Interview mit Gitarristen-Legende Steve Morse
Zurück zum Kern von Deep Purple

Münster -

„Whoosh!“ heißt das mittlerweile 21. Studio-Album von Deep Purple. Eigentlich wollte die Hardrockband damit auf Tour gehen, aber das Coronavirus durchkreuzte die Pläne. Wir haben mit Gitarrist Steve Morse über die Platte, den Produzenten und über Piloten gesprochen.

Mittwoch, 12.08.2020, 16:12 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 16:29 Uhr
Deep Purple beim Wacken-Open-Air: Bassist Roger Glover, Sänger Ian Gillan und Gitarrist Steve Morse (v.l.).
Deep Purple beim Wacken-Open-Air: Bassist Roger Glover, Sänger Ian Gillan und Gitarrist Steve Morse (v.l.). Foto: Wacken Open Air

Deep Purple gibt es seit nun mehr 52 Jahren. Mit einer Pause, als die Band sich aufgelöst hat. Am vergangenen Freitag ist ihr 21. Studioalbum erschienen. Seit 1994 spielt der US-Amerikaner Steve Morse bei der englischen Rockband Gitarre. Er ersetzte Ritchie Blackmore, der nach Streitigkeiten mit Sänger Ian Gillan die Band verlassen hatte. Für Morse ist es mittlerweile auch schon das siebte Album mit Deep Purple.

Mister Morse, ist das neue Album „Whoosh!” vor der Corona-Pandemie aufgenommen worden?

Steve Morse: Ja, es war fertig, bevor die Krise so groß wurde.

Wollten Sie mit dem Album auch auf Tour gehen?

Morse: Die war komplett geplant und ausgearbeitet. Wir wären jetzt gerade in der Mitte unserer Tournee. In Europa übrigens. Aber sie wurde abgesagt. Der erste Auftritt wäre kurz vor der Corona-Krise auf einem Kreuzfahrtschiff gewesen. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass der nicht stattgefunden hat. Angeblich haben sich 40 Prozent der Passagiere auf dem Schiff mit dem Virus angesteckt.

Es ist jetzt Ihr siebtes Album mit Deep Purple und das insgesamt 21. der Band überhaupt. Wie viele andere Bands kennen Sie, die auch so viel Platten aufgenommen haben?

Morse: Oh, da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Bands, die sich vielleicht nicht wie Deep Purple auch mal zwischendurch aufgelöst haben. Die Stones bestimmt. Whitesnake vielleicht.

„Whoosh!” klingt sehr vital. Was ist das Geheimnis?

Morse: Wir versuchen, nicht kommerziell zu klingen und zu überlegen, wie wir im Radio gespielt werden. Wir wollen Spaß haben, und ich glaube, das hört man der Platte an. Es gab auch keinen Druck, was den Sound angeht. Manchmal geht meiner Meinung nach der Gitarrensound etwas unter – außer bei den Soli –, aber das ist halt Bobs Vision vom Soundmix.

Es ist das dritte Mal, dass die Band mit Bob Ezrin als Produzent gearbeitet hat. Sie selbst noch öfter, oder?

Morse: Ja, damals mit Kansas. Ich glaube, Bob Ezrin hat mittlerweile schon Alpträume, wenn es um die Gitarren-Soli geht. Er muss vermutlich vorher Beruhigungsmittel nehmen, wenn er weiß, dass sie in der Session anstehen (lacht).

Wie viel Einfluss hat er denn als Produzent? Überstimmt die Band ihn manchmal auch und sagt: Wir wollen das aber lieber anders?

Morse: Wenn wir einer Meinung wären, würden wir das machen, aber bei vielen Entscheidungen haben wir unterschiedliche Vorstellungen. Beispielsweise, wenn es um den Pegel der Abmischung geht. Drei oder vier Bandmitgliedern gefällt es vielleicht, weil sie gut zu hören sind (lacht). Aber Bob versucht auch, das Beste aus Ian Gillan herauszuholen.

Er singt sehr gut auf dem neuen Album.

Morse: Absolut, das ist ein Markenzeichen unserer Zusammenarbeit mit Bob. Kein anderer Produzent hat je mehr aus ihm herausgeholt. Bobs wirkliche Stärke ist, dass er stumpf sein kann, ohne andere Leute dabei zu sehr zu verärgern (lacht).

Einige Songs auf „Whoosh!“ sind überraschend orchestral. Wie kam das zustande?

Morse: Ich mag es, klassische Ideen oder auch Jazz in Rockmusik zu integrieren. Was das angeht, haben wir in der Band viele Gemeinsamkeiten. Und wenn es darum geht, auf diese Nebenstraße abzubiegen, dann machen wir das gerne. Manchmal fahren wir dann zu weit raus, dann würde unser Produzent sagen: Morse, super Idee, spar dir das für dein Soloalbum auf und lass uns wieder in die Realität zurückkehren (lacht).

Dennoch klingt das Album, als würde die Band versuchen, ihren musikalischen Horizont auszuweiten.

Morse: Eigentlich ist es genau umgekehrt. Wir haben viele Ideen zusammengeworfen und sind während des Schreibprozesses eher wieder zum Kern dessen zurückgekehrt, was die Musik von Deep Purple ausmacht.

Sie selbst haben so viele andere musikalische Projekte: Was machen Sie, um zu entspannen?

Morse: Ich wohne auf einem Bauernhof, und ich bin die einzige Person, die sich um die Maschinen kümmert, das Heu schneidet und die Ballen einlagert. Ich kümmere mich um die gesamte Instandhaltung. Außerdem fliege ich am Ende des Tages gerne Flugzeug, mein Haus hat eine eigene Landebahn.

Dann könnten Sie ja mit Iron Maiden auf Tour gehen und sich mit deren Sänger Bruce Dickinson beim Fliegen abwechseln.

Morse: (lacht) Ich mag Bruce wirklich gerne, aber ich müsste vermutlich erst einmal eine Genehmigung bekommen, diese großen Flugzeuge fliegen zu dürfen. Ich fliege immer nur die kleinsten, die ich bekommen kann, die einen kleinen Motor haben, kaum Kraftstoff verbrauchen und die Glastüren haben, damit ich an beiden Seiten herausgucken kann. Ich liebe die Aussicht von da oben. Es ist so ruhig und friedlich.

Bruce Dickinson hat sich doch damals die Haare kurz schneiden lassen, weil er sie als Pilot nicht lang tragen durfte, oder?

Morse: Nein, man braucht zum Fliegen ja keine kurzen Haare. Das liegt an den Einstellungsanforderungen der Fluggesellschaften. Auch andere Arbeitgeber bestehen darauf, beispielsweise in Fabriken. Als ich in den 80er Jahren versucht habe, einen Job als Verkehrspilot zu bekommen, habe ich mir die Haare auch geschnitten. Ich sah aus wie ein spießiger Handlungsreisender.

Würden Sie sagen, dass mit Ihnen an der Gitarre, Deep Purple mehr Richtung „Progressive Rock“ gegangen ist?

Morse: Das kann man so nicht sagen, weil man nicht weiß, wie sich Deep Purple mit jemand anderem entwickelt hätte. Aber Deep Purple haben damals jemanden gesucht, der zwar ein Fan von Ritchie Blackmore ist, aber nicht dessen Klon. Sie wollten niemanden, der ihn imitiert. Wir hatten eine Probezeit vereinbart, aber bereits am Ende des ersten Tages, als ich alle kennengelernt hatte, hatten wir ein Gefühl, dass hier etwas gutes und sehr organisches passiert.

Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie das erste Mal „Smoke on the Water“ gespielt haben?

Morse: Oh ja, das war mein erstes Jahr an der Uni, wobei ich sehr früh — also mit 17 Jahren — angefangen habe zu studieren. Ich war in einer Coverband. Und als einziger Gitarrist in einer Coverband habe ich das versucht, was ich immer noch versuche: Ich spiele eine Reminiszenz an das Original, ohne mich exakt daran zu halten. So kann ich den Leuten ein ähnliches Gefühl vermitteln, was ihrer Erfahrung mit dem Lied entspricht.

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