„Lindenberg! Mach dein Ding!“
Wilde Jahre des Deutschrockers

Ist Udo Lindenberg ein „Denkmal seiner selbst“? Nicht im faszinierenden Film von Hermine Huntgeburth, denn darin geht es um seine Wege zum Erfolg.

Donnerstag, 16.01.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 16:09 Uhr
Zur Carnegie Hall schaffen sie es nicht, aber Hamburg ist ja auch was wert! Jan Bülow (M.) als Udo Lindenberg und Max von der Groeben (r.) als Steffi Stephan machen ihr Ding.
Zur Carnegie Hall schaffen sie es nicht, aber Hamburg ist ja auch was wert! Jan Bülow (M.) als Udo Lindenberg und Max von der Groeben (r.) als Steffi Stephan machen ihr Ding. Foto: Gordon Timpen/DCM/dpa

Von Richard von Weizsäcker wurde er als „vollkommen einzigartige unverwechselbare Ausnahmeerscheinung“ charakterisiert: Deutschrocker Udo Lindenberg ist als lebende Legende und zeitweiliger Berufsjugendlicher mit den „Tausi“-Scheinen von der Rezeption des Hotels Atlantic in Hamburg, wo er seine Suite „Hippie-Bude“ nennt, ein Denkmal seiner selbst.

Das war nicht immer so. Im Teil-Biopic „Lindenberg! Mach Dein Ding“ von Hermine Huntgeburth („Effi Briest“) geht es nicht um Verehrung, sondern um die wilden Jahre des Deutschrockers bis zum Durchbruch 1973 mit dem Album „Alles klar auf der Andrea Doria“.

Diese Zeit ist heute fast ferner als der Mond, und so war es clever, Udos unbedingten Freiheitsdrang und seinen Willen, Rock mit deutschen Texten zu singen, Erneuerung zu bringen und anders als die „singenden Gartenzwerge“ zu rocken, mit der Kindheit in der stickigen und spießigen Provinzwelt jener Jahre zu koppeln.

Lindenberg! Mach dein Ding

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  • Lindenberg auf der Leinwand: Die frühen Jahre in der Karriere des Gronauers sind Stoff für den Film "Lindenberg! Mach dein Ding" (Start: 16. Januar 2020).

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  • Ein Handschlag, der deutsche Rockmusik-Geschichte geschrieben hat: Udo Lindenberg (Jan Bülow), ein junger Trommler aus Gronau, und Steffi Stephan Max von der Groeben), ein Bandleader aus Münster, lernen sich kennen.

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  • Später gründen sie das inzwischen legendäre Panik­orchester – mehr ist dazu wohl nicht zu sagen.

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  • Udos Trommel-Leidenschaft wird schon sehr früh sichtbar - im Film dargestellt durch Jesse Hansen.

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  • Udos Vater Gustav Lindenberg (Charly Hübner) macht es seinem Sohnemann nicht leicht - hier steht der kleine Udo (Jesse Hansen) auf einem Kneipentresen und muss Gedichte aufsagen.

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  • Apropos Kneipentresen . . .

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  • Die wahre und traurige Geschichte um das "Mädchen aus Ost-Berlin", die später Stoff für das gleichnamige Lied und das Musical "Hinterm Horizont" liefern sollte, taucht auch im film auf. Hier heißt sie Petra (Saskia Rosendahl).

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  • Udo (Jan Bülow) im Büro von Talentsucher
    Mattheisen (Detlev Buck).

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  • Udo Lindenberg (Jan Bülow) und Talentsucher
    Mattheisen (Detlev Buck).

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  • Erste Proben: Udo Lindenberg (Jan Bülow) mit Bassist Steffi Stephan (Max von der Groeben).

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  • Udo (Jan Bülow) mit seiner Freundin Petra (Saskia Rosendahl) in Ostberlin

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  • Junger Udo (Claude Heinrich) spielt Schlagzeug

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  • Ja, so sah er früher wirklich aus: Steffi Stephan (Max von der Groeben) am Bass.

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  • Udo (Jan Bülow) mit Paula (Ruby O. Fee) nach Schlägerei

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  • Udo (Jan Bülow) mit seiner Jugendliebe Susanne (Ella Rumpf)

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  • Udo (Jan Bülow) performt "Andrea Doria"

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  • Udos Mutter Hermine (Julia Jentsch) an Udos Bett

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  • Mattheisen (Detlev Buck) im Tonstudio mit Abspielgerät

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  • Paula (Ruby O. Fee) sitzt am Tresen

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  • Jan Bülow als Udo Lindenberg

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  • Udo (Jan Bülow) alleine auf der Bühne bei einem frühen Engagement in Libyen

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  • Udo (Jan Bülow) mit Susanne (Ella Rumpf)

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Sensationell: Theaterstar Jan Bülow

Da will Udo raus, nix wie weg vom Klempner-Vater und raus in die große Welt nach Hamburg. Dem Trauma in Libyen bei der Unterhaltung der US-Truppen und der ausdauernden Bekanntschaft mit König Alkohol, folgen die heißen Jahre auf dem Kiez, die Reeperbahn, verrauchte Junggesellenbude, Dauerkiffen und Sex, Rausch und Hangover, Grölpublikum und – kurz gestreift – die Arbeit mit Klaus Doldinger und der „Tatort“-Titelmelodie.

Sensationell ist die Schau von Zürichs Theaterstar Jan Bülow, 23. Er imitiert nicht, bringt den „Marathon-Mann mit Turbolader“ (O-Ton Udo) auf den Punkt, hampelt, gestikuliert, ist fahrig, hyperaktiv – und schafft es.

Neben Bülow behaupten sich Charly Hübner als Vater mit verdrängten Träumen, Steffi Stephan als Saufkumpan und Bassist, Ruby O. Fee als Paula, „die sich immer auszieht“, Saskia Rosendahl als „Mädchen aus Ost-Berlin“ (hoffnungslose Liebe) und Detlev Buck als schmieriger Talentscout von Teldec.

Großartig die Ausstattung vom Wohnzimmer bis zur „Villa Kunterbunt“, gut, dass nur wenig Lieder gesungen werden und Bülow zwar singt, aber nicht in Udos Timbre. Wie auch immer, Lindi hat’s abgesegnet mit „Euphorie ohne Ende“. Sehenswert.

Bewertung

4 von 5 Punkten. Läuft im Cineplex Münster.

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Kinofilm-Premiere: „Lindenberg! Mach dein Ding!“

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  • Darsteller und das Vorbild: Schauspieler Jan Bülow (l.) spielt im Film die Hauptrolle - neben ihm steht der „echte“ Udo Lindenberg.

    Foto: Christian Charisius
  • Udo Lindenberg geht das Herz auf, wenn er Schauspieler Jan Bülow, der ihn auf der Leinwand verkörpert, seine Lieder singen hört. „Er singt im Stil des jungen Udo, so frischlingsmäßig“, sagte der Panikrocker.

    Foto: Caroline Seidel
  • Gruppenbild mit (v.l.) Regisseurin Hermine Huntgeburth, Schauspieler Jan Bülow, Katharina Fegebank (2. Bürgermeisterin von Hamburg), Udo Lindenberg und Michael Lehmann, Geschäftsführer Studio Hamburg.

    Foto: Christian Charisius
  • Auch Steffi Stephan (r.), Mitglied des Panikorchesters, kam zur Premiere. Hier stellt er sich mit Schauspieler Max von der Groeben den Fotografen.

    Foto: Christian Charisius
  • Von Gronau nach St. Pauli: Udo Lindenbergs erste Schritte gen Show-Business stehen im Fokus einer Rockbiografie von Hermine Huntgeburth, die mit manch ernstem Moment überrascht und mit viel guter Musik unterhält.

    Foto: Caroline Seidel
  • Der Film „Lindenberg! Mach dein Ding“ erzählt von Lindenbergs Zeit als Heranwachsender im westfälischen Gronau bis zu seinem Durchbruch in Hamburg im Alter von 27 Jahren. Sie freuen sich über das „filmische Ergebnis“: Udo Lindenberg (l.) und die Schauspieler Ruby O. Fee sowie Jan Bülow.

    Foto: Christian Charisius
  • Schauspieler Jan Bülow (l.) - hier im Bild mit seinem Vorbild und Schauspiel-Kollegin Ruby O. Fee - hat für den Soundtrack zum Biopic „Lindenberg! Mach dein Ding“ vier der 16 Songs selbst eingesungen. Darunter auch „Alles klar auf der Andrea Doria“ von 1973 - jenes Jahr, in dem Lindenberg seinen Durchbruch schaffte.

    Foto: Caroline Seidel
  • Ab dem 16. Januar 2020 läuft "Lindenberg! Mach dein Ding!" in den Kinos.

    Foto: Christian Charisius
  • „Wenn ich meine Stimme von früher höre, ist die ja auch ein paar Töne höher“, sagt Rockikone Udo Lindenberg. „Ich hab über die Jahre reichlich Knete investiert in Whisky und teure Zigarren, um sie dahin zu kriegen, wo ich sie haben wollte. Und jetzt ist die Stimme wie der raue Straßenwind. So wie der Panik-Pate. Diese Stimme können wir dann nehmen für den Teil 3 des Films, wenn es dann die Trilogie gibt, wie beim Godfather.“

    Foto: Christian Charisius
  • Gast bei der Premiere war auch Schauspielerin, Popsängerin und Moderatorin Jasmin Wagner.

    Foto: Christian Charisius
  • Im Blitzlicht-Gewitter: die Schauspielerinnen Ruby o. Fee (l.) und Jeanette Hain.

    Foto: Christian Charisius
  • Carlo von Tiedemann und seine Ehefrau Julia Laubrunn schauten ebenfalls bei der Premiere vorbei.

    Foto: Christian Charisius
  • „Gegenschuss“: Schauspielerin Ruby O. Fee griff selbst zur Kamera.

    Foto: Christian Charisius

 

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