Künstlerin verstanden. Diese Haltung zeigt die Pianistin auch mit ihrer neuen CD.

Sonntag, 04.10.2020, 18:29 Uhr
Mozart-Werke in eher düsterem Moll: Hélène Grimaud.
Mozart-Werke in eher düsterem Moll: Hélène Grimaud. Foto: Mat Hennek

Berlin (dpa) - Eine Frau steht im Wald, ihr weißes Outfit hebt sich gegen die grauen Baumstämme ab: Hélène Grimaud begibt sich für ihre neue CD in die Natur. Fest verankert steht die Pianistin auf dem Cover ihrer neuen Aufnahmen mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart.

Als ob sie es geahnt hätte, bekommt die kurz vor dem Corona-Ausbruch in Salzburg aufgenommene Platte eine neue Bedeutung. «Natur ist nicht nur heiter», sagt Grimaud, die sich schon lange dem Schutz der Wölfe verschrieben hat und heute auf einem Landgut in der Nähe von New York lebt. Die Pandemie habe den Menschen auch Grenzen aufgezeigt.

Nach zehn Jahren gibt die in Aix-en-Provence geborene Pianistin wieder eine Einspielung mit Werken von Mozart heraus, mit der sie ab Oktober mit der Camerata Salzburg auf Tournee geht. Zu den Fantasien in d- und c-Moll sowie mit dem Klavierkonzert Nr. 20 in d-Moll hat Grimaud Kompositionen des 1937 geborenen Ukrainers Valentin Silvestrov gestellt, darunter die flirrend-federleichte und mit Mozart-Anklängen versehene Komposition «The Messenger», die der CD auch den Titel gibt.

Um Mozart ging es auch, als sich Grimaud 2011 mit Claudio Abbado zerstritt. Sie hatte ein Ultimatum des Dirigenten abgelehnt, eine bestimmte Solokandenz zu spielen. Abbado lehnte es fortan ab, mit ihr zu spielen.

Eigenständigkeit ist ein Markenzeichen Grimauds. Mit 13 Jahren wurde sie am Pariser Konservatorium aufgenommen, ihren Durchbruch erlebte sie 1987, als sie der Dirigent Daniel Barenboim für ein Konzert mit dem Orchestre de Paris engagierte.

Dass die Französin sich für die CD Mozart-Werke in eher düsterem Moll ausgesucht hat, ist Programm. Die Kompositionen ließen ahnen, was noch kommt, sagt die Pianistin. Doch mit den Stücken des zeitgenössischen Ukrainers Silvestrov stößt sie dann wieder ein Fenster der Zuversicht auf.

© dpa-infocom, dpa:200929-99-753561/5

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