TV-Tipp
Der gute Bulle - Friss oder stirb

Eine Drogenhändlerin lässt sich aus dem Gefängnis holen, um der Polizei als Informantin dabei zu helfen, einen Spitzel in den eigenen Reihen zu fassen. Zumindest im TV-Krimi scheint das zu funktionieren.

Montag, 25.05.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 05:02 Uhr
Lola Karras (Nele Kiper), Fredo Schulz (Armin Rohde) und Milan Filipovic (Edin Hasanovic) stehen mit gezogenen Waffen zwischen SEK-Beamten (l-r).
Lola Karras (Nele Kiper), Fredo Schulz (Armin Rohde) und Milan Filipovic (Edin Hasanovic) stehen mit gezogenen Waffen zwischen SEK-Beamten (l-r). Foto: Nik Konietzny

Berlin (dpa) - Spitzel bei der Polizei kommen vor, sind dort aber natürlich nicht gern gesehen. In der neuen Folge der Krimireihe «Der gute Bulle» mit dem Titel «Friss oder stirb» geht es um ihre Enttarnung - zu sehen an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF.

Bei der Berliner Polizei kennt nahezu jeder jeden - auch verdeckte Ermittler. Einer von ihnen wird verraten und in seiner Wohnung erschossen, vom gerissenen Drogendealer Hassan Moussa (Murathan Muslu, er ist einmal mehr als gewalttätige Dumpfbacke zu sehen). Um an ihn und den Spitzel in den eigenen Reihen heranzukommen, lässt sich die Dealerin Dakota (klasse: Almila Bagriacik) auf einen Deal mit der Polizei ein. Sie sitzt zwar gerade im Frauenknast, kennt sich in der Szene aber gut aus, und sie hat eine kleine Tochter - Gründe genug hat sie also.

Die Polizisten Fredo Schulz (Armin Rohde) und Milan Filipovic (Edin Hasanovic) setzen Dakota auf freien Fuss - und alle Hoffnung auf sie als Informantin. Doch mit ihrer Lüge von der Entlassung wegen guter Führung kann sie nicht alle täuschen, ihre starke Mutter (Meral Perin) nicht, und ihren harmlos wirkenden Ex-Freund und Kindsvater schon gleich gar nicht: Pablo (Vincent Krüger) ist gefährlicher, als er aussieht. Allein Moussa scheint Dakota merkwürdigerweise zu vertrauen - zumindest vorerst. Nur der Polizist Axel (Sascha Alexander Gersak) bleibt auf der Hut - aus gutem Grund: Er ist der Spitzel, was gleich zu Filmbeginn verraten wird.

Autor und Regisseur Lars Becker (66, «Nachtschicht») arbeitet gern mit Armin Rohde zusammen und setzt ihn hier als desillusionierten Cop in ein anderes Licht - mit deutlich weniger Selbstbewusstsein und mehr Unsicherheit im Auftreten. Seine Ermittlerfigur ist Witwer und Alkoholiker, trocken zwar, aber stets mit einem kleinen Fläschchen in der Schublade und Angst vor einem Rückfall - weshalb er in eine Selbsthilfegruppe geht. Seinen guten Riecher als Polizist hat er aber behalten, was von seinem Kollegen Milan nicht behauptet werden kann - er hatte eine Beziehung zu Dakota und bekommt seine Gefühle einfach nicht in den Griff. Was zum dramatischen Schluss hin für ihn zu einer klaren Entscheidung führt.

In dem Krimi wird viel geschossen und geflucht, meist in sehr rüdem Ton. Da fallen Sätze wie «Fick Dich, Du Wichser». Geschichte und Dramaturgie lassen etwas zu wünschen übrig. Doch bei näherem Hinsehen geht es um Moral, Vertrauen, Verantwortung, Verrat - und dabei stets um das Gesetz. Oder vielmehr darum, wie es ausgelegt wird. Zu sehen ist auch, welche Konsequenzen das eigene Verhalten hat, egal ob als Polizist oder Verbrecher - bis zum bitteren Ende.

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