Tatort: Die Nacht gehört dir (ARD)
Spannende Figuren

Am vergangenen Sonntag lief ein „Tatort“ aus dem Schwarzwald, der viele Zuschauer vorzeitig zur Fernbedienung greifen ließ: Sie schalteten aus. Max Färberböcks Franken-Krimi an diesem Wochenende hingegen hat ungewöhnliche Qualitäten.

Montag, 02.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 07:14 Uhr
Tatort: Die Nacht gehört dir (ARD): Spannende Figuren
Foto: BR/Hager Moss Film GmbH/Henrik Heiden

Nach einem Drittel der Sendezeit schien der Fall gelöst, die verdächtige Kollegin der Erstochenen war geständig – aber für die Ermittler entstanden im Verhör mehr Fragen zum Ablauf als Antworten zu Tat und Motiv. Autor und Regisseur Max Färberböck zeigte in beklemmend ruhigen Szenen wie dieser, welche Abgründe im scheinbar normalen menschlichen Alltagsleben lauern – was den von Fabian Hinrichs gespielten Kommissar später zu einem Frust-Ausbruch führte: „Man will es einfach nicht mehr wissen!“

Sehr schön auch, wie Färberböck zwar die gebannten Blicke der versammelten Polizisten vor dem Dating-Video des späteren Mordopfers zeigte, das Thema jedoch von jeglichem Voyeurismus frei hielt und eine ganz schlichte Beziehungstat hinter den Oberflächen versteckte. Die guten Dialoge und der subtile Musik-Einsatz mit dem zentralen Stück von Arvo Pärt trugen erheblich zu einem atmosphärisch dichten, handwerklich fabelhaften Krimi bei, der seine Spannung vor allem aus der Frage bezog, was die Hauptfiguren wohl als nächstes tun würden. Welch guter Kontrast zum diffusen Lärm der vergangenen Woche!

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