Neustart mit probaten Streicher-Einheiten
Die ersten Auftaktkonzerte im Theater Münster nach der Corona-Zwangspause

Münster -

Das Leben ist zurückgekehrt ins Theater Münster. Am Samstagabend vor dem Pfingstfest gestalteten die 25 Streicher des Sinfonieorchesters Münster das erste von drei Auftaktkonzerten nach der Corona-Zwangspause. Ein behutsamer und zugleich stimmungsvoller Neustart, der Hoffnung macht auf eine allmähliche Normalisierung des Kulturbetriebs.

Sonntag, 31.05.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 12:15 Uhr
Neustart mit probaten Streicher-Einheiten: Die ersten Auftaktkonzerte im Theater Münster nach der Corona-Zwangspause
Die 25 Streicher des Sinfonieorchesters Münster unter Generalmusikdirektor Golo Berg gestalteten zu Pfingsten drei Auftaktkonzerte nach der Corona-Zwangspause. Foto: Johannes Loy

Welch ein Kontrast! Zu Pfingsten vor einem Jahr tummelten sich Tausende auf dem Prinzipalmarkt in Münster, sangen und summten in Begleitung des Sinfonieorchesters Münster Carl Orffs Carmina Burana zum 100-jährigen Bestehen der großen münsterschen Musikinstitutionen. In diesem Jahr nun notgedrungen das Kontrastprogramm: 25 Streicher im gebotenen Abstand auf der Bühne und exakt 94 Gäste in den mit Flatterband und schwarzem Tuch ein- und abgegrenzten Reihen und Sitzen im Parkett des Großen Hauses.

Der Applaus durchaus dünner als sonst, aber nicht weniger enthusiastisch. Mit Jubelrufen. Und das hätte nach einer Stunde Konzertprogramm noch länger gedauert, wenn Generalmusikdirektor Golo Berg nicht gesagt hätte: "Vielen Dank, dass Sie da waren! Nach 60 Minuten muss gelüftet werden!"

Seltsame Konzertumstände

Die in diesen Zeiten viel erwähnten und versprühten Aerosole sollen eben keinen Schaden anrichten, und so begab sich das Publikum Samstag, Pfingstsonntag und Pfingstmontag zügig in den lauen Maiabend. Vielleicht nachdenklich ob der seltsamen Konzertumstände, in jedem Fall aber beglückt und beseelt durch die Tatsache, dass sich im Theater Münster die Kultur wieder regt und die Musik wieder klingt.

Vor dem Hintergrund der Dramatik der letzten Monate erscheinen diese drei Konzerte wie ein Wunder!

Generalmusikdirektor Golo Berg

In diesem Fall in Form von Streicher-Einheiten, zumal der Bläserfraktion ja nachgesagt wird, sie verbreite eben doch zu viel Sprühnebel, worüber die Wissenschaftsfraktion von der Physik bis zur Virologie vermutlich trefflich weiter streiten wird. Streichermusik für die verwundete und vielleicht auch verängstigte Seele war das, was GMD Golo Berg ausgesucht hatte. Mit der Simple Symphony von Benjamin Britten (1913-1976) startete der einstündige Konzertabend ohne Pause, Sekt und Brezel, wobei diese Sinfonie, wie Experten wissen, eigentlich keine Sinfonie ist, sondern eher ein Rückgriff auf die barocke Suite mit ihren Tanzsätzen. Gut und griffig spielbar, auch für junge Orchester, und mit süffigen, humorvollen, unbeschwerten Sequenzen ausgestattet, wie etwa im spielerischen Pizzicato des 2. Satzes. Aber Britten kann es auch sentimental wie in der Sarabande direkt anschießend, und so klangen die Corona-Stimmungen zwischen emotionalem Tief und hoffendem Hoch auch in der Musik an.

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94 Gäste fanden im Parkett des Großen Hauses sicher und luftig Platz. Foto: Johannes Loy

Sehnsucht nach mehr Gästen und Applaus

Antonín Dvořáks (1841-1904) Serenade für Streichorchester in strahlendem E-Dur kam darauf in 30 Spielminuten ebenso böhmisch wie heimatlich und tänzerisch wie melancholisch daher. Golo Berg ließ die Streicher im populären Walzersatz tänzeln, dann wieder in böhmischen Momenten zwischen Dur und Moll schluchzen und seufzen.  Der Schluss im Presto wirkte wie die schwungvolle Aufforderung, das kulturelle Leben behutsam, aber zielgerichtet und frohgemut wieder aufzunehmen.

Darauf hofft nicht zuletzt Generalintendant Dr. Ulrich Peters, der eingangs das Wort an das kleine Publikum richtete: "Wir sind heilfroh, dass wir zurück sind!" Und: "Ihr Applaus ist das Brot des Künstlers. Füttern Sie uns, wir füttern Sie gerne mit Kultur!" Peters setzt darauf, dass nach den Sommerferien dann möglicherweise 200 Gäste das Große Haus füllen dürfen. Und der große Wunsch ist es natürlich, spätestens mit der Jahreswende wieder vor ausverkauftem Haus spielen zu können.

Ihr Applaus ist das Brot des Künstlers. Füttern Sie uns, wir füttern Sie gerne mit Kultur!

Generalintendant Dr. Ulrich Peters

Die Sehnsucht und der Hunger nach dem Lebensmittel Kultur in Münster und im Münsterland wachsen unaufhaltsam. Wenig überraschend also, dass alle Sonderkonzerte und Vorstellungen im Juni nach den Worten des Generalintendanten "ruckzuck ausverkauft" waren. 

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