Bademode
Der Bikini ist museumsreif

Viel nackte Haut und wenig Stoff: Der Bikini sorgt 1946 für einen gesellschaftlichen Eklat. Heute steht der Zweiteiler rund um den Globus für Strandvergnügen und modische Selbstbestimmung der Frau. Umstritten ist er geblieben.

Freitag, 03.07.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 16:20 Uhr
Bikini-Kollektion im Stile von Brigitte Bardot im Bikini-Museum in Bad Rappenau.
Bikini-Kollektion im Stile von Brigitte Bardot im Bikini-Museum in Bad Rappenau. Foto: Uwe Anspach

Bad Rappenau (dpa) - Vom hochgeschlossenen Badekostüm aus Wolle zum superknappen Zweiteiler - das BikiniArtMuseum in Bad Rappenau bei Heilbronn widmet sich der Geschichte der Bademode.

An diesem Sonntag, dem internationalen Tag des Bikinis, wird das Museum eröffnet. Bunt und unterhaltsam aufbereitet, erfahren die Besucher künftig auf 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche, wie sich die Bademode seit dem späten 19. Jahrhundert entwickelt hat.

Damals trugen Frauen und Männer beim Baden Ganzkörperbekleidung. In Badekleider für Frauen seien gar Gewichte eingenäht gewesen, um im Wasser den Auftrieb des Stoffes zu verhindern, erzählte Museumsdirektor Reinhold Weinmann bei einem Rundgang am Freitag. Kürzer werdende Ärmel und Hosenbeine an Bademode sorgten ab 1900 immer wieder für Empörung, Verbote und Verhaftungen. In Preußen gab es im Jahr 1932 den «Zwickel-Erlass», der genau vorschrieb, wie Badebekleidung geschnitten sein musste.

Im selben Jahr war die deutsche Schauspielerin Maria Solveig bereits in einem Tonfilm im Bade-Zweiteiler aufgetreten. Die älteste Fotografie, die eine Frau in der heutigen Bikini-Hochburg Brasilien in einem Zweiteiler am Strand zeigt, stammt den Museumsmachern um den Regensburger Alexander Ruscheinsky zufolge aus dem Jahr 1938.

Verpönt blieb das Kleidungsstück bis in die 1960er Jahre. Frankreichs Kino-Ikone Brigitte Bardot, Hollywood-Star Marilyn Monroe und der legendär gewordene Auftritt von Ursula Andress in «James Bond - 007 jagd Dr. No» verhalfen ihm zum Durchbruch. Auch Schwimmsportlerinnen kämpften seit Jahrzehnten für eng anliegend und knapp geschnittene Badeanzüge.

Der Bikini sei Teil der Emanzipationsgeschichte und stehe für die Selbstbefreiung der Frau, sagte Kulturwissenschaftlerin Alexandra Regiert. Auch ein Burkini, ein Ganzkörperbadeanzug, gehört zur Ausstellung. Das Museum wolle die Menschen zum Diskutieren und Nachdenken über Sexismus und Emanzipation anregen, ohne dabei zu werten.

Den Namen Bikini hatte der Bade-Zweiteiler kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen: In Paris ließ der Ingenieur und Designer Louis Réard am 5. Juli 1946 ein Mannequin in einem zweiteiligen Badeanzug auftreten, den er Bikini nannte. In Anlehnung an das als exotisch geltende Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean, vor dem damals die ersten Atomtests stattfanden - was wiederum für Fortschritt stand, so die Museumsmacher. Zwölf Bikinis aus den Kollektionen Réards sind in dem Museum ausgestellt.

Initiiert und finanziert hat das Museum der Regensburger Unternehmer Alexander Ruscheinsky. Mehr als fünf Jahre lang recherchierte er zusammen mit seinem Team zum Thema Bikini. Neben Bademode gibt es multimediale Shows, Kunstwerke und historische Plakate zu sehen. So malte Komiker Otto Waalkes einen Ottifanten im Bikini.

© dpa-infocom, dpa:200703-99-663789/3

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