Barbara Wussows Ausflug in die Wiener Kaffeehaus-Kultur
Äußerst belebender Trank

Münster. -

Selten hat man das Theater Münster so beschwingt, aber auch mit so viel Kaffeedurst und Sehnsucht nach Wien verlassen wie am Samstagabend. Da nämlich gastierte die Schauspielerin Barbara Wussow (58) auf Einladung von Weverinck-Management im Kleinen Haus. Sie lieferte einen ebenso geistreichen wie schmackhaften Einblick in die Kaffeehausgeschichte(n) ihrer Heimatstadt. Und herzlich und charmant ist Barbara Wussow sowieso. Das Publikum zeigte sich äußerst angetan von diesem bekannten Gast in Münster.

Sonntag, 23.02.2020, 16:54 Uhr
Barbara Wussow war auf Einladung von Weverinck-Management in Münster und wusste ihr Publikum mit feiner Lesung und natürlichem Charme zu fesseln.
Barbara Wussow war auf Einladung von Weverinck-Management in Münster und wusste ihr Publikum mit feiner Lesung und natürlichem Charme zu fesseln. Foto: Johannes Loy

Selten hat man das Theater Münster so beschwingt, aber auch mit so viel Kaffeedurst und Sehnsucht nach Wien verlassen wie am Samstagabend. Da nämlich gastierte die Schauspielerin Barbara Wussow (58) auf Einladung von Weverinck-Management im Kleinen Haus und lieferte einen ebenso geistreichen wie schmackhaften Einblick in die Kaffeehausgeschichte(n) ihrer Heimatstadt.

Während Münster wohl auch wegen innerstädtischer Wuchermieten kaum noch echte Café-Kultur bietet, hält die Donaumetropole traditionell daran fest. So fanden sich die 380 Gäste im ausverkauften Kleinen Haus flugs im Wiener Café Central (seit 1876!) wieder, das als Projektion den Hintergrund zur Lesung bildete. Dazu erklang zum Auftakt „Wiener Blut“ als passende Hintergrundmusik.

Ein Füllhorn an Geschichten und Aphorismen sowie eine illustre Reihe an Denkern und Dichtern tischte Barbara Wussow auf. Das tat sie so geschickt, freundlich und gestenreich, dass man die charmante und fröhliche Dame aus Wien sogleich ins Herz schloss. Eine imposante Erscheinung mit hoher Sprechkultur, diese Barbara Wussow! Und sie machte sich in der Pause mit einem hübschen Abendkleid noch einmal extra fein für ihre Zuhörerinnen und Zuhörer. Alfred Polgar, der legendäre Wiener Schriftsteller und Aphoristiker (1873-1955), kam eingangs und im Verlauf des Abends häufiger zu Wort. „Im Kaffeehaus sitzen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen“, bemerkte er einst pointiert. Und während Stefan Zweig (1881-1942) dereinst das Kaffeehaus pries, da es allein schon dadurch zur Bildung beitrage, dass die Menschen bei einer Schale Kaffee so einiges an Zeitungen konsumierten, lästerte die Wiener Literaturzeitung schon im Mai 1892, dass das Kaffeehaus den „Untergang des Wiener Kulturlebens“ bedeute. Weil die Leute nur hektisch in den Zeitungen blätterten und die „Nerven überreizt“ seien. Barbara Wussow schlüsselte den immer wieder erheiterten Gästen die Rezeptbreite des koffeinhaltigen Tranks auf, der bis heute immer neu belebende Wirkung entfaltet. Vom „Schwarzen Mokka“ über den „Großen Braunen“ bis zum „Kapuziner“ und zum „Pharisäer“ mit weiteren Varianten, in denen sich Hochprozentiges wie Rum oder Cognac befindet. „Man sieht ihn nicht, man spürt ihn nur“, lachte Wussow.

Im zweiten Teil des Abends ging es dann nach Berlin, wo Wussow mit Erich Kästner (1899-1974) Station im Romanischen Kaffee und in der Weinstube „Schwannecke“ machte. Im ersten saßen zu Kästners Zeiten die „Talente“ – manchmal zehn Jahr und noch länger –, im anderen die bereits arrivierten Künstler. Wussows Sätze saßen bis zum Schluss. Zum Beispiel dieser: „Ich trinke meinen Kaffee schwarz. Hoffentlich bekomme ich keine Probleme mit dem Finanzamt!“

 

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