„Bombshell“
Bissiges Mediendrama

Drei Medienfrauen und ein mächtiger Mann, der keine Skrupel kennt: Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie in einem starken Film gegen sexuelle Belästigung.

Donnerstag, 13.02.2020, 16:33 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 17:11 Uhr
Sie schlägt zurück: Megyn Kelly (Charlize Theron) geht entschlossen gegen ihren Boss Roger Ailes (John Lithgow) vor.
Sie schlägt zurück: Megyn Kelly (Charlize Theron) geht entschlossen gegen ihren Boss Roger Ailes (John Lithgow) vor. Foto: epd

Verzwickte Ironie wenn nicht gar offener Zynismus lag bei der Oscar-Verleihung am Sonntag in der Vergabe des Preises für die Besten Frisuren und das Beste Make-Up an die Mediensatire „Bomb­shell“. Damit wurde auf den Dresscode angespielt, mit dem Frauen in Chefetagen in engen Kleidern für den sexistischen Blick parat stehen oder in eleganter Kleidung als bewusste Karrieredamen glänzen müssen.

Exemplarisch wird das in einer Filmszene gezeigt, in der Journalistin Kayla Pospisil (Margot Robbie) vor Senderchef Roger Ailes (John Lithgow) buchstäblich vortanzt und dann den Rock heben muss. Ein klarer Fall für die #MeToo-Bewegung, die hinter dem Projekt stand, das mit geballter Star-Power gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und die in den USA sogenannte Rape Culture vorgeht.

Aktuelles Politgeschehen

Realer Bezugspunkt des Mediendramas über den ersten Meilenstein der Bewegung ist der Skandal um den mächtigen Medienmanager Roger Aisles, Chef von Donald Trumps Lieblingssender Fox News, der 2016 zu Fall gebracht wurde. Regisseur Jay Roach („Trumbo“) rekonstruiert die Affäre mit einmontierten Zeugenaussagen, Nachrichten und Info-Zeilen.

Bewertung

„Bombshell“: Mediendrama mit Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie (110 Minuten)

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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Wie stets bei derartigen Re-Enactments aktuellen Politgeschehens wird Wert auf die Echtheit der Darstellung gelegt. Also legt sich Fox-News-Star-Moderatorin Megyn Kelly, von Charlize Theron in eisiger Kälte mit Verachtung im Blick gespielt, vor laufenden Kameras mit dem damaligen Präsidentschaftskandidat Trump an. Vom Chef hat sie keine Rückendeckung, Trump entfesselt eine Twitter-Kampagne gegen sie. Megyns entlassene Kollegin Gretchen Carlson (Nicole Kidman im flammenden Zorn) klagt derweil gegen Ex-Boss Ailes wegen sexueller Belästigung.

Gut gespielte Kämpferinnen

Das läuft bissig und im Tempo rasender Reporter ab, ist gut gespielt, hat aber dann doch einen kleinen Schönheitsfehler. Keine der drei Kämpferinnen hat irgendeinen sympathischen Zug, sie stehen für Thesen und nicht für Lebewesen. Ein fataler Dramaturgiecode.

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