„Così fan tutte“ in Salzburg gefeiert
Treue-Test im Schnelldurchgang

Salzburg -

Mozarts Oper „Così fan tutte“ zeigt ein Treue-Experiment in buffoneskem Gewand. Die aktuelle Fassung der Salzburger Festspiele begeistert szenisch und musikalisch.

Donnerstag, 06.08.2020, 13:50 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 20:14 Uhr
Das Così-Ensemble um Don Alfonso (Johannes Martin Kränzle, 3. v. l.) gerät in turbulente Liebeswirren.
Das Così-Ensemble um Don Alfonso (Johannes Martin Kränzle, 3. v. l.) gerät in turbulente Liebeswirren. Foto: Monika Rittershaus/Arte

Salzburg ist Mozart. Er gehört zu den Festspielen wie der „Jedermann“. Kein Wunder also, dass die Festspielgemeinde ihn bei jeder Gelegenheit feiert. Und da sie ihn über Corona-Monate hinweg vermisste, tut sie das jetzt umso freudiger. Nach der umjubelten Premiere am Sonntag zeigte sich das Publikum im schachbrettartig besetzten Großen Festspielhaus am Mittwochabend erneut enthusiasmiert. Vor allem aus drei Gründen. Weil die Nürnberger Generalintendantin Joana Mallwitz mit ihren 33 Jahren in Salzburg ein sicheres, höchst inspiriertes Debüt vorlegt. Weil Regisseur Christof Loy eine Inszenierung mit Witz und Hintersinn, aber ohne Kitsch und Kokolores abliefert. Und weil Ausnahmesänger am Werk sind.

Schön außerdem, dass die etwa 35 Musiker der Wiener Philharmoniker in einem erhöhten Bühnengraben sitzen und man ihnen bei der Arbeit zusehen darf. Hinter dem Graben erhebt sich eine bühnenbreite Treppe, rückwärtig begrenzt durch eine weiße Wand mit zwei Türen. Als zuletzt doch etwas mehr Natur benötigt wird, fahren die Wände zur Seite und geben den Blick auf einen belaubten Baum frei (Bühne: Johannes Leiacker).

Die sechs Figuren des bekannten Treue-Tests, den Loy und Mallwitz coronatauglich auf zweieinviertel Stunden ohne Pause zusammenstrichen, spielen, leiden, lieben und singen auf allerhöchstem Niveau: Allen voran Elsa Dreisig als Fiordiligi mit schlankem, höhensicheren Sopran und Marianne Crebassa als ihre Schwester Dorabella, die mit dunklem Mezzo das passende Gegenstück liefert. Die Männer und Treue-Tester, Bariton Andrè Schuen als Guglielmo und Tenor Bogdan Volkov als Ferrando, verzichten im zweiten Akt streichungsbedingt auf einige Arien. Die witzige Haushalts- und Verschwörungshilfe Despina (Lea Desandre) darf nicht nur mit dem Schneebesen klappern, sondern als „Arzt“ bei der magischen „Rettung“ der Treue-Tester auch durch den Mund- und Nasenschutz singen. Charakterbariton Johannes Martin Kränzle bildet als Don Alfonso, der den beiden Herren den Test ihrer Liebsten als Wette aufgeschwatzt hat, die souveräne Klammer des Spiels. Salzburg jubelt zurecht.

Experten der Musikwelt mutmaßen schon, dass Joana Mallwitz, die übrigens mit dem in Salzburg ebenfalls gefeierten Pianisten Igor Levit in Hannover zusammen studierte, demnächst als erste Dirigentin im Festspielhaus in Bayreuth auftreten wird. Zumal die Nürnberger Generalmusikdirektorin ja gewissermaßen eine fränkische Hausberufung wäre...

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