Bochumer „Museum unter Tage“ zeigt Landschaften und vieles mehr
Von der Idylle bis zur Katastrophe

Bochum -

Früher war mehr Idylle – diesen Eindruck vermitteln zumindest die „Weltsichten“, die in einer Dauerausstellung des „Museums unter Tage“ in Bochum zu entdecken sind.

Dienstag, 11.08.2020, 18:08 Uhr
Ausstellung Erich Reusch Elektrostatische Objekte Bochum Museum unter Tage
Ausstellung Erich Reusch Elektrostatische Objekte Bochum Museum unter Tage Foto: Situation Kunst

Angefangen bei religiösen Motiven des 15. und 16. Jahrhunderts, die Landschaft lediglich als Dekoration für Heiligenerzählungen nutzen, bis hin zu globalen Landschaftskatas-trophen der Moderne.

Zerstörte deutsche Städte nach dem Zweiten Weltkrieg gelten hier ebenso als eindrucksvolle Weltbeschreibung wie Bilder von Atombomben-Abwürfen. Auch die Darstellungsform mutiert – vom klassischen Ölgemälde bis hin zu verstörenden Fotografien und Videoinstallationen. Die private Sichtweise des Museumsbesucher mischt sich hier mit kollektiven Landschaftsvorstellungen.

Ein kreative Form der Raumgestaltung wird noch bis zum 25. Oktober in der aktuellen Wechselausstellung des „Museums unter Tage“ präsentiert. Mit seinen Raumerforschungen und seinen Versuchen, physikalische Grenzen künstlerisch zu überwinden, ist hier Erich Reusch in einer umfassenden Werkschau zu sehen. Reusch, der Ende Dezember 2019 im Alter von 95 Jahren gestorben ist, hat die Konzeptionierung der Ausstellung noch weitgehend begleitet. Zunächst als Architekt später als Künstler und Kunstprofessor in Düsseldorf hat Reusch versucht, mit Plastiken, akustischen Arbeiten und Lichteffekten öffentliche Räume neu zu dimensionieren. Bekanntes Beispiel ist das Wasserrelief auf dem Campus der Bochumer Ruhruniversität.

Die Ausstellung zeigt viele seiner beeindruckenden Arbeiten als Fotografien oder im Film. Aber auch einige seiner bekannten elek-trostatischen Objekte sind in dieser Schau zu bestaunen.

Das „Museum unter Tage“, das tatsächlich unterirdisch im Schlosspark Weitmar im Bochumer Süden gelegen ist, ist umgeben von in die Parklandschaft eingebetteten Skulpturen. Der Werkstoff Stahl spielt bei diesen Werken eine entscheidende Rolle – angemessen bei Kunstwerken an einer zentralen Stelle des Ruhrgebiets. Als renommiertester Künstler ist in der grünen Landschaft Richard Serra, der Star unter den Bildhauern des 20. Jahrhunderts, mit einer Arbeit aus runden Stahlplatten vertreten, die ihren Reiz erst bei intensiver Betrachtung entwickeln. Ansprechender sind die gleich drei im Park verstreuten Stahl/Stein-Ensembles des Koreaners Lee Ufan. Die weiteren Skulpturen im Park von Haus Weitmar stammen von Francois Morellet, David Rabinowitsch, Erich Reusch, Ulrich Rückriem und Guiseppe Spagnulo.

Besonders lohnend machen den Besuch in Weitmar die von der Stiftung Situation Kunst am Rande des Parks in fünf Ausstellungshallen dauerhaft untergebrachten Rauminstallationen. Grundlegend für die Konzeption der Dauerausstellung waren laut der Stiftung die Rauminstallationen der amerikanischen Künstler Maria Nordman, Richard Serra und des Kanadiers David Rabinowitch, die jeweils ein eigenes Gebäude zur Ausbreitung ihrer Ideen nutzen.

Herauszuheben ist vor allem „Circuit“ von Richard Serra. Diese Skulptur aus vier senkrecht stehenden Stahlplatten war bereits in etwas anderer Form bei der documenta 5 in Kassel 1972 zu sehen und steht in einer dritten Variante im New Yorker Museum of Modern Art.

Ein weiteres Gebäude gibt Einblicke in die Arbeit der europäischen Künstler Gotthard Graubner, Norbert Kricke, Arnulf Rainer und Jan J. Schoonhoven. Zusätzlich gibt es einen Gebäudekomplex, der internationale Gegenwartskunst und Objekte alter Kunst aus Afrika und Asien gegenüberstellt. Hier sind Gianni Colombo, Dan Flavin, Lee Ufan, François Morellet, Arnulf Rainer, Dirk Reinartz, Richard Serra, Robert Ryman, Ad Reinhardt und Jan J. Schoonhoven vertreten.

Museum unter Tage in Bochum, Nevelstraße 29D, Öffnungszeiten: Di, Do und Fr 14 bis 18 Uhr, Sa und So 12 bis 18 Uhr, Kombiticket für Wechselausstellung und Ausstellung Weltensicht 8, ermäßig 5 Euro

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