Gewandhaus Leipzig ehrt den Komponisten Miecyslaw Weinberg zum 100. Geburtstag
„Dieser Mann war viele Jahre unterschätzt“

Leipzig -

Miecyslaw Weinbergs 100. Geburtstag ist für das Leipziger Gewandhaus aktuell Anlass und Verpflichtung zugleich, dem in unserem Musikleben immer noch unterbelichteten Komponisten einen Schwerpunkt zu widmen. Vielschichtig war gewiss der Auftakt des Weinberg-Zyklus beim Gewandhaus. Gespannt darf man der Fortsetzung dieses Projektes in nächster Zeit entgegensehen, das sich dann den Sinfonien des Komponisten zuwenden wird.

Mittwoch, 26.02.2020, 18:02 Uhr
Das Gewandhaus in Leipzig ehrt den Komponisten Mieczyslaw Weinberg
Das Gewandhaus in Leipzig ehrt den Komponisten Mieczyslaw Weinberg Foto: SWR

„Dieser Mann war viele Jahre komplett unterschätzt, fast vergessen; ich selbst lebte mit dem Vorurteil, dass er nur ein zweitrangiger Schostakowitsch gewesen sei... Er hatte eine absolut eigenständige Stimme.“ Worte des renommierten Geigers Gidon Kremer über Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), den bedeutenden polnisch-jüdischen Komponisten. Worte, die diesem großen Unbekannten der jüngeren Musikgeschichte Gerechtigkeit zuteil werden lassen. Weinbergs 100. Geburtstag im Dezember 2019 – für das Leipziger Gewandhaus aktuell Anlass und Verpflichtung zugleich, dem in unserem Musikleben immer noch unterbelichteten Komponisten einen Schwerpunkt zu widmen.

Mieczyslaw Weinberg, dem in Warschau geborenen Tonschöpfer, war gewiss ein leidvolles Lebensschicksal beschieden. Der Überfall der deutschen Faschisten auf Polen 1939 riss ihn aus seinen musikalischen Studien und zwang ihn zur Flucht, während seine Angehörigen in nazistischen Vernichtungslagern umkamen. Zunächst gelangte er nach Minsk, wo er seine Studien fortsetzen konnte, später nach Taschkent. Ein Glücksfall, dass Schostakowitsch, beeindruckt von Weinbergs 1. Sinfonie, seinem jüngeren Kollegen 1943 die Übersiedlung nach Moskau ermöglichte, wo dieser bis zu seinem Tod 1996 lebte.

Äußerst vielgestaltig ist Weinbergs Oeuvre, das mehr als 150 Werke umfasst. Allein acht Opern und Operetten sowie 22 Sinfonien, mehrere Instrumentalkonzerte und ein vielfältiges Kammermusikschaffen sind da zu entdecken. Seine bedeutende Oper „Die Passagierin“ war es, die das Interesse auf Weinbergs Schaffen lenkte. Verschiedene Ensembles erinnerten jetzt im großen Weinberg-Schwerpunkt des Gewandhauses an des Komponisten kammermusikalisches Schaffen. Und der renommierte Trompeter Hakan Hardenberger eröffnete gemeinsam mit dem von Andris Nelsons geleiteten Gewandhausorchester eine Folge von Weinbergs Instrumentalkonzerten. Eine Sternstunde der Weinberg-Konzerte markierte zweifellos der von Daniele Gatti geleitete Abend, an dem der Weinberg-Protagonist Gidon Kremer sich für des Jubilars Violinkonzert g-Moll op. 67 engagierte. Ein Höhepunkt war auch das Konzert mit Cristian Macelaru am Pult, der für Weinbergs Cellokonzert c-Moll op. 43 die renommierte argentinische Solistin Sol Gabetta zur Seite hatte. Berührend, mit welcher Intensität sie den melancholisch-versunkenen Tonfall des Werkes ausleuchtete. Facettenreich war das Programm des Kammerorchesters Kremerata Baltica, einem Ensemble von Nachwuchsmusikern. Kremer hat da zusammen mit anderen Kunstschaffenden anhand von Episoden aus dem Leben Weinbergs ein Sujet über verfolgte Künstler entwickelt. Wobei die Video-Inhalte des Konzertfilms sich als stille Visualisierungen der Musik Weinbergs (Auszüge aus Sinfonien, aus Kammer- und Filmmusiken sowie den jüdischen Liedern) zeigten.

Vielschichtig war gewiss der Auftakt des Weinberg-Zyklus beim Gewandhaus. Gespannt darf man der Fortsetzung dieses Projektes in nächster Zeit entgegensehen, das sich dann den Sinfonien des Komponisten zuwenden wird.

 

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