Alles unter einem Dach
Universalmuseum in Darmstadt feiert 200. Geburtstag

Rembrandt, Beuys, ein Urpferd und das Mastodon: Das Hessische Landesmuseum ist ein Universalmuseum alter Schule. Die Sammlung umfasst Kunst, Technik, Paläontologie, zoologische Präparate und noch mehr. In diesem Jahr wird es 200 Jahre alt.

Mittwoch, 22.01.2020, 05:11 Uhr
Ein Bodenbild des Meeresgottes Oceanus ist im Hessischen Landesmuseum zu sehen.
Ein Bodenbild des Meeresgottes Oceanus ist im Hessischen Landesmuseum zu sehen. Foto: Andreas Arnold

Darmstadt (dpa) - Tote Tiere, Apparate, alte Meister und zeitgenössische Kunst: Von Millionen Jahre alten, versteinerten Skeletten längst ausgestorbener Arten bis zu Installationen von Joseph Beuys vereint das Hessische Landesmuseum in Darmstadt alles unter einem Dach.

«Es gibt viele Einrichtungen, die eine große Bandbreite haben, aber Darmstadt sticht schon hervor», sagt die Geschäftsführerin des Hessischen Museumsverbandes, Christina Reisch. Das Universalmuseum zählt zu den ältesten Deutschlands und feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag.

«In dem Zuschnitt, in dem wir es hier haben, sind wir einzigartig in Deutschland», ist sich der Direktor des Museums, Martin Faass, sicher. Ähnliche Einrichtungen gebe es in Europa nur noch im österreichischen Graz und im schottischen Edinburgh. «Das Universalmuseum ist die Urform des Museums überhaupt.»

Der Großherzog von Hessen und bei Rhein, Ludewig I. (1753-1830), erwarb ebenso wie seine Vorfahren für die fürstliche Sammlung schon vor 1820 Glasgemälde, Kupferstiche, Werke von Dürer und Rembrandt, Elfenbeinschnitzereien, Mineralien und Fossilien. 1820 gab er dann die gesamte Sammlung in Form einer Stiftung an den Staat und machte sie damit auch der Öffentlichkeit zugänglich, zum «Nutzen und der Belehrung» der Bevölkerung. Anfangs noch im Schloss zur Schau gestellt ist die immense Sammlung seit 1906 bis heute im Prunkbau des gebürtigen Darmstädter Architekten des Pergamonmuseums, Alfred Messel, untergebracht.

«In der Zeit der Aufklärung war die Idee eines Museums eine universale», sagt Faass. Alles, was die Welt und ihre Geschichte ausmachte, sollte in einem Haus zusammengetragen werden. Damals sei dies auch noch möglich gewesen. «Mit der Revolution des Wissens im 19. Jahrhundert gab es dann den Trend zu spezialisierten Museen.»

Eines der zentralen Ausstellungsthemen ist der Aktions- und Installationskünstler Joseph Beuys. «Der Block Beuys ist eine Sensation. Das ist das größte Konvolut von Beuys' Arbeiten weltweit», erläutert Faass. 290 Objekte des Künstlers (1921-1986) in sieben Räumen zählt das Museum. Mit «Kraftwerk Block Beuys» startet das Haus am 14. Februar auch sein Jubiläumsprogramm.

Ein Darmstädter Sammler kaufte die ersten beiden Ausstellungen von Beuys und bot dann in Zusammenarbeit mit dem Museum an, diese in den sieben Räumen zu arrangieren. Im April 1970 fing der Künstler an und veränderte dann immer wieder mal bis zu seinem Tod 1986 die Zusammenstellung. Er nahm Objekte raus und arrangierte andere hinzu. «Beuys hat den ganzen Block als Kraftwerk beschrieben, als Installation, von der aus er immer Kraft bezogen hat», erläutert Faass.

Vor dem Hintergrund von Beuys' Rauminstallationen wird Ende Juni der Performancekünstler Tomás Saraceno eine spinnennetzartige Installation im Barocksaal des Museum entwerfen. «Wir knüpfen an Beuys an, setzen aber Beuys in den Dialog zu zeitgenössischen Positionen», erläutert Faass. Auf den argentinischen Künstler Saraceno sollen in den kommenden Jahren weitere folgen. Aber auch die umfassende grafische Rembrandt-Sammlung wird gezeigt und der spektakuläre Fund eines Urpferdes in der Grube Messel neu präsentiert.

Rund 80.000 Menschen besuchen das Landesmuseum in Darmstadt jährlich. Rund eine Million Objekte vom winzigen Mineral bis hin zu massigen Skeletten umfasst die Sammlung. Die Lagerung ist denn nach Angaben von Faass auch nicht einfach. «Ein großes Problem des Hauses ist es, dass es an Platz fehlt.» Und die Sammlung wird ständig größer.

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