Neue Rolle in der ZDF-Literatursendung
Thea Dorn ist jetzt Solistin im "Literarischen Quartett"

Münster -

Drei Stammspieler, ein Gast: So war es in Marcel Reich-Ranickis Ära beim Literarischen Quartett, so funktionierte es auch bis zum Abschied von Volker Weidermann und Christine Westermann. Thea Dorn aber bleibt dabei – und wird künftig die einzige Gastgeberin sein.

Sonntag, 16.02.2020, 14:32 Uhr aktualisiert: 16.02.2020, 15:42 Uhr
Thea Dorn leitet ab März das neue Quartett.
Thea Dorn leitet ab März das neue Quartett. Foto: ZDF/ Svea Pietschmann

Nein, sie muss nicht für vier reden: Thea Dorn, die am 6. März als alleinige Gastgeberin des „Literarischen Quartetts“ Premiere feiert, wird natürlich, wie der Titel es schon sagt, von drei Diskussionspartnern umgeben sein. Obwohl man davon ausgehen darf: Sie könnte und würde die Sendung wohl auch als Solistin bestreiten – so wie es einst deren Ur-Gastgeber Marcel Reich-Ranicki tat, nachdem das Quartett 2001 eingestellt worden war. Auch Elke Heidenreich erprobte später ein solches Solo-Format mit dem unangenehm befehlsförmigen Titel „Lesen!“.

Die Frau, die ihren Künstlernamen beim legendären Philosophen Theodor W. Adorno entlehnt hat, ist so belesen wie eloquent, kann selbst auf mehrere eigene Romane verweisen, die nichts für zarte Gemüter sind, und hat den eigentlichen Reich-Ranicki-Nachfolger Volker Weidermann in den letzten Sendungen oftmals blass aussehen lassen – von ihren Sticheleien gegen Mitstreiterin Christine Westermann ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass sie als heimliche Primadonna des Quartetts etwas pikiert wirkte, als ein gewisser Philipp Tingler ihr ironisch-schnippisch den Rang streitig machte.

Reich-Ranicki und seine Nachfolger in Literatursendungen

1/8
  • Ur-Gastgeber der Sendung „Das Literarische Quartett“: Marcel Reich-Ranicki.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Autorin Thea Dorn feiert am 6. März als alleinige Gastgeberin des „Literarischen Quartetts“ Premiere.

    Foto: Henning Kaiser
  • Matthias Brandt, Christine Westermann, Volker Weidermann, Thea Dorn in der Sendung vom 06.12.2019.

    Foto: Svea Pietschmann
  • Eigentlicher Nachfolger von Reich-Ranicki: Volker Weidermann.

    Foto: Jule Roehr/ZDF/dpa
  • Weidermanns Quartett-Mitstreiterin Christine Westermann.

    Foto: FS
  • Auch Elke Heidenreich erprobte sich bereits an einem Solo-Format mit der Sendung "Lesen!“.

    Foto: Arno Burgi/dpa
  • Literaturkritiker Denis Scheck ließ sich im „Lesenswert“-Quartett des SWR bescheinigen, bessere Gags als ZDF-Konkurrent Weidermann zu haben.

    Foto: Henning Kaiser/dpa/lnw
  • Thomas Gottschalk gönnte sich auch eine Literatursendung und war auch selbst mal beim „Literarischen Quartett“ zu Gast.

    Foto: Volker Hartmann/dpa/lnw

Ob der in Zukunft noch mal eingeladen wird, wenn Thea Dorn alleinige Chefin im Ring ist? Doch gemach: Von einem Ring à la Reich-Ranicki, den einst Sigrid Löffler beleidigt verließ, soll ja nicht mehr die Rede sein, sondern von einem „literarischen Salon“, wie es das ZDF so romantisch-fein ankündigte. Kleine Zweifel dürfen da angebracht sein: So gediegen das Ambiente im Berliner Ensemble auch wirken mag, aus dem die Sendung ausgestrahlt wird, so wenig zugeneigt dürfte die Autorin des Thrillers „Die Hirnkönigin“ einem plüschig-freundlichen Büchergeplauder sein.

Kuriose Fußnote des Fernseh-Literaturbetriebs

Das Modell einer literarischen Quartett-Runde, zu der eine Gastgeberin wechselnde Gesprächspartner empfängt, gibt es übrigens schon in der Schweiz: Dort wird unter der behutsamen, bisweilen selbst­ironischen Leitung von Nicola Steiner mitunter beherzt debattiert. Was nicht überrascht, gehören doch zum Kritikerpool so bekannte und meinungsfreudige Teilnehmer wie Elke Heidenreich und Philipp Tingler. Ein schöner Bestandteil dieser Sendung, die regelmäßig auf 3sat wiederholt wird, ist die Präsentation von Zitaten der besprochenen Bücher durch einen Schauspieler von Rang.

Nicht unerwähnt bleiben darf eine Sendung, deren Primus sich gern als der wahre Literatur-Quartettspieler gibt: Im „Lesenswert“-Quartett des SWR-Fernsehens ließ sich Denis Scheck vor einigen Monaten nur zu gern bescheinigen, das schönere Ambiente und die besseren Gags zu haben als ZDF-Konkurrent Volker Weidermann, bei dem er gleichwohl einmal gastierte. Ebenso wie Thomas Gottschalk, der sich ja anschließend selbst eine Literatursendung gönnte. Aber die wird, zumal sie kein Quartett war, doch eher als kuriose Fußnote des Fernseh-Literaturbetriebs in Erinnerung bleiben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7264939?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819391%2F819397%2F
Nachrichten-Ticker