Ralf Schmitz im Interview
„Es kommt raus, was drin ist“

Münster -

Ralf Schmitz ist mehr als nur ein typischer Comedian. Er improvisiert auf der Bühne, wie kaum ein anderer in seinem Business. Dazu ist er Moderator, Synchronsprecher und gelernter Schauspieler. Ende Mai tritt er mit seinem Solo-Programm „Schmitzeljagd“ in der Halle Münsterland auf. 

Samstag, 04.04.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 18:03 Uhr
Ralf Schmitz ist ein Multitalent. Auf der Bühne eilt der Comedy-Star von Sketch zu Sketch und von Pointe zu Pointe.
Ralf Schmitz ist ein Multitalent. Auf der Bühne eilt der Comedy-Star von Sketch zu Sketch und von Pointe zu Pointe. Foto: Robert Recker

Ihr neues Programm „Schmitzefrei“ folgt direkt auf „Schmitzeljagd“. Wo ist denn der Unterschied zwischen den beiden?

Ralf Schmitz: Der Unterschied ist ganz offensichtlich: Das eine — das Wortspiel lässt es erahnen — ist tatsächlich eine Schnitzeljagd. Wir jagen von Hinweis zu Hinweis und am Schluss gibt es eine Überraschung, die ich jetzt natürlich nicht verrate (lacht). Bei „Schmitzefrei“ geht es um diese unverhofft freie Zeit, aber auch um meine Urlaubserlebnisse und die vorherige Suche nach einem Catsitter. Doch eines haben beide Programme gemein:Es gibt ganz viel Impro. Das heißt, es gibt für mich Situationen, in denen die Leute mir auf der Bühne Dinge zurufen und ich nicht weiß, was mich erwartet.

Sie sind mit 30 oder 40 Terminen auf „Schmitzeljagd“, dann gibt es noch 60 für „Schmitzefrei“. Wann sind Sie denn mal zuhause und wann haben Sie Zeit, Ihre Programme zu konzipieren?

Schmitz: Wenn ein Programm erst einmal richtig läuft, also ungefähr nach den ersten 30 Vorstellungen, setzen bereits Ideen für ein neues Programm ein. Ich weiß gar nicht, ob mein Gehirn das mittlerweile automatisch macht, es fühlt sich aber so an (lacht). Zunächst mache ich mir Skizzen und im Laufe der anderthalb bis zwei Jahre, die ich ein Programm spiele, fange ich zwischendurch im Hotelzimmer an, das Ganze auszuformulieren. Oder ich teste es auf der Bühne aus. So baut sich das sukzessive zusammen. Und in den letzten Monaten vor dem neuen Programm, wird es zusammen mit einem Regisseur ausgearbeitet. Da fliegen ganz viele Sachen raus, die nicht so stark sind. Das passiert alles relativ organisch.

Aber Impro können Sie ja nicht wirklich vorbereiten, oder?

Schmitz: Das stimmt. Da überlege ich mir aber, in welche Richtung es gehen soll, damit ich immer neu gefordert werde und nicht in Routinen verfalle. Beispielsweise werfen mir jetzt Zuschauerinnen und Zuschauer Geräusche in die Szenen, an denen ich dann entlang weiterspiele- und entwickle, verändere. Das macht wahnsinnigen Spaß. Oder im Moment lassen wir in der Pause Fragen auf Zettel schreiben. Und während ich auf der Bühne spiele, ziehe ich die spontan aus einem Hut und muss sie in die Szene integrieren.

Ich bewundere ja diese spontane Schlagfertigkeit. Kann man die eigentlich trainieren?

Schmitz: In bestimmten Grenzen vielleicht. Ich musste das Gott sei Dank nie wirklich, das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben. Das liegt mir einfach. Wenn man erstmal denkt „Oh Gott, hoffentlich fällt mir gleich etwas ein“, dann ist es schon zu spät und die Energie falsch investiert (lacht). Aber wenn man erst einmal abwartet, was kommt, dann kann man es hinterher Zack-Puff-Peng einfach rauslassen. Das ist eine der Grundregeln beim Improvisieren — also nicht das Zack-Puff-Peng (lacht) —, sondern, dass man die Angst verliert. Wenn dann noch ein bisschen Talent und ein Gespür fürs Timing dazukommt, dann läuft es wie von allein.

Gibt es Momente, in denen Sie sagen: „Habe ich das gerade wirklich gesagt“? Oder schlimmer noch: „Mein Gott, das hätte ich jetzt besser nicht gesagt“?

Schmitz: Wenn mir das passiert, sage ich das unmittelbar sogar noch auf der Bühne. Man muss dazu stehen und es direkt geradebiegen. Bei der Improvisation ist es so: Es kommt raus, was drin ist. Es gibt keinen Filter mehr. Ich muss gleichzeitig die Szenen spielen, wissen, worauf ich hinauswill, dabei lustig sein und Pointen erfinden, die verschiedenen Rollen im Kopf haben und miteinander sprechen lassen: Das alles mache ich ja allein auf der Bühne. Da kann ich nicht auch noch filtern, ob mir vielleicht gerade versehentlich etwas Unangemessenes rausrutscht (lacht). Wenn doch, dann stehe ich dafür auch gerade.

Haben Sie sich denn schon mal entschuldigen müssen?

Schmitz: Nein. Zum Glück. Aber wer weiß, das kann immer mal passieren, ist es aber bisher noch nicht.

Schauen Sie klassische amerikanische Stand-up-Comedy?

Schmitz: Ja, aber wahrscheinlich weit weniger als manche meiner Stand-up-Kollegen. Vermutlich, weil ich eher in der Impro-Ecke stehe und meine Vorbilder Jerry Lewis, Louis de Funes und Konsorten sind. Die haben mich geprägt. Tatsächlich habe ich im aktuellen Programm aber einen Stand-up drin.

Worum geht es da?

Schmitz: Es geht um Mann und Frau, was bei mir gar nicht mal so oft vorkommt. Ich hatte aber tatsächlich mal eine Ex-Freundin, die im Bett vor dem Fernseher — wir hatten im Schlafzimmer wirklich einen — immer sofort eingeschlafen ist. Wenn ich das erwähne, rasten viele Männer schon aus, weil sie das von ihren Frauen kennen (lacht). Es ist aber eine wahre Geschichte. Ich habe versucht, an die Fernbedienung zu kommen, um umzuschalten, will sie dabei aber nicht aufwecken. Ich habe alles versucht, sogar mit M&Ms auf die Fernbedienung zu zielen.

Sie haben ja auch Schauspiel studiert und sind auch Synchronsprecher. Kann man Synchronsprecher werden, ohne Schauspieler zu sein?

Schmitz: Ich glaube schon, aber wenige vielleicht. Man müsste schon ein extremes Naturtalent sein. Aber das gibt es bestimmt. Menschen, die das richtige Gespür dafür haben, worauf es ankommt, die das vielleicht gar nicht technisch sehen, sondern aus dem Bauch heraus das Richtige machen. Ein bisschen Handwerkszeug indes kann natürlich nicht schaden, damit man im Zweifel länger durchhält und die Stimme schonen kann. Beispielsweise setzt man die Endpunkte deutlicher, damit ein Wort auf Anhieb besser zu verstehen ist. So etwas muss in Fleisch und Blut übergehen, sonst klingt es schnell künstlich. Eine Ausbildung gibt einem das Rüstzeug, das die Arbeit erleichtert. Aber ich möchte niemandem sein Talent absprechen.

Zusätzlich moderieren Sie auch noch Fernsehshows. Von all dem, was Sie machen, was gefällt Ihnen am besten? Oder was würden Sie am ehesten weglassen?

Schmitz: Oh,kill your darlingsist immer ganz ganz schwer. Die andere Frage kann ich besser beantworten. Tatsächlich sind es alles Facetten, die mir großen Spaß machen. Und sie haben einen unglaublichen Vorteil, weil man aus einem bestimmten Bereich raus und in einen anderen hineingeht, und das wiederum schärft den Blick auf das Alte. Man beschäftigt sich eben nicht nur 365 Tage im Jahr mit einer Sache und läuft nicht Gefahr, in Routine zu verfallen. Sich in etwas Neues einarbeiten zu müssen, hält frisch und wach. Deshalb fällt es mir auch schwer zu beantworten, was mir am meisten Spaß macht, weil ich das, was ich mache, immer mit Haut und Haaren tue. Mit Leidenschaft. Ich liebe das wirklich sehr.

Diese Begeisterung vermitteln Sie sogar über den Fernsehbildschirm.

Schmitz: Gott sei Dank. Das freut mich. Eigentlich komme ich vom Theater. Und für die Bühne schlägt mein Herz auch am lautesten, das gebe ich zu. Das Interagieren, das Direkte, das Spontane: So ein Abend gehört nur dem Publikum und mir. Da fühle ich mich sehr zuhause.

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Fällt Ihnen noch ein megapeinlicher Moment in Ihrer Dating-Show „Take me out“ ein?

Schmitz: (lacht laut) Fällt mir noch ein megapeinlicher Moment ein? Ja. Fällt mir. Nicht für mich, da müsste ich jetzt kokettieren, aber für einen Kandidaten. Folgendes hatte sich abgespielt: Die Jungs können in der Show eine Aktion vorbereiten. Und ein junger Mann hat das auch getan. Er war etwas eigensinnig und von sich selbst überzeugt, um es mal vorsichtig zu formulieren. Er hatte einen Blues-Brothers-Ausschnitt vorbereitet, den er singen und tanzen wollte. Nach seiner Probe habe ich ihm dann geraten, es besser sein zu lassen, wir hätten ja auch noch einen weiteren Einspielfilm von ihm in petto gehabt. Es geht bei uns gar nicht darum, etwas professionell zu können. Es kann lustig sein, charmant, man kann sich auch mal vertun. Darum geht es nicht. Aber er konnte es gar nicht. Da saß kein Wort, kein Schritt. Argh. Und dafür hat er dann die Quittung bekommen. Ein bisschen zum Fremdschämen, aber es war vor allem peinlich für ihn. Und das hätte ich ihm gerne erspart.

Live

Ralf Schmitz: Schmitzeljagd. Donnerstag, 28. Mai, Halle Münsterland. Ab 20 Uhr. Hier gibt es Tickets .

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